Personalmagazin plus 10/2022

Arbeitskonzepte gebraucht werden und verwirklicht werden sollen. Erst wenn das geklärt ist, schaut man auch auf den höheren Ebenen darauf. Denn nur so wird den Beteiligten auch die Sinnhaftigkeit dieser Konzepte klar. Und am Ende muss natürlich noch mal kommuniziert werden, warumman sich für bestimmte Konzepte entschieden hat. Goldberg: Das ist ein wichtiger Punkt, der auch in allen unseren Change-Management-Analysen immer wieder bestätigt wird: Die schönsten Arbeitsplätze und die beste Ausstattung laufen ins Leere, wenn die Partizipation im Prozess nicht stattgefunden hat. Die Menschen werden nicht glücklich, wenn ihnen die Raumkonzepte aufoktroyiert werden. Häufig unterscheiden sich die über Partizipation entstandenen Konzepte gar nicht so sehr von dem, was das Unternehmen sowieso vorhatte … Goldberg: Das stimmt. Trotzdem ist der Prozess unglaublich wichtig, damit die Menschen, die dort arbeiten, die Räume zu ihren Räumen machen und sie auch entsprechend nutzen. Es geht dabei auch um die Kommunikation, die stattfindet, und das Involvement in Entscheidungen. Der Mitarbeitende gestaltet seinen Arbeitsplatz so ein Stück mit, hat die Chance, die Angebote mit zu beeinflussen und kann auch seine Persönlichkeit einbringen. Radermacher: Hier sieht man die starke symbolische Wirkung von Architektur: Tatsächlich hat die Frage der konkreten Ausstattung häufig wenig Einfluss auf die Akzeptanz und die Motivation der Beschäftigten. Viel wichtiger ist der psychologische Prozess, der bei der Mitgestaltung abläuft, und was die Mitarbeitenden mit der Ausstattung verbinden: Bei ihnen entsteht ein Gefühl des „nach Hause Kommens“ in die von ihnen nicht nur akzeptierte, sondern auch aktiv gewünschte Umgebung. Und sie erfahren, dass der Arbeitgeber ihre Bedürfnisse ernst nimmt und sich darum kümmert. Trotzdem dürfte die Gestaltung der Büroräume nicht ein basisdemokratischer Prozess sein, bei dem sich jeder seine Kuschelecke einrichtet. Wie gelingt es Unternehmen, ihren Strategien und Zielen durch die Umgebung Raum zu geben? Goldberg: Am Anfang steht immer die Frage, wer das Unternehmen ist und was es erreichen will. Marke, Firmenkultur und Unternehmensziele sind hier die entscheidenden Faktoren. Und Gestaltung ist tatsächlich in weiten Teilen kein demokratischer Prozess, dennoch müssen wir in der Beratung immer wieder die Perspektive der Mitarbeitenden einnehmen – über Schulterblicke sozusagen schauen, was die Leute brauchen und was sie begeistert. Wir eröffnen Möglichkeitsräume, um zu sehen, wie die Resonanz bei den Beschäftigten ist, und machen dann darauf basierend ganz konkrete Vorschläge zur Organisation der Arbeitsräume. Ganz viel entsteht bei Mitarbeitenden wie Führungskräften aus einem Bauchgefühl heraus, ohne dass jemand, der nicht Gestalter ist, konkret benennen könnte, warum ein Raum nun besonders inspirierend wirkt, ein anderer konzentriertes Arbeiten unterstützt. Tilla Goldberg ist im Management der Ippolito Fleitz Group und leitet die Bereiche Produktdesign und Brand Spaces. Arbeitswelten 12 personalmagazin plus: Arbeitswelten Foto T. Goldberg: Ronny Schoenebaum

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==