Personalmagazin plus 10/2022

49 Praxis Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meinen Laptop, mein Stromkabel, mein Headset, meine Maus und – mein Team. In der Theorie steht die Packliste für hybrides Arbeiten schnell, in der Praxis werden jedoch häufig die Beschäftigten vergessen. Um tatsächlich auch das Team mitzunehmen, ist die Kommunikationsagentur Navos mit ihren Mitarbeitenden ins Gespräch gegangen. Ein Erfahrungsbericht. Schon im Sommer nach der ersten Coronawelle war für uns, die Kommunikationsagentur Navos, klar: Wenn der Spuk einmal zu Ende ist, wird nur ein Teil der Kolleginnen und Kollegen ins Büro zurückkehren. Fast jeder hat zu Hause seine Arbeitsecke gefunden und sich an die Onlinearbeits- und -Kaffeemeetings gewöhnt. Die Pandemie hat eine steile digitale Lernkurve geschaffen. Wir haben in unserer Arbeit an Flexibilität gewonnen, ohne an Verlässlichkeit zu verlieren. Was vorher nur eine theoretische Vermutung war, hat sich in der Praxis bewiesen: New Work funktioniert. Wie geht es nun weiter? Das „Danach“ muss neu geordnet und auch gestaltet werden. Ein gutes Stück Arbeit, aber auch eine tolle Chance. Wir können unsere Büros neu erfinden und unsere Zusammenarbeit neu denken. Und wir können definieren, welche Werte jetzt für ein starkes Teamgefühl gepflegt werden müssen. Die Arbeit beginnt. Und alle Standorte, alle Abteilungen, alle Ebenen machen mit Bei Navos haben wir im Sommer 2021 eine Arbeitsgruppe gegründet, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Die Aufgabe: Wie wollen wir im Büro und remote flexibel und dennoch eng zusammenarbeiten? Wie bringen wir die Anforderungen zusammen? Zusätzlich ist die Agentur während der zwei Pandemiejahre weiter gewachsen. Dadurch ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder die Agentur bezieht neue Räume oder die bestehenden Räume werden in Kombination mit einem hybriden Arbeitsmodell umgestaltet. Der veränderte Arbeitsalltag braucht auch im Büro neue Bereiche: Ruhebereiche für konzentriertes Schreiben an einem Text, Bereiche für Teamarbeit, um miteinander Ideen zu pitchen, einen Bereich, der als Lounge gestaltet zum entspannten Brainstorming einlädt, und auch Kabinen für längere Videocalls. Denn: New Work geht nicht ohne New Office. Beides muss von Beginn an zusammen gedacht und zusammen umgesetzt werden. Als Grundlage diente der Arbeitsgruppe eine agenturweite Umfrage. Diese zeigte, dass die Kolleginnen und Kollegen die neue Freiheit und Flexibilität in ihrem Arbeitstag auf Dauer bewahren wollen. Zugleich wünschen sie sich aber möglichst viel vom Büro- und Teamgefühl zurück. Also eine neue Normalität, die sich vertraut anfühlen soll. Ein wichtiges Ergebnis: 84 Prozent befürworten statt fester Arbeitsplätze „Plug- &-Play“-Schreibtische, die per App gebucht werden können. Das ist eine solide Mehrheit für die Flexibilisierung. Auch auf die Frage, wozu das Büro künftig dienen soll, gibt es ein klares Mehrheitsbild. Die Mitarbeitenden wünschen sich das Büro als Ort des Socializing, der Nestwärme, des persönlichen Austauschs und der gemeinsamen kreativen Arbeit. So plant die Mehrheit des Teams in Zukunft drei Tage pro Woche ins Büro zu kommen. Auf eine Fünftagewoche gerechnet, entspricht das einer Auslastung von 70 Prozent. Damit lässt sich rechnen und Platz gewinnen. Das Team wünscht sich mehr Flexibilität. Zugleich zeigt die Umfrage, dass eine große Sorge herrscht, „… dass wir einander im Homeoffice verlieren, uns nicht mehr privat austauschen, neue Kolleginnen und Kollegen kaum noch kennenlernen“. So war ein wichtiges Ziel der Umfrage auch, Rituale des Miteinanders zu entwickeln, die im New Work funktionieren. Playbook und Spielmacher, konkrete Ideen und interne Pilotprojekte Im „Playbook“ hat die Agentur für New Work die passenden Spielzüge festgehalten. Diese beschreiben einerseits die Werte und neuen Rituale, die gelebt und gepflegt werden wollen. Andererseits Präsenzwünsche 6 2 36 56 Antworten der Navos-Beschäftigten auf die Frage: Wie viele Tage würdest du pro Woche ins Büro kommen wollen, wenn die Pandemie vorbei ist? nie 1-2 Tage 3-4 Tage jeden Tag Angaben in Prozent

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