Personalmagazin plus 10/2022

Arbeitswelten 6 mobil gearbeitet haben und als die Pioniere der agilen Transformation gelten. Nun sind es leider ausgerechnet diejenigen, die am schwersten zu gewinnen und zu halten sind, die sich physisch vom Büro entfernen. Die Personalentwicklung kann sich also langsam vorstellen, was deren Selbstbestimmung für die Führung, das Anlernen und die Zusammenarbeit im Büro bedeutet. Wie lange sind die den persönlichen oder dem Team zugeordneten Arbeitsbereiche – sogenannte Homezones – noch zentrale Anlaufstelle in den Büros, wenn auch die eigene Homezone bei der Familie zu Hause oder am Urlaubsort bei Freunden genutzt werden kann? Das Real Estate quält die neue Unplanbarkeit der Belegungsdichte. Nachhaltigkeitsauflagen scheinen leichter umsetzbar als die Abstimmung von Auslastung mit Bewirtschaftung. Die Faustformel hier: In größeren Unternehmen werden Mietflächen um etwa ein Drittel reduziert und Desksharing eingeführt oder die bereits existente Sharingquote angehoben. Smarte Buchungssysteme übertragen den Angestellten die Aufgabe, sich mit dem verfügbaren Platz zu arrangieren. Ein Argument, um ins Büro zu kommen, ist das nicht. Im Gegenteil: Die Mitarbeitenden können sich ihres Arbeitsplatzes zu Hause sicherer sein als im Büro. Haben Real Estate und Personalentwicklung überhaupt gemeinsame Lösungsansätze, um den Bürobesuch wieder attraktiv zu machen? Oder geht es bei den Maßnahmen, die derzeit in vielen Unternehmen getroffen werden, eher um die gebaute Effizienz der Organisation? Dann hätte unter dem Stichwort „agile Transformation“ am Ende doch nur jeder für Man könnte denken, Organisationen seien auf dem richtigen Weg. Gerade erst wurde die Arbeitsorganisation transformiert: Zusammenarbeit sollte dynamisch und transdisziplinär in Projektteams erfolgen. Damit Prozesse agiler vonstatten gehen konnten, wurden die Büros flexibilisiert. Auf Open Spaces, offenen Bürolandschaften, sollte alles möglich sein – vor allem Kommunikation und Wissensaustausch. Doch jetzt, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt ihren Homeoffice-Wunsch äußern, stellt sich eine provokante Frage wie von selbst: Wurden die Arbeitskräfte bei diesen Planspielen vergessen? Sicherlich wurden sie nicht im Sinne von Coaching zu Methodenskills und Befähigung zur Selbstorganisation vergessen. Vernachlässigt wurde vielmehr die Frage, inwiefern die räumliche Gestaltung einen spürbaren Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer leisten kann. Denn eigentlich könnte sie das. Wurde dem Arbeitsraum zu wenig zugetraut? Definitiv ja und ich vermute aus mehreren Gründen. 1. Jeder nutzt Raum für seine eigenen Zwecke Die Mitarbeitenden tun es, die Personalentwicklung tut es und das Corporate Real Estate tut es auch. Bei den Mitarbeitenden scheint sich eine neue Faustregel abzuzeichnen: Je selbstorganisierter, qualifizierter und freier in der Wahl des Arbeitsorts sie sind, desto seltener findet man diese Personen im Büro. Das Bild bestätigen insbesondere ITler, die schon vor der Pandemie viel Neue Metaphern für ein Büro als Lernwelt Die Grafik untergliedert Wissensarbeit auf einer Achse zwischen den Polen „konzentrieren“ (links) und „kollaborieren“ (rechts). Die mittigen Haupttätigkeiten gilt es durch eine stimulierende Umgebung assoziativ zu verstärken, wobei vertikal zwischen geplanter und spontaner Tätigkeit unterschieden wird, um auch informellen Austausch zu gestalten. Die zugewiesenen Orte dienen dazu, der jeweils erwünschten Arbeitsabsicht ein räumliches Motiv zur Inspiration zur Seite zu stellen. BIBLIOTHEK SPA DENKZELLE GARTEN fokussieren auftanken abschotten spazieren konzentrieren erholen geplant spontan Kommunikationsintensität

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