Personalmagazin Arbeitswelten 9/2024

15 Schwerpunkt Viele Arbeitsprozesse im Unternehmen können damit »end-to-end« unterstützt und operative Friktionen in der täglichen Arbeit der Mitarbeitenden vermieden werden. Die Verantwortung für die Ausgestaltung und Umsetzung dieses Ansatzes übernimmt die neue Rolle des Employee Experience Officer (EXO). Der/Die EXO ist verantwortlich für einprägsame Arbeitsplatzerlebnisse, die Menschen verbinden, motivieren und inspirieren. Einen Überblick über die wesentlichen Aufgaben eines Employee Experience Officers finden Sie im Kasten auf der nebenstehenden Seite 14 (Anmerkung der Redaktion). Für die EXO wird es um die Fragen gehen: Was brauchen die Menschen, um produktiv zu arbeiten und sich engagiert einzubringen, und wie können wir dieses Mitarbeitererlebnis ganzheitlich sicherstellen? Wie sieht der „perfect day“ eines Mitarbeitenden im Unternehmen aus? Es geht dabei um kulturelle, technologische und physische Aspekte (schmecken, sehen, fühlen, hören). Es geht um den physischen Arbeitsplatz, die Arbeitsinfrastruktur, die Zusammenarbeit und Kommunikation im Unternehmen, um die Sinnhaftigkeit der Aufgaben und die persönlichen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten. Dieser neuen Employee-Experience-Rolle wird sich die klassische HR-Funktion unterordnen müssen. Die Zeit der HR-Silos ist vorbei. Eine Endto-End-Betrachtung der Mitarbeiterzufriedenheit wird zu einem disruptiven Faktor für das Mitarbeiterengagement und die Produktivität. Ausblick: Employee Experience als Gradmesser des Unternehmenserfolgs Es handelt sich bei diesem „Big Shift“ um ein sehr disruptives Vorgehen. Durch die Integration der oben genannten Funktionsbereiche in einen Servicebereich verschieben sich im Zweifel die Machtstrukturen in der Unternehmensleitung oder im Topmanagement. Das ist offensichtlich nur durchzusetzen, wenn alle vom Mehrwert und der Synergie überzeugt sind (oder werden). Viele Beratungsunternehmen und Serviceanbieter im Ökosystem HR leben davon, die bestehenden HR-Strukturen mit ihren Defiziten aufrechtzuerhalten. Je größer die Unternehmen und damit die Funktionsbereiche, desto mehr geht es um Macht und Einfluss. Die meisten Unternehmen sind funktional/ tayloristisch aufgestellt – mit interner IT, HR, Finanzen, interner Kommunikation und ähnlichen. Dieses System zu kippen und die Funktionen zu integrieren, ist eine enorme Herausforderung. Als kleiner, erster Schritt empfiehlt sich ein kollaborativer Ansatz, der die oben genannten Funktionsbereiche über gemeinsame Ziele, Plattformen und Projekte stärker in die Zusammenarbeit zur Bildung einer integrierten Employee Experience bringt. Denn sicher ist: Die Employee Experience (EX) wird zukünftig zum Gradmesser des Unternehmenserfolgs. Verschiedene Studien und Untersuchungen zeigen bereits in Ansätzen, dass EX sehr positiv auf den Unternehmenserfolg wirken kann. So haben engagierte Mitarbeitende und Organisationen nach einer Gallup Studie von 2021 bis zu 81 Prozent weniger Fehlzeiten, zusätzlich wurde festgestellt, dass besonders engagierte Geschäftseinheiten ein Plus von 18 Prozent bei den Umsätzen und von 10 Prozent bei den Kundenbewertungen erreichen. Die ersten Unternehmen implementieren bereits systematisch EX-Dashboards oder fragen gezielt in Pulse-Checks mehrmals unterjährig nach entsprechenden KPIs, wie beispielsweise • E mployee Engagement and Satisfaction • Employee Net Promotor Score • A nzahl Einstellungen durch Weiterempfehlung von Mitarbeitenden • Fluktuationsrate • Mitarbeiter-Absentismus • A usschöpfung der Urlaubstage • Unternehmensbewertung auf Portalen • D EI-KPIs (Diversity, Equity and Inclusion) • T eilnahmequote bei Trainings und Trainingstage je Mitarbeiter und • U msatz beziehungsweise Profit je Mitarbeiter. PROF. DR. JOHANNA BATH lehrt Strategie und Finanzen an der ESB Business School und erforscht gesellschaftliche Trends und deren Bedeutung für Unternehmen. JÖRG STAFF ist Vorstandsmitglied und Chief People Officer bei Atruvia und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Dieser Beitrag ist ein gekürzter Auszug aus dem neuen Herausgeberwerk der Autorin. Johanna Bath/Katrin Winkler, Hybrides Arbeiten in Unternehmen, Haufe, 2024

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