Personalmagazin Arbeitswelten 9/2024

31 Trends gen die Woche viel Bürofläche. Dagegen können wir auf Räume am Montag und Freitag fast verzichten.“ Doch habe eine enge Kapazitätsplanung auch Schattenseiten, konstatiert Hocke. So sei es an einigen Tagen räumlich eng und es gebe wenig Möglichkeiten, sich in Ruhebereiche zurückzuziehen. Kultur hängt nicht an den Räumlichkeiten Dass die eigene Unternehmenskultur darunter „leidet“, wenn Unternehmen nicht in eigenen Räumen arbeiten, verneint Hocke. Für ihn entsteht Kultur ohnehin – unabhängig davon, ob Unternehmen einen Co-Working-Space nutzen oder über eigene Büroräume verfügen. Viel wichtiger sei dagegen, wie sich Kultur entwickelt, wenn die Mitarbeitenden mehr aus dem Homeoffice tätig sind: „Wie schaffen wir es, dass Menschen Lust haben, ins Büro zu kommen?“ Diese Frage bewegt ihn, denn für eine verbindende Kultur und bestimmte Arbeiten, etwa kreative Meetings, sei es wichtig, dass sich alle ab und zu persönlich sehen. Daher sollten – so der Wunsch – die in Vollzeit arbeitenden Beschäftigten zumindest Dienstag oder Mittwoch ins Büro kommen. Darüber hinaus bedürfe es Aktivitäten, die Mitarbeitende motivieren, sich auf den Weg zu begeben. Also hat Copetri einen monatlichen Team-Brunch etabliert, an dem alle teilnehmen und in dem die persönlichen Belange im Mittelpunkt stehen. Im anschließenden Townhall Meeting geht es dann um inhaltliche Themen. Darüber hinaus gibt es gemeinsame Afterwork-Aktivitäten und Team-Events wie Sommerfest und Offsite. Dies stärke das Miteinander und helfe, eine gemeinsame Kultur zu entwickeln: „Nach Corona ist es wertvoll geworden, gemeinsam Zeit zu verbringen und sich auszutauschen. Das bringt ein hohes Maß an Kreativität“, ist der Copetri-CEO überzeugt. Räumlichkeiten (zu) beengt Bei allen positiven Aspekten des Co-Working-Space, sieht Ralf Hocke einen kritischen Punkt, der für ihn immer wichtiger werde: „Unsere räumliche Situation ist sehr beengt und nicht auf das Maximum ausgerichtet.“ Zwar gibt es größere Zonen für Austausch und soziales Miteinander. Doch die Schreibtische in den Büros sind sehr knapp bemessen und stehen direkt aneinander. Dies bedeute, dass sich Mitarbeitende schwerer tun, in den Co-Working-Space zu kommen: „Wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, an dem wir uns fragen, ob sich unsere Unternehmenskultur besser entwickelt, wenn wir über eigene Räumlichkeiten verfügen und in ihnen eine eigene Identität schaffen“, blickt Ralf Hocke nach vorne. Auch aufgrund finanzieller Überlegungen – bei mittlerweile 15 fest angestellten Mitarbeitenden sei es günstiger, eigene Räume anzumieten: „Uns stellt sich derzeit die Frage, wie sich unsere räumliche Größe zum Preis verhält.“ Denn Co-WorkingSpaces seien immer teurer geworden, nachdem die Anbieter anfangs Kunden mit günstigen Angeboten ins Boot geholt hätten. Auf der anderen Seite seien die Mieten für Büroräume durch die CoronaEffekte deutlich nach unten gegangen. Viele Anzeichen sprechen also dafür, dass sich Copetri bald in eigene Räume bewegt und den Co-Working-Space hinter sich lässt. FRANK SCHABEL ist freier Journalist und Berater. Bereits 2005 wurde der erste Co-Working-Space in San Francisco eröffnet. Heute gibt es weltweit in vielen Großstädten Plug-and-play-Büroflächen, die sich Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen teilen. Mit dem Ziel, sich untereinander eng zu vernetzen und Synergien zu erzeugen. Als Ralf Hocke im Jahr 2021 die Community Copetri für People/HR, Transformation und Innovation mitgründete, war ihm schnell klar: Statt eigene Büroräume anzumieten, startet sein Unternehmen in einem Co-Working-Space: „Dadurch konnten wir uns direkt auf unser Geschäft und unsere Ideen konzentrieren, statt uns um administrative Themen zu kümmern.“ Auch die Kosten lassen sich im CoWorking-Space flexibel halten, gerade für Startups ist meist nicht absehbar, wie sich die künftige Mitarbeiterzahl entwickelt. Co-Working-Spaces erlauben, den Platzbedarf an die benötigten Kapazitäten anzupassen. Wichtig sei auch bei den Vorabüberlegungen gewesen, im Co-Working-Space auf Gleichgesinnte zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen, führt der CEO von Copetri aus. Und Hocke führt noch einen weiteren Grund für die Entscheidung an: „Co-Working-Spaces befinden sich meist an schönen Orten und sind mitten in der Stadt. Sie selbst anzumieten, wäre in diesen Lagen viel zu teuer.“ Austausch erzeugt Synergien Diese Überlegungen haben sich in der Praxis bestätigt, resümiert Ralf Hocke. Denn der Erfahrungsaustausch hilft allen und erzeugt Synergien. Ein kleiner Nebeneffekt der guten Lage des Co-Working-Space mitten in Frankfurt City: Dadurch kommen Geschäfts- und Netzwerkpartner häufig auch mal auf einen gemeinsamen Kaffee vorbei. In Randbezirken wäre das sicher seltener. Sich bei den Büroflächen und den Kosten flexibel zu halten, sei ebenfalls eine gute Entscheidung gewesen, führt der langjährige Manager aus. Die Folgen von Corona hätten von Anfang an gezeigt, dass der ursprünglich geplante Kapazitätsbedarf zu hoch angesetzt war. „Viele arbeiten seither remote oder hybrid. Daher benötigen wir nur an ein bis zwei TaAlle in Vollzeit Arbeitenden kommen dienstags oder mittwochs ins Büro. Auf Räume am Montag oder Freitag kann verzichtet werden.

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