Personalmagazin plus 10/2022

Können Sie uns für eine solche Wirkung der Büroräume Beispiele geben? Goldberg: Es gibt ein paar Faktoren, die fast immer funktionieren. Beispielsweise ist das Thema „Grün“ sehr positiv besetzt: Kommen Menschen in einen Raum, in dem viele Pflanzen sind und ganz offensichtlich gut gedeihen, merkt man sofort, dass hier ein gutes Klima herrscht. Das wirkt auch implizit auf die Wahrnehmung des Arbeitsklimas. In Räumen, in denen Licht und Luft sind, fühlt man sich fast automatisch wohl. Wir haben zu diesem Thema sogar schon einmal eine Studie gemacht und darauf basierend verschiedene Objekte wie zum Beispiel grüne Raumteiler und schwebende Pflanzen, die ihr eigenes Licht mitbringen, kreiert. In Zeiten des Desksharings, wo die persönlichen Gegenstände abends weggeräumt werden, ist es sehr wichtig, über solche Integrations- oder Identifikationsobjekte wie auch Farbigkeit, Texturen, Licht oder besondere Akustik eine besondere Bindung und Nähe zum Raum beim Mitarbeitenden entstehen zu lassen. Wie kann man aber bei diesem Prozess die Unternehmenskultur abbilden? Radermacher: Klassische Kulturmodelle bestehen immer aus drei Ebenen: Unsichtbar ist die unterste Ebene der Grundannahmen und Weltanschauungen. Doch schon teilweise sichtbar ist die nächste Ebene der Normen, Werte und Leitbilder. Darüber stehen die sichtbaren Artefakte, wie zum Beispiel Strukturen, Verhaltensweisen und Rituale. Bei diesen beiden Ebenen bietet sich die große Chance, auch neue Konzepte und Transformationen sichtbar zu machen. Architektur ist ein ganz wichtiges Artefakt, sie bestätigt, dass die Transformation als zunächst theoretisches Konstrukt ernst gemeint ist. Wer einen Wandel im Unternehmen erreichen möchte, muss auch Rituale ändern. Dazu kann beispielsweise auch gehören, dass Vorgesetzte ihre geliebten Einzelbüros verlassen und auch in die Fläche gehen oder aus dem Homeoffice heraus arbeiten. Goldberg: Die Büroarchitektur und die Büroausstattung bestärken die Glaubwürdigkeit der Kultur und können auch ihre Veränderungen sichtbar machen. Man kann sich viele großartige Unternehmenswerte auf die Fahne schreiben, doch wer täglich in diesem Unternehmen arbeitet, muss die Wahrhaftigkeit dieser Werte auch spüren und erleben. Dabei muss jedoch klar sein, dass die Bürogestaltung immer nur die Bühne für die gelebte Unternehmenskultur ist. Doch wenn hier die Symbiose stimmt, ist schon viel gewonnen. Das führt zu einer hohen Identifikation der Menschen mit dem Unternehmen und dem, was sie tun. Neu gestaltete Büroräume ähneln sich häufig sehr. Wird denn so die eigene Unternehmenskultur noch bewusst? Goldberg: Es gibt sehr gute Bürokonzepte und auch Ausstatter, die für alle Bedürfnisse eine Lösung haben, sodass man das Unternehmen komplett mit diesem Design einrichten kann. Fatal ist, wenn das Büro dann genau so aussieht wie das Bürogebäude nebenan. Denn dann bleibt das Branding auf der Strecke – obwohl alles sehr schön aussieht. Gute Berater können hier einen diametral anderen Weg gehen, um die Eigenheiten des Unternehmens, das was die Unternehmenskultur prägt, erlebbar zu machen. Sie arbeiten die Identität des Unternehmens heraus und können diese als einzigartig und merkfähig sichtbar machen, „Mitarbeitende werden nicht glücklich, wenn ihnen Raumkonzepte aufgezwungen werden. Die beste Ausstattung läuft ins Leere, wenn keine Partizipation stattgefunden hat.“ Tilla Goldberg, Ippolito Fleitz Group 13 Schwerpunkt

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