Personalmagazin Arbeitswelten 9/2024

Arbeitswelten 32 personalmagazin Arbeitswelten 2024 Fotos: shironosov/Gettyimages Von Jil Haupert Kulturwandel bitte auf allen Ebenen „New Work“ ist kein Kuschelkurs in der Bürowelt, der mit schönen Designermöbeln umgesetzt werden kann. Vielmehr kann und soll es eine neue Art der Arbeit ermöglichen, mit neuen Strukturen und Prozessen, die Sicherheit vermitteln und sinnstiftend sind. Ein Plädoyer für New Work in der Produktion. Starten wir mit der Begriffsklärung. Zunächst: Menschen sind keine Ressource! Eine Ressource dient als Mittel und Zweck, um ein Ziel zu erreichen. Die Bezeichnung „Human Resources“ (HR) kommt aus einer Zeit, in der Menschen den Unternehmen gedient haben. Aber heute dienen Unternehmen den Menschen. Bisher wurde der Begriff „New Work“ fast ausschließlich mit Bürowelten in Verbindung gebracht. Man fragt sich warum, denn die wichtigen Bereiche der Kernwertschöpfung eines Unternehmens wurden dabei schlicht vergessen. Das Fatale daran ist, dass es die damit verbundenen Menschen sind, die dabei übersehen wurden – eine Lücke im Kulturwandel. Wertschätzungslücke in der Produktion Genau diese Mitarbeitenden in der Produktion sind es doch, die sich tagtäglich für die Wertschöpfung des Unternehmens einsetzen. Die Menschen, für die es bislang keine HomeofficeRegelungen gibt und die auch zu Zeiten der Pandemie in die Fabrik mussten. Warum erhalten Produktionsmitarbeitende also nicht die gleiche Wertschätzung wie die Kollegen und Kolleginnen aus den Verwaltungsbereichen? Dies belegen viele alltägliche Erfahrungen und Begegnungen im beruflichen Alltag. Gerade wenn beispielsweise im Recruitingprozess externe Bewerber in Kontakt mit ihrem potenziellen Arbeitsumfeld kommen. Wenn die wertschätzende Gestaltung nicht über den Empfangsbereich und den Konferenzbereich hinausgeht, hat man im „War for Talents“ mittlerweile das Nachsehen. Die Erfahrung zu meiner Zeit als Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens zeigte, dass sich zunächst motivierte Bewerbende schnell abwenden und sich nicht überzeugen lassen, wenn sie in einem produzierenden Unternehmen einen unwürdigen Arbeitsplatz jenseits der Administration präsentiert bekommen. Da hilft auch die beste Stellenausschreibung des Marketings nicht weiter. Die Bewerber kamen und gingen. Wir haben danach oft nichts mehr von ihnen gehört. Räumlichkeiten für die Mitarbeitenden mit weißen, tristen und verschmutzten Bereichen. Pausenräume, in denen man sich nicht aufhalten möchte. Keine Stauräume für die per-

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