Arbeitswelten personalmagazin plus: Arbeitswelten 8 die eigentliche Aufgabe: Unsere zwischenmenschliche Interaktion auch menschengerecht zu gestalten. Am Ende können wir nur die Arbeitsumgebungen bauen, die wir uns vorzustellen vermögen. Wenn wir so weitermachen, wird es nicht viel mehr sein, als ein Gaming-Sessel, aus dem wir in ein fades Metaverse starten. Dabei hat die Digitalisierung uns nicht nur vor komplexe Herausforderungen gestellt, sondern die Lösungswerkzeuge gleich mitgebracht: Technologisch wie methodisch können wir vom Bildschirmarbeitsplatz aufstehen und uns einander zuwenden. Unter dem Stichwort „aktivitätsbasiertes Arbeiten“ gibt es neue Möbel und Medien, die uns in unserer Tätigkeitsausübung ergonomisch-funktional unterstützen wollen. Doch funktional reicht nicht, umMenschen in eine andere Arbeitsverfassung zu bringen. Wer Raum als Führungsinstrument nutzen will, sollte nicht nur die Infrastruktur, sondern den Menschen im Auge haben. Wir sind sinnliche Wesen, keine Maschinen. 3. In der sinnlichen Wahrnehmung liegt unser Vorteil Psychologie, Verhaltens- und Hirnforschung bestätigen, wie stark die weichen, physiologischen und emotionalen Faktoren unsere Denk- und Leistungsfähigkeit beeinflussen. Biologen haben bewiesen, dass unser Körper permanent mit der Außenwelt kommuniziert, die wiederum unseren Metabolismus wie Hormonhaushalt beeinflusst – und damit unsere (Arbeits-)Verfassung, Stimmung und Gefühlswelt. Wenn wir uns also permanent im Lernräume bewusst gestalten Virtuelle Räume erweitern unser Interaktionsspektrum, digitale Services legen Individuen die Welt zu Füßen. Die Frage nach der User Experience rückt damit auch an den physischen Raum heran. Was ist sein Leistungsversprechen? Wie kann er die Wirksamkeit der Anwesenden erhöhen? Wie kann er sie in ihrer Tätigkeitsabsicht unterstützen? Die folgenden vier Raumkonzepte skizzieren mögliche Handlungsfelder. DER MATERIALISIERTE DENKRAUM Wissensarbeit ist abstrakt. Um das eigene Tun besser „begreifen“ zu können, hilft der assoziative Kontext wie etwa das Labor oder kulturelle Anker wie der Lesesaal in einer Bibliothek. Solche Reminiszenzen lassen sich auf Tätigkeitsabsichten übersetzen und dienen als Gebrauchsanleitung. DER RITUELLE MOTIVRAUM Neue Arbeitsweisen brauchen vertraute Motive, um an gelernte Rituale andocken zu können. Beim Lagerfeuer (Diskussionsrunden), dem Parcours (Stationenlernen) oder der Bühne (Rollenerprobung) definieren Motive die Positionen zueinander. DER FLUIDE IMAGINATIONSRAUM Der Mensch ist nicht nur geneigt zu glauben, was er sieht. Er interagiert auch mit dem, was die Umgebung ihm vorspielt. Mit Blick auf Gaming und das Bespielen erweiterter Realitäten dürften auch Motive und Narrative aus der Fantasiewelt in die reale Arbeitswelt driften, um auch vor Ort unseren Interaktionsraum spielerisch zu erweitern. DER SELBSTREFERENZIELLE RAUM Wir lassen uns von der Umwelt inspirieren und benutzen sie auch, um uns selbst darin zu inszenieren. Die Visualisierungstools in sozialen Medien verlangen nach Animation und Kulisse in der realen Welt. Wenn wir so weitermachen, wird unser Arbeitsplatz nicht mehr viel mehr sein als ein GamingSessel, aus dem wir in ein fades Metaverse starten.
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