Personalmagazin Arbeitswelten 9/2024

Je mehr KI, umso mehr emotionale Intelligenz Veränderung ist allgegenwärtig. Ob es sich in der Arbeitswelt um Buzzwords wie „Change“ und „New Work“ handelt oder um persönliche Neuanfänge, eines ist sicher: Für Veränderung brauchen wir Gefühle. Wir brauchen Mut und Vertrauen – in die Zukunft, in die Gesellschaft, in unsere Mitmenschen und vor allem in uns selbst. Diese Emotionen sollten wir bewusst trainieren. Das World Economic Forum nennt aktuell als wichtigste Fähigkeiten für die Arbeitswelt der Zukunft: 1. Analytisches Denken und Innovation 2. Aktives Lernen und Lernstrategien 3. Komplexes Lösen von Problemen 4. Kritisches Denken und Analyse 5. Kreativität, Originalität und Initiative 6. Führungsqualitäten und sozialer Einfluss 7. Technologieeinsatz, Überwachung und Kontrolle 8. Technologiegestaltung und -programmierung 9. Resilienz, Stresstoleranz und Flexibilität 10. Logisches Denken und Ideenfindung Bis auf die Punkte 7 und 8 haben alle diese Skills ganz offensichtlich etwas mit emotionaler Intelligenz zu tun. In der Zukunft, in der wir mit und neben Künstlichen Intelligenzen und Robotern arbeiten, werden wir genau diese Eigenschaften brauchen: Emotionalität, Empathiefähigkeit und Menschlichkeit. Um diese Fähigkeiten zu entwickeln, benötigen wir ein Umdenken in der Bildungs- und Arbeitswelt. Es wird in Zukunft nicht mehr darum gehen, was Von Magdalena Rogl Menschen wissen oder sind, sondern darum, was sie fähig sind zu lernen. Carol Dweck beschreibt in ihrem Buch „Selbstbild“ das „Growth Mindset“ – die Einstellung von Menschen, die sich bewusst sind, dass sie immer weiter lernen, sich ständig weiterentwickeln und neu erfinden können. Genau das ist es, was Innovation ausmacht. Das lateinische Verb „innovare“ bedeutet „erneuern“. Innovation braucht die Fähigkeit, neue Perspektiven einzunehmen, sich in andere hineinzuversetzen und empathisch zu handeln. Sucht man im Netz nach Bildern für „Innovation“, findet man viele technische und abstrakte Darstellungen. Doch echte Innovation erfordert etwas tief Menschliches: Empathie. Empathie ist der unterschätzte Rohstoff von Innovation und ein wichtiger Treiber für unsere Zukunftsfähigkeit. Wenn wir empathisch zuhören und uns in die Bedürfnisse anderer hineinversetzen, schaffen wir echte Innovation. Unternehmen, die Empathie strategisch fördern, profitieren davon, weil sie ihre Mitarbeitenden besser verstehen und einbinden können. Die Zukunft der Arbeit ist nichts, was uns einfach so passiert, sondern etwas, das wir alle aktiv mitgestalten können. Wir haben die Macht, ein Teil dieser Veränderung zu sein. Unternehmen profitieren davon, ihre Mitarbeitenden in Veränderungs- und Zukunftsprojekte einzubinden, weil sie so deren emotionale Intelligenz nutzen können. Je mehr Künstliche Intelligenz es gibt, desto mehr emotionale Intelligenz brauchen wir. Wir brauchen eine Unternehmenskultur, die es den Mitarbeitenden ermöglicht, die Menschen zu sein, die sie wirklich sind. Bei der Auswahl von Mitarbeitenden und Kolleginnen sollten wir darauf achten, wie sie mit ihren eigenen und den Emotionen anderer Menschen umgehen. Wenn wir uns selbst und andere nicht mehr als Arbeitsressourcen sehen, sondern als einzigartige Persönlichkeiten, können wir unsere Beziehungen zueinander und zu uns selbst nutzen, um miteinander zu wachsen. Human Relations statt Human Resources. Die Zukunft der Arbeitswelt ist nicht nur technologisch geprägt, sondern auch menschlich. Künstliche Intelligenz kann uns unterstützen, aber emotionale Intelligenz ist es, die uns wirklich zukunftsfähig macht. MAGDALENA ROGL ist Leiterin Diversity und Inclusion bei Microsoft Deutschland Foto: peopleandpieces / Madeleine Dietrich 58 Arbeitswelten personalmagazin Arbeitswelten 2024

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