Personalmagazin Arbeitswelten 9/2024

Arbeitswelten personalmagazin Arbeitswelten 2024 18 Strukturebene hineinzubohren, hat vielfach noch gefehlt. Hier wird die Künstliche Intelligenz nun mindestens den Sprung bewirken, den Corona für das mobile Arbeiten bewirkt hat: einen Sprung in ein neues Arbeitsleben. Eine Welt, in der alles spricht Die Fokussierung auf „das Arbeitsleben“ für unsere Vorstellung von dieser nahen Zukunft ist eigentlich noch zu kurz gegriffen: Die Zukunft wird eine Welt sein, in der alles spricht und wir Menschen dafür Sorge tragen müssen, dass die Dialoge zwischen Menschen, Medien und Maschinen auch richtig verstanden werden. Vernetzte Kommunikation beschleunigt Wissenszuwächse in allen Branchen. Valide Daten und die Möglichkeit ihrer Vernetzung werden so wichtig, dass um ihre Verwendung und Nutzungsrechte weiter gestritten wird. Erneut stellt sich die Frage, was wir für einen souveränen Umgang mit KI lernen oder auch verlernen müssen. Denn mit dem allseits verfügbaren Wissen steht ein Elefant im Raum, der unsere bisherige Vorstellung von Bildung und Büroarbeit ad acta legen wird. Die KI als Facilitator – und wir als Profiteur Schneller als wir es von anderen Implementierungen gewohnt waren, ist der Change-Agent KI in die Unternehmen eingezogen. Schon im Frühjahr 2024 waren alle großen Unternehmen dabei, Firmen-GPTs einzuführen – mit unterschiedlichen Erwartungen, wie das Handelsblatt im April berichtete: „Während das Logistikunternehmen DHL seine Mitarbeitenden erst mal an den Umgang mit KI-Modellen heranführen will, investiert Siemens bereits Millionen in seinen Industrial Copilot. Der Industriekonzern erhofft sich nicht nur Zeitgewinne wie Otto, sondern gleich ein neues Geschäftsfeld.“ Das einfache Interface der Chatfunktion verbindet Front- und Middleoffice, während das Backoffice zunehmend automatisiert wird. KI ermöglicht Rückkopplungsschleifen, verbessert das Serviceniveau und löst Abteilungsgrenzen auf. Sie schlägt Abläufe vor, schafft neue Zuständigkeiten und veredelt Input und Output: Statt Daten gibt es Kurven, statt Informationen gibt es Wissen, aus Text wird Bewegtbild, Stoffwechsel lassen sich aufschlüsseln, auf eine Fragestellung folgt ein Lösungsvorschlag – sofern wir die KI richtig zu bedienen (prompten) und für unsere Zwecke einzusetzen wissen. Dabei gefällt uns die Vorstellung, dass wir in Zukunft wohl gar nicht mehr in Programmen, Codes und Dateiformaten denken müssen. Seit den letzten zehn Jahren haben sich Standardprogramme wie Outlook, Powerpoint, Excel, Word oder die Adobe Creative Suite vom Rechner ins Internet verlagert, wo die Künstliche Intelligenz – je nach Arbeitsauftrag – die nötigen Werkzeuge direkt ansteuern kann. Also raus aus der Technik-Ecke, rein in die ergebnisorientierte Zusammenarbeit? Clemens Wasner hat sich mit dem Thinktank AI Austria zum Ziel gesetzt, Österreich zum Vor- „Wir müssen Wissensaustausch forcieren und ‚Serendipity‘, den inspirativen Funkenschlag zufälliger Begegnungen, viel stärker provozieren.“ Clemens Wasner, CEO von Enlite AI und Mitgründer und Vorsitzender von AI Austria Projektmanagement mit KI Startups testen bereits KI-gestützte Projektmanagement-Softwares, wie Notion oder Coder, bei denen die KI aus dem Kundenbriefing automatisch das Projektdesign konfiguriert. Clemens Wasner, CEO von Enlite AI, einem Technologieanbieter für Künstliche Intelligenz, konkretisiert das: „KI kann hier beispielsweise die Taskliste erstellen, aber auch die Zeitserienabfolge als GANTT-Chart, die Struktur samt Ablage von Notizen und so weiter. Sie macht auch Vorschläge zu Einsatz und Umfang der Projektteams, die vom Anwender einfach genehmigt oder abgelehnt werden können oder mit der Bitte um weitere Korrektur an bestimmten Stellen zurückgegeben werden.“ Damit beschreibt Wasner eine völlig andere Arbeitsweise als die bisherige, bei der die Entwickler sich in der Hoffnung, dass eine der Standardvorlagen für das mit dem Kunden zuvor abgestimmte Projektdesign passt, durch eine Vielzahl an Templates durchklicken mussten. Auch die Kompetenzen, die laut Projektplan für bestimmte Schritte nötig werden, sollten sich, so Wasner, inhouse aus Mitarbeiterprofilen und Terminkalendern erkennen lassen.

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