Personalmagazin plus 10/2022

24 Arbeitswelten nem der Rankings unter den Top Ten zu finden ist. Doch die Transformation ist auch bei uns in einigen Städten bereits in Gange. Die Stadt Heidelberg positioniert sich auch in der internationalen Wahrnehmung sehr prononciert als die Stadt, in der Autos nicht willkommen sind. Die Entscheidungsträger machen dies nicht, weil sie Fahrräder so großartig finden. Sie machen es, um das wirtschaftliche Überleben der Stadt zu sichern. Denn mit dem Umbau der Stadt schafft Heidelberg die Grundlage für Investitionen und wirtschaftliches Wachstum. In einer wissensbasierten Gesellschaft verändern sich nicht nur die sozialen und wirtschaftlichen Prinzipien, sondern auch die Standortfaktoren. Die Lebensqualität vor Ort wird somit zum ökonomischen Faktor und beinhaltet zuallererst ein gesundes, sicheres und inklusives Umfeld. Paris, Mailand, London oder Brüssel sind die Vorreiter dieser Entwicklung neuer Standortfaktoren. Andere Städte bauen noch Stadtautobahnen. Active Lifestyle ist dank der Coronapandemie zum zeitgenössischen Leitbild vieler Städte avanciert. Das Paradigma ist auf sorgungskrise werden beide, sowohl die Städte wie auch die Unternehmen oder Arbeitszonen, wieder merken, wie wichtig sie füreinander sind. Städte lassen das automobile Erbe hinter sich – langsam Während die mobile Gesellschaft sich über die Jahre und Jahrzehnte stetig verändert hat, ist eins immer gleichgeblieben: Straßen und mit ihnen die autogerechte Stadt. Wir kaufen über das Internet Waren und Lebensmittel, wir bilden uns ein Leben lang weiter und versuchen, uns gesünder und nachhaltiger zu ernähren, führen Konferenzen in vielen Teilen der Welt und dies nahezu parallel. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach immer größer werdenden Autos auf den immer gleichen Straßen ein wesentlicher Teil der verkehrlichen Realität. Aber der Wandel greift bereits um sich, die Verkehrswende zeigt sich immer stärker. Immer mehr Akteure begreifen, dass vor der Verkehrswende die Mobilitätswende kommen muss. Und vor der Mobilitätswende steht die Raumwende. Wie das neue Denken für die Funktionen und Möglichkeiten der Räume einer Stadt aussehen kann, beschreibt Andreas Reckwitz in seinem Buch „Die Gesellschaft der Singularitäten“: „Einige Städte haben schon früh verstanden, dass es neue Anforderungen zu erfüllen gilt, um sich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen – ökonomisch, sozial und ökologisch. Das ist nicht nur eine Frage des Stadtmarketings, sondern auch der baulichen Gestaltung der Städte selbst, die sich in einem ständigen Attraktivitätswettbewerb um Bewohnerinnen und Bewohner, Touristinnen und Touristen sowie um Ansiedlungen von Unternehmen befinden.“ Straßen sind die Repräsentanten einer industriellen Gesellschaft. Sie sind gebaut worden, um die Industrie mit Arbeitskräften und mit Rohstoffen zu versorgen. Parkplätze schafften die Voraussetzung für eine effiziente Logistik in diesem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell – für Menschen und Maschinen. Der männliche Vollzeitbeschäftigte pendelte in diesem Systemmorgens zur Arbeit und kehrte abends zu seiner Familie zurück. Diese Zeiten sind lange vorbei. An den Straßen hat sich trotzdem bislang wenig geändert. Sie sind die historische Gegenwart unserer Zeit und unserer Räume. Die Zukunft liegt heute in Mobilitätsräumen. Die Phasen der Immobilität, hervorgerufen durch die Coronalockdowns, wurden zum Augenöffner: Als der Himmel plötzlich frei von Kondensstreifen, die Luft von Abgasen befreit und sauberer denn je war und als der Lärm der Stadt auf ein Minimum reduziert wurde, zeigte sich deutlich, wie stark die urbane Lebensqualität mit ihrer Mobilität verknüpft ist und welche Bedeutung der öffentliche Raum in diesem Transformationsprozess einnimmt. Active Lifestyles: Städte als Mobilitätsräume Der Wirtschaftsstandort Deutschland leidet unter der Automobilität: Rückgänge im Einzelhandel, eine Gesellschaft im Stau, Luft- und Lärmverschmutzung sind nur einige Aspekte, die eine autoabhängige Gesellschaft verschuldet hat. Nach dem Global Liveability Index 2021 finden sich die lebenswertesten Städte dieser Welt (allen voran Auckland, aber auch Wien oder Zürich) und auch die smartesten Städte (Singapur, Zürich und Oslo) überall, nur nicht in Deutschland, das in kei-

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