Personalmagazin Arbeitswelten 9/2024

Schwerpunkt 7 Arbeiten Sie, wie und wo Sie wirklich wollen? Willkommen im New-Work-Club! Der digitale Umbruch der Arbeitswelt fordert Unternehmen, Beschäftigte, uns alle. Der technologische Fortschritt führt auch dazu, dass menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wird. Remote Work war der Anfang und ChatGPT ist nicht das Ende der Entwicklung, die zu einer Aufwertung der menschlichen Arbeit, zu einer weiteren Humanisierung der Arbeitswelt führen wird. Die nächste Revolution der Arbeitswelt kommt von innen, den Unternehmen selbst. Ihr Thema ist der Wandel der Arbeitskultur. „Work Culture“ wird zum entscheidenden Thema, wenn es um das Gewinnen und Halten von Talenten geht. Was kommt nach den „Bullshit-Jobs“? Der amerikanische Bestseller-Autor David Graeber stellte 2018 in seinem letzten Buch eine provokante und viel zitierte These auf: Rund jede zweite Arbeitsverrichtung ist ein „Bullshit-Job“. Ein Job, der nicht vermisst wird, wenn er wegfällt, weil er keinen sinnvollen gesellschaftlichen Beitrag leistet. Graeber zufolge ist ein Großteil unserer Arbeit „Fake Work“ – gesellschaftlich ohne Nutzen. Umfragen zufolge verbringen die meisten Arbeitnehmer zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit mit sinnfreien Tätigkeiten. Zu den Jobs gehören laut Graeber Investmentbanker, Immobilienmakler und Unternehmensberater. Einer Schweizer Studie zufolge sind davon insbesondere jene betroffen, die im Finanzwesen, im Vertrieb oder als Führungskraft arbeiten. Die Zunahme sinnloser Jobs erklärt der Ethnologe mit der Automatisierung. Zu den Jobs, die stattdessen tatsächlich vermisst werden würden, wenn es sie nicht mehr geben würde, zählen laut Graeber jene Berufe, die bislang nicht die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Jobs, die auch im Zeitalter der Maschinen und der Künstlichen Intelligenz nachgefragt werden. Je stärker die Automatisierung voranschreitet, desto bedeutender werde der Fürsorgecharakter von Arbeit, so Graeber. Auch in Zukunft brauchen wir beides, technologischen und sozialen Fortschritt. Warum verbinden wir nicht die Intelligenz der Maschinen mit der des Menschen? Eine intelligente Welt braucht intelligente Menschen und Unternehmen, die sich kulturell neu aufstellen. Loyalität, Leistung, Lebensqualität – die Zukunft gehört den Caring Companies Der durch die Generationen Y und Z vorangetriebene gesellschaftliche Wertewandel führt zu einer Nachfrage nach sinnhafter und qualitativer Tätigkeit. Die Themen Freizeit, Zeit für Familie und Freunde haben eine zunehmend hohe Bedeutung. Die Antwort der Jüngeren auf die Frage nach den wichtigsten Lebenszielen ist, möglichst unabhängig sein, einen sinnvollen Job haben sowie Zeit, das Leben zu genießen. Die Jüngeren wissen, was Stress, Zeitnot und Burn-out mit ihren Eltern gemacht haben. Und sie können sich auf leer gefegten Arbeitsmärkten ihren Arbeitgeber aussuchen. Zur zentralen Frage wird, wie, was und wozu wir in Zukunft arbeiten. Mit der wachsenden Mobilität von Mitarbeitenden wird es wichtiger denn je, Werte wie Offenheit, Vertrauen und Zusammenhalt überall gleichermaßen zu leben. Jedes zukunftsfitte Unternehmen wird zur Caring Company, die Loyalität, Leistung und Lebensqualität verbindet. An die Stelle von vertikaler Loyalität nach oben tritt horizontale Loyalität. Aus hierarchischen Organisationen werden Netzwerke. Aus Unternehmen werden Fürsorge-Firmen, die sich auch um die Lebensbedürfnisse von Mitarbeitern und deren Angehörigen kümmern. Dabei geht es vor allem um Skills, Resilienz und ein gemeinsames Wir. Die neuen Währungen: Skills, Resilienz, Wir Maschinen, Roboter und Künstliche Intelligenz werden menschliche Arbeit nicht überflüssig machen. Es geht darum, Tätigkeiten und Jobs zu definieren, die unseren emotionalen, sozialen und geistigen Ansprüchen und Erwartungen entsprechen, sie aufwerten und besser bezahlen. In der neuen Arbeitsgesellschaft heißen die Währungen „Skills“, „Resilienz und Prävention“ und „Wir führen“. Die Skill-driven Organisation. Eine wichtige Rolle spielt die Steigerung der Zufriedenheit der Beschäftigten durch flexible Arbeitsmodelle (Homeoffice, Co-Working, Auszeiten), moderne Feedbackinstrumente oder ein mitarbeiterspezifisches Vier To-dos für zukunftsfitte Unternehmen 1. Vernetzt denken. Das Entscheidungsmonopol von der Firmenspitze nach unten verteilen. Führungskräfte sehen sich nicht mehr als Aufgabenverteiler, sondern stellen das Wissen und die Selbstorganisation der Mitarbeitenden stärker in den Fokus. 2. Büros werden zu kreativen Räumen. Ausprobieren und Fehlermachen sind ausdrücklich erwünscht, so dass Wissen frei fließen kann, um bereits vorhandene interne Ressourcen besser zu nutzen. 3. Innovation braucht Interdisziplinarität. Erst wenn Expertise und Perspektiven aus unterschiedlichen Abteilungen interdisziplinär zusammenkommen, werden echte Innovationen möglich. 4. Up- und Reskilling ist das neue lebenslange Lernen. Die Expertise der Beschäftigten durch kontinuierliches Up- und Reskilling auf dem neuesten Stand halten.

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