Sustainability 7 erklärt er MBA-Studierenden an der Business School, die der Universität angegliedert ist, wie Unternehmen Nachhaltigkeitsthemen adressieren können und auf welche Hürden sie dabei stoßen. „Inzwischen sind schon einige Alumni von uns bei Mosa Meat eingestiegen“, erzählt MBA Director Boris Blumberg. Seit Anfang 2020 widmet sich der Fulltime-MBA in seinem siebenwöchigen Wahltrack eine Woche lang gezielt dem Thema Nachhaltigkeit. Aber auch im Online-MBA gibt es inzwischen ein solches Kursangebot. „Nachhaltigkeit spielt bei uns auch in vielen anderen Kursen eine Rolle“, so Boris Blumberg. Gleichzeitig sei es wichtig, die Basiskenntnisse in Betriebswirtschaftslehre nicht zu vernachlässigen. Drei Viertel der Studierenden fehlen diese BWL-Grundkenntnisse, da sie einen anderen Background haben. In Sachen Nachhaltigkeit stehen Klimaschutz und CO2-Beziehungen im Vordergrund, getrieben vom Finanzmarkt, von Kundenwünschen und neuen gesetzlichen Regelungen. In Zusammenarbeit mit dem Supply Chain Institut der Maastricht University adressiert die Wirtschaftsschule Fragen von Nachhaltigkeit in den Lieferketten – in Bezug auf die Klimaverträglichkeit von Lieferanten, aber auch auf lokale Arbeitsbeziehungen. Am Beispiel einer Brauerei, die ihr Bier möglichst ökologisch produzieren möchte, lernen Studierende die Idee der Kreislaufwirtschaft kennen und setzen sich mit der Müllproblematik auseinander. Im Finance-Kurs wiederum spielt Sustainable Investing eine Rolle. Die Maastricht B-School arbeitet hier mit dem Case eines Pensionsfonds, um gängige Dilemmas aufzuzeigen. Der Fond hatte Shell-Aktien im Portfolio. Nachdem ein Gericht in den Niederlanden die nigerianische Tochter des Konzerns wegen Ölverschmutzung verklagte, ging es darum, die Shell-AnlageGelder nachhaltig umzuschichten. Darüber hinaus gehören für den MBA-Director auch Personalthemen auf die Nachhaltigkeitsagenda – wie die Auswirkungen des demografischen Wandels. „Wir brauchen mehr Forschung, um drängende Klimafragen wirksam lösen zu können“, unterstreicht Blumberg. Deshalb hat die Maastricht University School of Business and Economics Nachhaltigkeit als eine von drei Forschungsprioritäten bis 2025 festgelegt. Kürzlich gliederte die B-School zwei Institute ein – das Maastricht Sustainability Institute, das Klimaaspekte im Blick hat, und die School of Governance, die soziale Fragen wie Grundsicherung der Menschen oder Bildung fokussiert. Natürlich verlaufe die Zusammenarbeit nicht immer reibungslos. Wie in Unternehmen haben die Akteure an den Instituten verschiedene Rollen und Ansichten. Auch hier gibt es Silodenken, das es aufzubrechen gilt. Ummehr Kooperation zu fördern, setzt die Maastrichter Wirtschaftshochschule Anreize: Wer mit anderen Fakultäten zusammenarbeitet, kann zusätzliche strategische Mittel und Budget für kleine Konferenzen erhalten. Veränderung im Schneckentempo „Die europäischen Schulen sind bei Nachhaltigkeit definitiv führend“, sagt Giselle Weybrecht. Die ehemalige Sonderberaterin der Principles for Responsible Management Education der Vereinten Nationen beobachtet in Europa – und insbesondere in Deutschland – viele hochwertige Programme. „Häufig gibt es außerhalb Europas nicht den gleichen Druck von Seiten der Regierung, der Wirtschaft und der Studierenden“, so die Autorin des Buchs „The Sustainable MBA“. Giselle Weybrecht beobachtet, dass sich die Wirtschaftshochschulen nur sehr langsam verändern und nicht Wie Business Schools Nachhaltigkeit definieren, ist unterschiedlich. Generell gehören neben Umweltaspekten auch Sozial- und GovernanceThemen dazu. tion“ mit, der auf Vorschlag von Wayne Visser, Professor für Integrated Value und Inhaber des Lehrstuhls für Nachhaltige Transformation an der Antwerp Management School, entstanden ist. In diesem Pilotprojekt geht es darum zu untersuchen, wie man das Fachwissen mehrerer Institutionen, die sich globaler Verantwortung verschrieben haben, Studierenden institutionsübergreifend anbieten kann. Erfahrungswissen und Forschung ausbauen Laut der Studie „Rising Leaders on Social and Environmental Sustainability“ sind sich Studierende zunehmend darüber im Klaren, dass Führungskräfte bei der Bewältigung der sozialen und ökologischen Krisen eine zentrale Rolle spielen müssen. Doch oft mangelt es an Erfahrungswissen, was das konkret heißt. Das ist bei Mark Post nicht der Fall. Burger aus im Labor gezüchtetem Fleisch und somit gemindertes Tierleid und weniger CO2-Ausstoß – das ist die große Vision, die der Mit-Gründer der Firma Mosa Meat verfolgt. Seit 2002 forscht und lehrt er an der Maastricht University in den Niederlanden. Als Gastredner
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