Personalmagazin plus 10/2022

sodass der Mitarbeitende schon beim Öffnen der Eingangstür, wenn er ins Gebäude tritt, spürt: Hier ist es einzigartig, und ich gehöre hier hin. Radermacher: Das Einzigartige, zumindest für die Mitarbeiter, die bereits in diesem Unternehmen sind, kann aber auch die Art und Weise ausmachen, wie diese Ausstattung – die vielleicht tatsächlich so in anderen Unternehmen vorgefunden wird – mit der Unternehmenskultur verknüpft und in Abläufe und Verhaltensweisen integriert wird. Das Nutzungskonzept, die gelebten Rituale und Verhaltensweisen machen den großen Unterschied aus. Und genau dies kann jedes Unternehmen für sich gestalten. So gibt es vielleicht Unternehmen, die die große Austauschebene ritualisiert dafür nutzen, dass der Chef für die Teamsitzung Kuchen mitbringt. So etwas prägt und schafft Identität, auch wenn es vom Design her die gleiche Austauschebene wie beim Nachbarn ist. Sind diese Entwicklungen moderner Arbeitsplätze eigentlich wirklich schon üblich? Oder sprechen wir von wenigen Vorreitern im Bereich der Wissensarbeiter? Radermacher: Natürlich haben in erster Linie die großen Unternehmen das entsprechende Umfeld und die finanzielle Ausstattung, um eine auch räumliche Transformation anzugehen. Was wir sehen, ist, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen sich noch gar nicht darüber im Klaren sind, wie sie ihre Arbeitsumgebung nutzen und verbessern können. Ich bin neulich von einer IHK gebeten worden, über den Zusammenhang von Arbeitgeberattraktivität und Arbeitsplätzen zu sprechen. Da habe ich gemerkt, dass das Thema zwar grundsätzlich bei allen Unternehmen angekommen ist, aber viele Unternehmen noch keine konkrete Vorstellung davon haben, wie sie Arbeitsplätze dazu nutzen können, die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Was ist mit den Beschäftigten im Homeoffice? Gehen an diesen diese Effekte vorbei? Radermacher: Wir sehen an unseren Daten, dass auch Mitarbeitende, die hauptsächlich im Homeoffice arbeiten, sich wieder mehr bemerkbar machen wollen. Ein Anhaltspunkt dafür ist, dass bei diesen Leuten das Thema Karriere wieder eine wesentlich höhere Bedeutung bekommt. Unternehmen müssen sich also bei hybriden Konzepten auch Gedanken machen, wie die Beschäftigten, die nicht vor Ort sind, auf dem Radar bleiben, wie ihre Erfolge sichtbar werden. Da sieht man, wie stark ein Arbeitsplatzkonzept, HR-Praktiken und Unternehmenskultur zusammenhängen. Das heißt, wenn an einem Rad gedreht wird, muss auch an anderen Stellen Bewegung stattfinden, um kompatibel zu sein. Frau Goldberg, sind denn bei Ihren Beratungen zur Arbeitsplatzgestaltung die Mitarbeitenden imHomeoffice noch im Fokus? Goldberg: Auf jeden Fall. Vor allem denjenigen, die flexibel arbeiten, gilt ein starkes Augenmerk. Denn genau sie wollen, wenn sie hin und wieder ins Büro kommen, nicht acht Stunden konzentriert und schalldicht am Einzelarbeitsplatz sitzen. Ihre Gründe, ins Büro zu kommen, sind Meetings oder Workshops. Möglich ist auch, dass alle Teammitglieder wegen konkreter Projektphasen über einige Wochen intensiv in Präsenz zusam- „ Alle Konzepte, auch die der Personaler, gehen in Richtung einer ständigen Anpassbarkeit. Ohne diese Flexibilität werden Unternehmen heute nicht mehr länger erfolgreich sein können.“ Katharina Radermacher, Universität Paderborn Arbeitswelten 14 personalmagazin plus: Arbeitswelten

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