personalmagazin plus: MBA 2022 MBA 6 beinhalten nachhaltige Finanzen und Risikomanagement, den Aufbau widerstandsfähiger und anpassungsfähiger Organisationen, Wirkungsmessung, verantwortungsvollen Konsum und nachhaltiges Wachstum. Jede Kompetenz ist in die Kernkurse des Programms integriert und deckt vier Cluster ab: Klima und Natur, Gerechtigkeit und Gesellschaft, Governance und Pandemiebekämpfung. Das IMD hat sich dafür nicht nur angeschaut, was Arbeitgeber im Sachen Nachhaltigkeit suchen. Es sind auch Erkenntnisse des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) eingeflossen, eine mit Unternehmensvorständen besetzte Organisation. Neun konkrete Pfade für die Bereiche Energie, Transport und Mobilität, Lebensräume, Produkte und Materialien, Finanzprodukte und -dienstleistungen, Konnektivität, Gesundheit und Wohlbefinden, Wasser und Abwasserentsorgung sowie Ernährung sollen in Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens stehen. Alle Studierenden können im Finance-Kernkurs zudem eine Zertifizierung nach den Principles of Responsible Investment (PRI) absolvieren. Was in der Lehre ankommt Wie Business Schools Nachhaltigkeit definieren, ist unterschiedlich. Generell gehören neben Umweltaspekten aber auch Sozial- und Governance-Themen dazu – ESG (Environment, Social, Governance) lautet das Stichwort. Jenseits von Klimafragen ist die Nachhaltigkeitsagenda allerdings ausbaufähig. Der Top-Manager Otti Vogt, der viele Jahre bei ING war und selbst einen MBA der London Business School hat, setzt sich für Responsible Leadership ein. Kürzlich wurde er Zeuge eines Gastvortrags an einer Wirtschaftshochschule: Ein bekannter Unternehmer habe damit aufgetrumpft, aggressiv Kosten zu reduzieren, indem er Mitarbeitende entließ. Maximierung von Cashflows, Investorenrenditen, steigende Aktienkurse, Command and Controll – Beschäftigte gelten da als Kostenblock und Menschlichkeit als Rührseligkeit. Jeder, der mit Umstrukturierungen zu tun habe, weiß laut Otti Vogt, dass man oft schwierige Entscheidungen treffen muss. „Aber die Präsentation lief völlig unkritisch ab. Man lauschte ehrfürchtig den großartigen Einsichten einer äußerst erfolgreichen Führungspersönlichkeit.“ Wirtschaftshochschulen müssten ihre Studierenden zu kritischem Denken erziehen und sollten sich nicht nur vom finanziellen Erfolg blenden lassen, so der Manager. Wenn es um eine verantwortungsvolle Unternehmensethik und das Gemeinwohl geht, trieben nur einzelne Professoren eine Reformagenda voran – darunter etwa Henry Mintzberg an der McGill University oder Carlo Giardinetti an der Business School Lausanne/Franklin Uni. „B-Schools halten in vielen Fällen den Status quo aufrecht“, so John North, Geschäftsführender Direktor der Globally Responsible Leadership Initiative (GRLI). Seit 2003 setzen sich in der gemeinnützigen Stiftung globale Netzwerke, Unternehmen und Bildungseinrichtungen, zu denen auch B-Schools gehören, für verantwortungsbewusstes Handeln ein. Die GRLI hat die 50+20 Vision und die Agenda „Management Education for the World“ entwickelt, die kritische Fragen formuliert – zum Zustand der Welt, zu gesellschaftlichen Problemen, der vorherrschenden wirtschaftlichen Logik, dem Zweck der Wirtschaft, der Rolle der Führung und der Managementausbildung. Einige an der GRLI beteiligte Dekane arbeiten außerdem an dem neuen Kurs „Globally Responsible Leadership for Sustainable Transformahaltigkeit hielten, waren es nun 41 Prozent. Den Grund für die bessere Selbsteinschätzung vermutet die Studie darin, dass B-Schools mehr Nachhaltigkeitsthemen in den Lehrplan integriert haben. Eine direkte Kausalität lässt sich aber nicht nachweisen. Es hapert jedenfalls am Praxistransfer: 79 Prozent geben an, dass sie nur „mäßig“ bis „überhaupt nicht“ darüber Bescheid wissen, wie man die Umweltverträglichkeit von Unternehmen verbessern kann. Folgerichtig fordern die Befragten, dass die Wirtschaftshochschulen noch eine gute Schippe drauflegen. 64 Prozent wünschen sich, dass ökologische Nachhaltigkeit in die Kernlehrpläne und die Karriereberatung integriert wird. Green MBA und Master auf dem Vormarsch Viele Business Schools haben die erhöhte Nachfrage auf dem Radar. Immer mehr Studienprogramme konzentrieren sich speziell auf Nachhaltigkeit – etwa mit sogenannten „Green MBAs“. Hierzulande sieht sich die Leuphana-Universität Lüneburg als Vorreiter: mit ihrem berufsbegleitenden „MBA Sustainability Management“, den sie bereits 2003 etablierte. Seit 2021 gibt es bei den Wahlfächern neue Vertiefungsmöglichkeiten: die Spannungsfelder von Digitalisierung und Nachhaltigkeit, verantwortungsvoll und widerstandsfähig gestaltete Lieferketten oder transparente Messung von ökologischen und sozialen Fortschritten. Auch die Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter hat ihren MBA-Fernstudiengang „Umwelt- und Qualitätsmanagement“ zumWintersemester 2020/2021 umgemodelt: in einen Online-MBA „Sustainable Business Development“. Strategisches Management, Change-Management, Corporate Social Responsibility, Compliance und Führung – dazu gibt es neue Module mit Fokus Nachhaltigkeit und Klimawandel. Die ESCP Business School hat kürzlich zwei neue Masterstudiengänge initiiert: Der Master in „International Sustainability Management“ bietet breit angelegtes Wissen – mit Themen wie Umweltmanagement und -reporting, nachhaltiges SupplyChain-Management, Marketing und Innovationsmanagement. Dagegen konzentriert sich der Master in „Sustainability Entrepreneurship and Innovation“ auf die Entwicklung von eigenen, nachhaltigen Geschäftsmodellen. Auch die Mannheim Business School lancierte im September 2021 den hybriden Teilzeit-Studiengang „Master in Sustainability and Impact Management“, der auch Praktikerinnen und Praktiker einbindet. Er beinhaltet Events zu Impact Measurement und Valuation, Dekarbonisierung, Impact Investing oder Social Entrepreneurship. Zehn Schlüsselkompetenzen für Nachhaltigkeit Die meisten Top-B-Schools reichern allerdings die Managementausbildung lediglich durch Nachhaltigkeitsaktivitäten an. So etwa das IMD – International Institute for Management Development: Laut dem neuen Dekan Omar Toulan geht es bei einer neuen Nachhaltigkeitsoffensive nicht darum, der nächste grüne MBA zu werden, den nur Studierende wählen, die in einer Nachhaltigkeitsabteilung arbeiten wollen. „Das Ziel ist es, den Leuten die Fähigkeiten zu vermitteln, die sie nicht nur in ihrem ersten Job, sondern auch in fünf oder zehn Jahren brauchen werden“, sagte er dem Online-Portal Poets & Quants. Die Business School in Lausanne identifizierte zehn Schlüsselkompetenzen, die angehende Führungskräfte erlernen sollen. Diese Fähigkeiten
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