Personalmagazin plus 10/2022

sollte mit den Mitarbeitenden unbedingt klären, welche Erfordernisse ihre Arbeit inklusive aller Teilaufgaben mit sich bringt und welche Umgebung sie brauchen, um die Arbeit optimal erledigen zu können. Wie viel Kooperation, wie viel Austausch und wie viel informeller Austausch benötigt oder gewünscht wird, ist sicherlich bei den einzelnen Mitarbeitern je nach Persönlichkeit und Aufgabe ganz unterschiedlich ausgeprägt. Gleichzeitig gibt es aber ganz klar auch Unterschiede zwischen Teams oder Abteilungen. Personalmagazin: Kannman diese Unterschiede auffangen? Radermacher: Der Weg, den ich Unternehmen empfehlen würde, wäre, tatsächlich auch diese Unterschiede zuzulassen. Zunächst sollte der Vorgesetzte mit seinem Team klären, welche Dr. Katharina Radermacher lehrt Personalwirtschaft an der Universität Paderborn und arbeitet aktuell an der Forschung zu Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitgeberattraktivität. möglich sein müssen. Dazu müssen wir viel stärker über eine Flexibilität innerhalb der Räume nachdenken – wie können wir unterschiedliche Möglichkeiten der Interaktion oder des Rückzugs schaffen? Mit welcher Technik können wir das unterstützen? Dadurch wird es dann wieder umso attraktiver, ins Büro zu kommen, denn genau das haben die Mitarbeitenden zu Hause nicht – abgesehen davon, dass viele noch nicht mal einen optimalen Arbeitsplatz im Homeoffice haben. Radermacher: Genau diesen Punkt spiegeln auch unsere Daten der Studie zur Arbeitgeberattraktivität wider: Das Thema Flexibilität ist ganz wichtig in der neuen Arbeitswelt. Und zwar in drei verschiedenen Perspektiven: Zum einen gibt es die örtliche Flexibilität – ich kann selbst entscheiden, ob ich zu Hause oder im Unternehmensbüro arbeiten möchte. Dann gibt es innerhalb des Büros die räumlich-strukturelle Flexibilität, bei der Mitarbeitende zwischen unterschiedlichen Räumlichkeiten, beispielsweise für konzentriertes Arbeiten, für Zusammenarbeit, für informellen Austausch, wechseln. Und die dritte Perspektive – und diese ist laut unseren Erhebungen über alle Zeiträume von 2019, 2020 und 2022 hinweg die Wichtigste für Beschäftigte – ist die zeitliche Flexibilität. Flexibilität in den verschiedenen Dimensionen ist eindeutig eines der wichtigsten Gestaltungsmerkmale für einen attraktiven Arbeitsplatz. Goldberg: Die Entscheidung, ins Büro zu gehen, wird inzwischen bei den meisten Mitarbeitenden sehr bewusst getroffen, um dort in Austausch zu kommen, weil mit dem Team bestimmte Projekte anstehen oder vielleicht auch, weil gerade eine hohe Sehnsucht danach besteht, zufällig an der Kaffeemaschine zu sehen, was die anderen tun. Diese Erfahrungen fehlen im Homeoffice. Wie passen in diese Veränderungen die Menschen, die am liebsten alleine arbeiten, sich auch nicht austauschen wollen, aber trotzdemnicht imHomeoffice arbeiten wollen oder können? Radermacher: Aus Personalersicht würde ich sagen, eines der wichtigsten Schlagworte ist hier Partizipation. Man 11 Schwerpunkt

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