57 Ausblick Wenn man sich vorstellt, dass das Wort „flexibel“ für alle Lebensbereiche gilt und die Gewichtung von Arbeit, Freizeit und Bildung entsprechend den sich ändernden Lebensumständen neu definiert wird, wäre eine ausgewogene Work-Life-Balance an sieben Tagen der Woche möglich. Individuen nehmen sich Zeit für Weiterbildung und längere Pausen von der Arbeit. Digitalisierung, Globalisierung, veränderte Anforderungen und der steigende Drang zur Selbstverwirklichung lassen Zweifel an den bestehenden Arbeitsmodellen aufkommen. Statische Systeme kommen in Bewegung. Arbeit, Freizeit, Bildung, Ruhestand werden grundlegend neu definiert. In einer zunehmend virtuellen Arbeitswelt wird es wichtiger denn je, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, motiviert und dem Gefühl der Isolation entgegenwirkt. Wir müssen Räume mit Aufenthaltsqualität schaffen, die kreatives und agiles Arbeiten sowie zufällige Begegnungen unterstützen und virtuelle und reale Welt zusammenbringen. Helmut Link, Geschäftsführender Gesellschafter Interstuhl und neuer Vorstandsvorsitzender des Industrieverband Büro und Arbeitswelt (IBA) Ich habe ein Buch über die „Einsamkeit des modernen Menschen“ geschrieben, eine Einsamkeit, die am Ende des Prozesses der Individualisierung steht, wie er die Welt seit Jahrhunderten prägt und heute unsere Demokratie bedroht. Auch in der Arbeitswelt ist die „Befreiung des Ichs“ zur „Isolation des Ichs“ geworden – mit unübersehbaren Folgen. Die hybride Arbeitswelt birgt die Gefahr, diese Isolation noch zu verstärken. Aber Unternehmen können etwas dagegen tun: Um Motivation und Solidarität zu schaffen, braucht es keine Gruppentherapie unter Anleitung geschulter Betriebspsychologen, sondern ein gemeinsames Ziel. Das ist eigentlich eine alte Weisheit. Es braucht Werte, denen man sich verschreibt. Verfolgt man sie, wächst die Identifikation und das Wohlbefinden damit, etwas Richtiges, etwas Gutes zu tun. Stolz darauf zu sein, an dem, was produziert wird, beteiligt zu sein – sauber und fair zu produzieren, sich Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung verpflichtet zu fühlen, das liefert mehr und neuen Kitt. Es sind am Ende die ideellen Werte, für die ein Unternehmen steht, die auch darüber entscheiden, ob und wie sich die Beschäftigten mit ihrem Brötchengeber identifizieren. Mehr Wirgefühl beginnt dort, wo es um eine andere Art von Wertschöpfung geht, die sich nicht in Renditen oder Profiten auszahlt. Jeden Tag aufs Neue. Martin Hecht, Autor, Publizist, Schriftsteller So herausfordernd die Pandemie war und noch ist, wir haben in dieser Zeit auch wertvolle Erfahrungen gesammelt, etwa mit Blick auf mobiles und flexibles Arbeiten oder virtuelle Events. Nun gilt es, dies in die „Post-Corona-Welt“ zu übertragen. Dazu gehört, dass Mitarbeitende weiterhin flexibel arbeiten und wir mobiles Arbeiten sinnvoll mit der Tätigkeit im Büro kombinieren. Konkret bedeutet dies, dass Rollen bis zu 40 Prozent mobil ausgeübt werden können – wenn die Aufgaben dies zulassen. Doch wir sollten die Rolle des Büros nicht unterschätzen. Ich bin davon überzeugt, dass das Büro auch in Zukunft wichtig sein wird – als Ort der Inspiration, Kreativität und Kollaboration. Virtuelle Zusammenarbeit kann die Kraft der menschlichen Begegnung nicht ersetzen. Dazu brauchen wir eine moderne und attraktive Büroumgebung, in der Menschen gerne (zusammen-)arbeiten und die Kultur von Henkel erleben. Eine starke Kultur basierend auf gemeinsamen Werten und „Leadership Commitments“ ist das, was unser Unternehmen ausmacht – und uns als Team zusammenhält. Sylvie Nicol, CHRO Henkel
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