WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 28/2019

und ein großer Erfolg auch für die Woh- nungswirtschaft“, so der GdW-Chef. Es sei sehr erfreulich, dass diesem Kernthema auch in den geplanten Maßnahmen der Bundesregierung große Bedeutung zuge- messen werde. Dass sich der Bund damit auch nach 2021 mit eigenen Mitteln am sozialen Wohnungsbau beteiligen wird, sei eine gute Botschaft für das bezahlbare Wohnen. Faire Altschuldenlösung Es sei zudem äußerst erfreulich, dass beim Problem der Altschulden nun eine faire Lösung für die Wohnungswirtschaft kon- kret in Aussicht ist. Denn in einigen Regi- onen haben Wohnungsunternehmen mit hohen Leerständen zu kämpfen. So ist die Leerstandsquote zum Beispiel in den ost- deutschen Ländern von 2017 auf 2018 erstmals seit 18 Jahren wieder angestie- gen. Aktuell liegt sie in den neuen Ländern, ohne Berlin, bei 8,3 Prozent und damit um 0,3 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Zusätzlich sind die Wohnungsunterneh- men dort häufig mit Altschulden aus DDR- Zeiten belastet. „Wir freuen uns sehr, dass die Bundesregierung Wohnungsgesell- schaften und -genossenschaften als wich- tige Akteure in der Stadt- und Regional- entwicklung schätzt und die Stärkung ihrer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit daher als nachhaltige Lösung ansieht. Zudem hat die Regierung das Beheben von Gebäude- leerständen als Voraussetzung für attrak- tive und lebendige Ortskerne erkannt“, lobte Gedaschko. Um eine demografische Spaltung Deutschlands zu verhindern, müs- sen den Wohnungsunternehmen zukunfts- fähige Investitionen in Bestand und Wohn- umfeld ermöglicht werden. Ankerstädte zur Stärkung ländlicher Regionen „Um schrumpfende Einwohnerzahlen in ländlichen Räumen und den Verlust der regionalen Kultur zu verhindern, brauchen wir attraktive Städte – mit anderen Worten Ankerstädte – in den Regionen. Diese gilt es, strukturell zu stärken“, so Gedaschko. Darunter sind diejenigen Städte zu ver- stehen, die ihre historische Funktion als zentraler Handels-, Kommunikations- und Begegnungsraum in den vergange- nen Jahrzehnten erhalten und ausgebaut haben. Gedaschko wertete es als sehr posi- tiv, dass auch dieses durch den GdW in sei- nem Positionspapier „Wohnen jenseits der Metropolen“ erarbeitete Leitbild in den Kommissions-Schlussfolgerungen berück- sichtigt werde. „Wohnstandorte sind langfristig nur attrak- tiv, wenn die Versorgung mit Einkaufsmög- lichkeiten, die medizinische Infrastruktur, kulturelle Einrichtungen und Bildungsan- gebote sowie eine gute Breitbandversor- gung vorhanden sind.“ Auch das greift die Kommission in ihren Schlussfolgerungen richtigerweise auf und fordert unter ande- rem eine flächendeckende Glasfaser-Ver- sorgung bis ans Gebäude. Beim zentralen Thema Erreichbarkeit und Mobilität sei es positiv, dass die Bundesregierung im Zuge der bundesweiten Vernetzung eine Öff- nung des Rechtsrahmens für neue Ange- bote vorsehe, die den Linienverkehr stär- ken. Flexible Förderstrukturen Raumordnung und Regionalplanung müs- sen neu ausgerichtet und gestärkt werden – auch dies sehen die Ergebnisse erfreuli- cherweise vor. „Wir brauchen Öffnungs- beziehungsweise Experimentierklauseln für den ländlichen Raum sowie geeignete, fle- xible Förderstrukturen, um die Attraktivität der Regionen jenseits der Metropolen zu stärken und dadurch den Zuwanderungs- druck auf die Ballungszentren abzuschwä- chen“, so der GdW-Chef. „Deshalb begrü- ßen wir die Absicht der Bundesregierung ausdrücklich, mit einem neuen gesamt- deutschen Fördersystem strukturschwa- che Regionen unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung gezielt för- dern zu wollen.“ Notwendig sei es, die interkommunale Zusammenarbeit durch regionale Planungsverbünde unter Einbe- ziehung der Wohnungswirtschaft zu stär- ken. Nur so könne die Wohnungswirtschaft den zunehmenden Spagat zwischen Woh- nungsknappheit in den Metropolregionen und Leerständen in den ländlichen Räumen bewältigen. Der Bund kündigt in seinem Maßnahmen- plan zudem an, im Rahmen eines „Gleich- wertigkeits-Checks“ künftig bei allen Gesetzesvorhaben zu prüfen, welche Wir- kungen sie auf die Wahrung und Förde- rung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland haben. Das ist aus Sicht der Wohnungswirtschaft ein interessantes Vor- haben im Hinblick auf politische Gedan- kenspiele beispielsweise zu Mietendeckeln, die letztlich eine Stärkung der ländlichen Räume konterkarieren würden, da solch starke Eingriffe in die Wohnungsmärkte einen verstärkten Wegzug aus den ländli- chen Regionen fördern würden. Nicht zuletzt bewertet es die Wohnungs- wirtschaft als positiv, dass die Bundesre- gierung das ehrenamtliche Engagement durch die Gründung einer „Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt“ stärken will. „Für gute Nachbarschaften ist die Unterstützung von bürgerschaft- lichem Engagement auch in den Wohn- quartieren eine wichtige Voraussetzung“, so Gedaschko abschließend. Der GdW erarbeitet gemeinsam mit seinen Regionalverbänden im Rahmen eines groß angelegten Kooperationsprojekts in drei Bundesländern aktuell Möglichkeiten zur Stärkung des regionalen Ausgleichs und wird diese Erkenntnisse als Vertreter der Wohnungsunternehmen – den Gestaltern von Heimat vor Ort – noch weiter einbrin- gen. (schi) Das GdW Positionspapier „Wohnen jenseits der Metropolen“ finden Sie zum Download unter: https://bit. ly/2OuSOKm BUNDESPOLITIK Fortsetzung von Seite 1 WETTBEWERB Der Preis Soziale Stadt wird in diesem Jahr erstmals in Kooperation mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis verlie- hen. Damit wird das Anliegen beider Preise, das Engagement von Menschen und Initiativen zu würdigen, die Stadt- und Quartiersentwicklung aktiv mitge- stalten, verbunden. Reichen Sie Ihr Projekt noch bis zum 29. Juli 2019 über das Online-Bewerbungs- formular ein. Das Gewinnerprojekt erhält in diesem Jahr 10.000 Euro. Alle Infos zum Preis Soziale Stadt und zur Online-Bewerbung finden Sie unter: https://bit.ly/2EPiTBy Bewerben Sie sich noch bis zum 29. Juli 2019 mit Ihrem Projekt! 2 28/2019

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==