Personalmagazin Arbeitswelten 9/2024

Arbeitswelten 34 personalmagazin Arbeitswelten 2024 Der Mensch ist Erfolgsfaktor bei der Digitalisierung von Industrieprozessen. Dazu muss er im Fokus stehen, in allen Facetten, die die neue Arbeitskultur und -konzepte ausmachen. 1. Fokus Mensch: Um in unserer neuen komplexen Welt klarzukommen, brauchen wir Orientierung, Vertrauen, Identifikation, Wertschätzung und ein Umfeld, welches uns Kraft und Energie gibt, um gemeinsame generationsübergreifende Werte und Rahmenbedingungen in der Zusammenarbeit zu verankern. Derzeit befinden sich meist Menschen aus vier Generationen im Unternehmen – mit unterschiedlichsten Wertvorstellungen und Normen. Das sollte als wertvolle Vielfalt aus jahrzehntelanger Erfahrung und frischer Neugier gesehen werden; ein Geschenk für jedes Unternehmen, auch wenn die Zusammenarbeit nicht immer einfach ist. Zukünftig sollten vor allem motivationsbezogene Bedürfnisse berücksichtigt werden, die das Identifikations- und das Zugehörigkeitsgefühl und die Resilienz der Mitarbeitenden sowie die Eigenmotivation um ein Vielfaches erhöhen. Die Fabrikgebäude sehe ich in Zukunft also als Gewächshäuser der Kreativität. Als Räumlichkeiten, in denen sich Potenziale entfalten können. Ein schlechtes Arbeitsumfeld führt zu Stress, Depression und Angst. Daher ist es wichtig, diese mit „Schönheit“ und sinnvoller Funktionalität anzureichern. Ein kleines Beispiel dazu aus unserer Praxis: Mit einem Graffiti-Künstler rücken wir in einem aktuellen Projekt den tristen grauen und stark verschmutzten Wänden einer Produktionshalle farbig auf den Leib. Ein Hingucker, der auch für Gesprächsstoff sorgt. 2. Gesundheit: Arbeitsplätze sollten sich unabhängig von der Tätigkeit stets an den Menschen orientieren, die als Arbeitnehmende den wichtigsten Teil eines Unternehmens darstellen. Daher sollte die Gestaltung von Arbeitsorten stets gesundheitswahrende Aspekte wie Hygiene, Ergonomie, Licht und Akustik beinhalten. Neulich haben wir beispielsweise in einem Produktionsunternehmen mit Mehrschichtbetrieb höhenverstellbare Arbeitstische als Standard eingeführt. Eine kleine Aktion mit großer nachhaltiger Wirkung in Sachen Gesundheit am Arbeitsplatz. Darüber hinaus sind integrierte Zonen für Rückzug und Rekreation wichtig, gerade wenn der Arbeitsinhalt starke körperliche oder geistige Anstrengungen erfordert. Auch hier ist die Umsetzung in der Praxis einfacher als häufig angenommen: In einem laufenden Projekt gestalten wir beispielsweise gerade gemeinsam mit den Mitarbeitenden aus der Produktion eine Art Marktstand mit frischen Getränken und kleinen Snacks als Pausen- und Kommunikationsort inmitten der Produktionshalle. 3. Kommunikation: Durch die räumliche Begünstigung von interner Kommunikation im Unternehmen kann sowohl eine soziale Bindung zu den Kollegen und zum Unternehmen selbst verstärkt werden. Arbeitsinhalte können am richtigen Ort und zur richtigen Zeit besser platziert werden, um das Fachwissen im Unternehmen optimaler zu verteilen. Dadurch können Veränderungen und Optimierungen zukunftsorientiert begünstigt werden. 4. Recruiting: Ein nutzerorientierter Arbeitsplatz und ein positives Arbeitsumfeld mit zufriedenen und freundlichen Mitarbeitenden sind beim Recruiting heutzutage nicht mehr wegzudenken, da diese sichtbaren und spürbaren Kriterien Bewerberinnen und Bewerber bei einem Besuch am potenziellen Arbeitsplatz überzeugen können. Der Name großer Marken oder Unternehmen reicht dafür nur noch selten aus. 5. Orientierung: In Fertigungs- und Logistikbetrieben mit großen räumlichen Strukturen fehlt es oft an Orientierung: sowohl im Hinblick auf die sichere und übersichtliche Führung über das Werksgelände bis zum Arbeitsplatz als auch im Hinblick auf die Sichtbarkeit und somit angemessene Kennzeichnung der wichtigsten Orte innerhalb der Infrastruktur eines Unternehmens. 6. Produktion und Logistik: Bei den Optimierungen von Kommunikations- und Sozialflächen sollten im Rahmen der Neu- und Umgestaltung auch stets die Arbeitsabläufe und die direkten Produktionsbereiche berücksichtigt werden, als Unterstützung beispielsweise für Shopfloor- und Lean-Management. 7. Phygital: Die Optimierung von zukunftsorientierten Arbeitsumgebungen in der Produktion besteht in der Kombination von Digitalisierung und physischen Abläufen. Zeitgemäße und JIL HAUPERT ist Trust Advisor New Work Industry 5.0 und geschäftsführende Gesellschafterin von LAP Design. Fabrikgebäude sind Gewächshäuser der Kreativität, wo sich Potenziale entfalten. Sie brauchen Schönheit und sinnvolle Funktionalität.

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