menarbeiten. Das könnte auch digital funktionieren, aber man weiß ja, dass es live sehr viel mehr Spaß macht. Hinzu kommt, dass auch die Leute im Homeoffice „connected“ sein müssen. Die technische Ausstattung in den unterschiedlichen Räumen muss so gestaltet sein, dass alle zusammenarbeiten können, unabhängig davon, wo sie gerade sitzen. Hier ist noch viel Luft nach oben, bis alles so integriert ist, dass man wirklich den Eindruck schafft, dass alle Teammitglieder live dabei sind. Da wird noch sehr viel Neues erfunden werden müssen. Und wenn genau diese Entwicklungen stattgefunden haben – wie sehen dann die Büros der Zukunft aus? Goldberg: Was man absehen kann, ist, dass sich alles weiter stark verändern wird. Unter dem Eindruck der Agilität scheuen sich heute schon die großen Unternehmen, Arbeitsplätze für die Ewigkeit zu konzipieren. Viele wissen nicht, ob sie diese übernächstes Jahr noch brauchen. In diese Richtung geht auch der Trend, dass Firmen Gebäude nur noch anmieten und nicht mehr kaufen, um sich den ständigen Veränderungen schnell anpassen zu können. Das alles ist nicht mehr auf lange Lebensdauer angelegt. Die Möbel und Raumtypologien müssen dementsprechend flexibel sein. Das geht so weit, dass es manchmal schon ein bisschen wehtut, wenn man merkt: Alles hat ein bisschen zu wenig Bestand. Auf der anderen Seite ist das auch gerade das interessante. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass nicht alles – auch nicht die Arbeitsmodelle und die Arbeitgeber – für immer bleiben. Radermacher: Auch die Konzepte und Ansätze aus Personalsicht gehen in Richtung einer ständigen Anpassbarkeit. Das betrifft Arbeitsmethoden wie Agilität, die Organisationsentwicklung, die ganz klar zum sich ständig verändernden, sich selbst findenden und lernenden Unternehmen geht und auch die Arbeitsplatzkonzepte. Alles muss durch die extremen Rahmenbedingungen, in denen sich unsere Weltwirtschaft aktuell befindet, dynamisch bleiben können. Ohne eine solche Flexibilität werden die Unternehmen auf Dauer nicht erfolgreich sein können. Wie entwickeln sich denn die Produktionsbetriebe in dieser Hinsicht? Hier lässt sich mit Sicherheit nicht alles flexibel gestalten, aber auch hier gibt es Verwaltungsräume und Kantinen – sind das auch Themen für Büroeinrichter? Goldberg: Bei den meisten Projekten unserer Kunden in diesem Bereich handelt es sich tatsächlich um die klassischen Büroarbeitsplätze. Aber natürlich haben viele solcher Firmen auch Produktionsbereiche, und die gebaute Firmenkultur, für die wir zuständig sind, sollte auch hier sichtbar sein. Also versucht man, Merkmale dessen, was für die Büroarchitektur entwickelt wurde, in allen Bereichen des Unternehmens sichtbar zu machen. Ein großer Faktor sind hier beispielsweise die Firmenrestaurants, in denen sich die Beschäftigten aus den ganz unterschiedlichen Bereichen aufhalten Radermacher: In diesen Bereichen ist die Signalwirkung ein ganz wichtiger Faktor. Das Essen mag auch am alten Tisch genauso gut schmecken, aber das Zeichen, dass der Arbeitgeber in die Mitarbeitenden investiert, rückt hier noch mal ganz stark in den Mittelpunkt. Außerdem gibt es auch in diesen Bereichen viele gestalterische Möglichkeiten. So kann man beispielsweise überlegen, wie man Räume und Wege legt, damit Mitarbeitende sich häufiger begegnen. Auch die Lage von Kantinen und Pausenräumen kann einen Einfluss darauf haben, ob Mitarbeitende aus der Produktion und Verwaltung sich regelmäßig begegnen. Goldberg: Das ist auch eine Form der Architekturorganisation. Unsere Aufgabe ist es auch zu inszenieren, dass Menschen sich treffen und erleben können – und das ist weit bedeutender als der perfekte Arbeitsplatz mit seinen ergonomischen Anforderungen oder seiner technischen Ausstattung. Gut vernetzt trotz räumlicher Distanz: Das Gespräch zwi- schen den beiden Expertinnen fand per Video statt. Moderiert wurde es von PersonalmagazinRedakteurin Katharina Schmitt (im Foto rechts oben). 15 Schwerpunkt
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==