Schwerpunkt 21 kann die generative KI über mehrere Werkzeuge den gesamten Innovation-Funnel unterstützen. Wie steht es überhaupt mit unserer Innovationsfähigkeit, wenn wir über das Werkzeug generativer KI verfügen? Und wieder stellt sich die Frage nach unserem Beitrag in dieser neuen Zusammenarbeit mit KI. Auf technischer Ebene wäre da die Optimierung der KI-Werkzeuge, auf ökonomischer Ebene die strategische Ausrichtung und Anpassung der Marktdaten und Preise, auf gestalterischer Ebene der Loop aus Vorgabe und Beurteilung bis zur entscheidenden Auswahl und auf kommunikativer Vermarktungsebene dürfte es ein Wettstreit um die Empathie der Zielgruppe werden. Vielleicht braucht es gelegentlich doch unsere Fähigkeit zum kreativen Regelbruch, um auf die Bedürfnisse unserer Kunden und deren nächste Fragestellung besser vorbereitet zu sein? Die kreativen Regelbrüche der Künstler in den Werkstätten können bei Autodesk kleine Initialzündungen in den Innovations-Funnels bewirken. Denn nicht immer führt eine stringente Zielrichtung auch zum Ziel. Gerade in der Forschung und beim Experimentieren müssen Fragen immer wieder neu justiert werden, im Büro bringt ein zufälliger Hinweis oft den zündenden Einfall. In San Francisco finden sich daher auch Arbeitsplätze der BIM-Softwareentwickler direkt neben den Künstler-Werkstätten auf dem Pier. Die KI als Arbeitsumgebung ... und wir als Energieträger KI errechnet digitale Zwillinge und simuliert Einsatzbereiche, sie analysiert Spielzüge im Gaming und verändert die Umgebung der Spieler. Sie steuert Inhalte in sozialen Medien und justiert Interfaces in AR-Brillen – längst steckt sie in unseren Werkzeugen, erweiterten Realitäten und Arbeitsumgebungen. Was bedeutet es, wenn Arbeitsmittel an den Körper und das Wissen in die Cloud wandern? Zunächst, dass wir eine neue Bandbreite an realen und simulierten Arbeitsumgebungen BIRGIT GEBHARDT forscht und berät zur Entwicklung unserer Arbeitskultur durch KI und erweiterte Realitäten – nachzulesen in ihrer IBA-Studienreihe „New Work Order“. Artists in Residence – Kreative Brücke zum Kunden Das Softwareunternehmen Autodesk gilt als Vorreiter in der Entwicklung der Planungssoftware BIM (Building Information Modeling), mit der Ingenieure und Architekten quasi das Bauteilwissen sämtlicher Gewerke in ihre Planung integrieren. Und weil ihr Vorreiterstatus von OpenSource-Mitbewerbern umkämpft ist, laden die AutodeskEntwickler nicht etwa Ingenieure, sondern freie Künstler zum Experimentieren in ihre Werkstätten ein. Nur die abgefahrensten Ideen erhalten die begehrten Plätze an 3DDruckern und computergesteuerten Maschinen auf Pier 9 in San Francisco, denn die einzige Bedingung ist, dass bei Problemen oder Fragen die Autodesk-Programmierer hinzugezogen werden, die so auf neue Ideen für ihre Ingenieur- und Architektursoftware BIM kommen. haben werden, aus der wir, je nach Arbeitsaufgabe, schöpfen können. Ähnlich, wie wir die Vielfalt an Medien für unterschiedliche Formen der Kommunikation nutzen, verfügen wir auch über ein Spektrum an Räumen zum erfahrungsreichen Miteinander. Interaktionsräume verbinden uns nicht nur miteinander, sondern bringen uns auch dem Werkstück und Arbeitskontext näher – sei es im Labor, in dem die KI die Wirkung des Medikaments in der Petrischale erkennt oder in der digitalen Simulation einer Großbaustelle, wo wir die Gesamtsituation überblicken und en Detail hineinzoomen können. Vom Werkzeug zum Arbeitsraum Die Art der Werkzeuge bestimmt auch unsere Interaktion im Raum. Im Büro sind unsere Werkzeuge die Atmosphäre und Materialität der physischen Umgebung in ihrer wechselseitigen Einflussnahme und Entsprechung für das, was wir vorhaben. Realer Raum kann zur Kollaboration auf den flexiblen Workfloor einladen, zum informellen Austausch auf die Sitzstufen, oder in einen geschützten Rahmen, wo Menschen sich anders begegnen und verhalten als virtuell im Game oder hinter Bildschirmen. Jede Form dieser Begegnungen hat ihre Vorteile, die in der Abwechslung noch gewinnen. Denn gerade, wenn uns die Wissensvernetzung zu vereinzeln scheint, sollten wir die Unmittelbarkeit des gebauten Raums als Qualität begreifen, aus der wir Menschen Energie schöpfen können. „Während Covid haben die Branchen, wo am meisten Innovationskraft gefordert ist, unter der Distanz am stärksten gelitten“, erinnert sich Wasner. Der Gründer eines KI-Startups findet, dass Büros sich stärker in Orte der Begegnung und gemeinsamen Erarbeitung verwandeln müssten. „Wir müssen Wissensaustausch forcieren und im Firmen-Setting ‚Serendipity‘, den inspirativen Funkenschlag, der bei zufälligen Begegnungen entstehen kann, viel stärker provozieren.“ So könnten sich erfolgreiche Unternehmen von den weniger erfolgreichen unterscheiden. Welche Veränderung bringt das fürs Büro und die physischen Orte der Zusammenarbeit? Interessantestes Betrachtungsfeld für den Wissens- und Erfahrungsaustausch wird damit die Interaktion, die wir spielerischer und offener als ein „Miteinander- und Voneinanderlernen“ intensivieren sollten. Vielleicht gelingt es so, uns von überholten Bildern aus Schulen und Büros zu lösen und monofunktionale Raumkonzepte ad acta zu legen. Und vielleicht braucht es auch hier die KI, die künftig über „cognitive environments“ die Raumatmosphäre auf die Bedürfnisse der Insassen anpasst und uns auch wahrnehmungstechnisch auf die nächste Stufe schubst.
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