11 Entrepreneurship Personalmagazin: Herr Schonthal, ein eigenes Unternehmen gründen oder Karriere im Innovationsmanagement machen – wie attraktiv ist das für MBA-Studierende? David Schonthal: Für Vollzeitstudierende war das schon immer sehr attraktiv. Sie erhoffen sich vom MBA-Studium das Netzwerk und die Fähigkeiten, sich irgendwann selbstständig machen zu können. Ihr eigener Chef sein und zwar zu selbstgewählten Bedingungen, das ist ein Versprechen von Autonomie und Freiheit. Bei Kellogg sind Kurse für Entrepreneurship nicht Teil des Kernlehrplans, aber 70 Prozent der Studierenden entscheiden sich aktiv dafür. Einen Schub erleben wir vor allem beim Executive MBA. Den wählten in der Vergangenheit meist Leute, die berufsbegleitend studiert haben, die die nächste Karrierestufe gehen wollten und denen das Unternehmen ihren MBA gezahlt hat. Nun finanzieren zwei Drittel ihr Studium selbst. Diese Studierenden möchten immer häufiger unternehmerisch gestalten. Wie viele der Studierenden, die Entrepreneurship-Kurse belegen, haben später tatsächlich in der einen oder anderen Form beruflich mit Unternehmertum zu tun? Nach Untersuchungen der Kellogg-Fakultät liegt das Durchschnittsalter erfolgreicher Entrepreneure bei der Gründung des eignen Unternehmens bei 45 Jahren. Also gründen sie im Schnitt oft mehr als fünfzehn Jahre nach Abschluss eines Vollzeitstudiums, das die meisten mit Ende 20 oder Anfang 30 abschließen. Aber nicht alle, die Unternehmer werden wollen, sollten auch Unternehmer sein. Warum? Kannman Unternehmertum also gar nicht lernen? Nun, ja und nein. Wir können Menschen beibringen, wie sie am besten vorgehen, welche Tools sie brauchen oder wie sie Entrepreneurship scheitert meist nicht an guten Ideen, sondern an den Widerständen gegen Veränderung, meint David Schonthal, Mitautor des Buchs „The Human Element“. Diese Erkenntnis möchte er als Professor für EntrepreneurshipProgramme an der Kellogg School of Management stärker zum Tragen bringen. Interview Stefanie Hornung trotz minimaler Ressourcen ein Start-up aufbauen können. Aber wir können niemandem Resilienz, Mut oder Entschlossenheit lehren. Nicht jeder kann Unternehmertum. Die große Mehrheit kann es nicht, was zum Teil an der Veranlagung liegt. Es ist nichts Schlimmes, wenn es einem an Beharrlichkeit fehlt. Wenn man das weiß, ist es ein Vorteil: Dann kann man einen Berufsweg einschlagen, bei dem diese Eigenschaft weniger wichtig ist als bei einer Unternehmensgründung. Denn da wird man oft ein „Nein“ hören oder „Du liegst falsch“. AlanMusk hat vor einiger Zeit behauptet, dass zu viele MBAs die Fähigkeit von Unternehmen untergraben, kreativ zu denken und Kundenbedürfnisse zu erfüllen. Was ist aus Ihrer Sicht an dem Image dran, dass MBAs eher Erfüllungsgehilfen imManagement als innovative Geister sind? Nichts, aber ich verstehe das darin enthaltene Vorurteil: die Annahme, dass die meisten Business Schools ihren Studierenden beibringen, erst zu analysieren und dann zu handeln. Und dass Kundenforschung typischerweise von Marketingabteilungen und Agenturen mittels Umfragen und Fokusgruppen durchgeführt wird. Früher wurde gelehrt, dass die Aufgabe eines „Managers“ darin besteht, zu managen – und nicht, Entdeckungen in der Praxis selbst zu machen. Das galt für die meisten Business Schools, ist aber heute nicht mehr so. Wie läuft es denn stattdessen heute? Wir bei Kellogg möchten allen Studierenden beibringen, wie Gründer zu denken. Das beginnt damit, dass sie in aller Tiefe die Probleme der Menschen erforschen, die sie zu lösen versuchen. Wie Anthropologen, die selbst ins Feld gehen. Das geistige Eigentum eines Unternehmens besteht darin, etwas über Menschen herauszufinden, was andere noch nicht wissen. Dann muss man
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==