personalmagazin plus: MBA 2022 MBA 18 GUDRUN PORATH ist freie Journalistin und beobachtet für das Personalmagazin und die Zeitschrift „wirtschaft + weiterbildung“ die Trends auf dem Weiterbildungsmarkt. was die großen Programme ausmacht. Betont werden die intensiven Business-Simulationen, zu denen sich die Teilnehmenden virtuell treffen. Auch hier wird Wert darauf gelegt, dass die Absolventen Zugang zu einem großen Karrierenetzwerk haben. MBA Essentials: Appetithappen mit Mehrwert Lust machen auf mehr, gleichzeitig aber auch eine Grundausbildung in Business Management anbieten sollen sogenannte MBA Essentials, Online-Kurse, die zum Beispiel von der University of Stellenbosch Business School USB-Ed in Südafrika oder der London School of Economics and Political Science LSE angeboten werden. Ihr Angebot an Führungskräfte lautet, in überschaubarer Zeit die technischen Fähigkeiten entwickeln zu können, die es braucht, um bessere strategische und operative Managemententscheidungen zu treffen und zugleich das Grundlagenwissen für einen möglicherweise folgenden MBA zu erwerben. Die USBEd geht von einer Studienzeit von 15 Wochen aus, in denen die Lernenden sich acht bis 12 Stunden pro Woche intensiv mit den online zur Verfügung gestellten Inhalten befassen sollen. Wie beim klassischen MBA wird mit Fallstudien gearbeitet und Wissen in Wirtschaftswissenschaften, quantitativen Methoden und Rechnungswesen vermittelt – ausdrücklich auch, um sich als Bewerberin oder Bewerber für ein MBA-Programm zu profilieren. Inklusive Abschlusszertifikat kostet der Kurs 1.572 Euro. Die LSE hingegen weist in der Werbung für ihren zehn Wochen dauernden Online-Zertifikatskurs MBA Essentials explizit darauf hin, dass dieser keinesfalls den Zugang zu einem MBAProgramm garantiert. Die Kosten liegen bei rund 3.874 Euro. Diesen und andere Online-Zertifikatskurse nutzt die Universität als Marketinginstrument, um auf sich aufmerksam und ihr Angebot einem breiteren internationalen Publikum zugänglich zu machen. Beide MBA-Essential-Kurse laufen auf der Online-Lernplattform GetSmarter, die auch die Inhalte für das Online-Selbststudium aufbereitet hat. GetSmarter ist Teil des US-amerikanischen Bildungskonzerns 2U, über den mehr als 230 Universitäten weltweit Online-Kurse und -Programme anbieten, die bislang von rund 140.000 Menschen absolviert wurden. Ab Mitte 2021 erhalten alle aktuellen und ehemaligen GetSmarter-Studenten unbegrenzten Zugang zu 2Us Career Engagement Network (CEN) mit Tipps für die Stellensuche, Fachartikeln von Experten und der Möglichkeit, direkt Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern aufzunehmen oder die Stellenbörse zu nutzen. MBA für alle Eines der jüngsten und zugleich günstigsten Angebote am Markt ist der 2017 in Spanien gegründete ThePowerMBA für 885 Euro. Das Programm des unter ThePower Business School firmierenden Anbieters wirbt mit einem vollständigen MBA-Curriculum und folgt dem Netflix-Konzept: die Grundlage bilden 15-minütige Videos als Micro-Lerneinheiten, unter anderem von Netflix-Gründer Marc Randolph oder Blinkist-Mitgründer Tobias Balling. Das Besondere daran: die englischsprachigen Videos gibt es mit deutschen Untertiteln. Content-Partner ist außerdem Harvard Business Publishing. Durchgearbeitet werden sollen alle Lektionen in 14 Monaten. Wer das nicht schafft, hat bis zu 18 Monate Zugriff auf die Plattform. Insgesamt umfasst die Unterrichtszeit 88 Stunden. Außerdem gibt es zusätzliche virtuelle Live-Klassen und mehr als 250 NetworkingEvents im Jahr. Genau diese Events sind es, die das Angebot nach Ansicht vieler Teilnehmenden so wertvoll machen. Akkreditiert ist das Programm nicht. Der Nachfrage tut das keinen Abbruch. Aktuell ist ThePowerMBA ausgebucht, Interessenten können sich auf eine Warteliste setzen lassen. Mobile First ist das Motto der Quantic School of Business and Technology. Im Angebot sind ein MBA für Berufseinsteiger und ein Executive MBA für Führungskräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung für jeweils 9.600 US-Dollar. Die Inhalte werden über eine App zur Verfügung gestellt, die auch als Social-Learning-Plattform für die Zusammenarbeit mit Lerngruppen dient. Die Dauer der Programme ist auf je 13 Monate ausgelegt. Zudem haben die Teilnehmenden nicht nur lebenslangen Zugang zum Quantic-Karrierenetzwerk Smartly-Talent, sondern auch zu den Lerninhalten. Eine Besonderheit des Programms: Quantic ist bei der US-amerikanischen Distance Education Accrediting Commission DEAC akkreditiert und damit offiziell in den USA anerkannt. DEAC-akkreditiert ist auch die University of the People, die sich wie Quantic und ThePower Business School das Ziel gesetzt hat, elitäre Ausbildungen zu demokratisieren und für jeden erschwinglich zu machen. Statt Kursgebühren werden für den einjährigen UoPeople MBA Bearbeitungsgebühren für die Abschlussarbeiten von 240 US-Dollar je Kurs erhoben. Wer sich für das Programm bewirbt und angenommen werden möchte, muss zwingend einen vorbereitenden Kurs bestehen. Worin liegt der wahre Wert? Wer in Beurteilungen und Kommentaren recherchiert, stellt fest: Als wirkliche Alternative werden die günstigen MBAs in der Regel nicht gesehen. Darauf weist schon die kurze Dauer der Programme hin, die vielfach außerdem noch ausdrücklich für das berufsbegleitende Studium gedacht sind. Für viele sind sie vielmehr ein Einstieg, der dazu führt, später und auf einem womöglich höheren Hierarchie- oder Gehaltslevel einen „richtigen“, akkreditierten MBA einer bekannten Business School anzuhängen. Die LSE oder USB-Ed bieten ihre MBA-Essential-Kurse auch unter diesem Label an, andere weisen in der ProgrammBeschreibung explizit darauf hin. Klassische MBA-Programme werben damit, dass sich die Investition schon deshalb lohnt, weil darauf oft ein großer Karriere- und Gehaltssprung folgt. Wer einen Harvard-MBA in seinem Linkedin-Profil ergänzt, wirbt mit der Marke Harvard auch für sich selbst. Mini-MBA-Programme sind bislang noch relativ unbekannt und tragen daher wenig zur Steigerung des persönlichen Marktwertes bei. Ein weiterer Wert von MBA-Programmen liegt in dem Karriere-Netzwerk und den Kontakten, die sie den Teilnehmenden bieten. Dessen sind sich auch die Anbieter der Mini-MBAs bewusst und werben damit.
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