14 Arbeitswelten personalmagazin Arbeitswelten 2024 übergreifenden Mitarbeiterservices strukturell an den Abteilungsgrenzen hängen bleibt und es noch keine crossfunktionale Organisationseinheit gibt, die dieses Thema effektiv bearbeiten könnte. Wandel zur menschenzentrierten Organisation Die Arbeitsorganisation darf künftig nicht mehr nur als Kostenstelle angesehen werden, sondern kann ein bedeutender Hebel für den geschäftlichen Erfolg sein, ein Ort, der „menschliche Spitzenerlebnisse“ bietet, „magische Momente der Zusammenarbeit“ ermöglicht und dem Wunsch der Mitarbeitenden nach einem stärkeren Gefühl der Inspiration, Sinnstiftung und Zugehörigkeit zu einem Unternehmen entspricht. In Zukunft wird sich der menschenzentrierte Arbeitsplatz durchsetzen, da die Unternehmen erkennen werden, dass die Mitarbeitenden wie „Verbraucher“ zu behandeln sind, die einen starken und überzeugenden Grund benötigen, um für ein Unternehmen engagiert zu arbeiten und sich persönlich einzubringen. Die Mitarbeitenden interpretieren ihre Erfahrungen, die sie am Arbeitsplatz machen, über ihre fünf Sinne. Ein ständiger Strom von Eindrücken, Erlebnissen und Informationen ermöglicht es ihnen, Urteile zu fällen und diese Erinnerungen, Gefühle und Wahrnehmungen zu speichern. Die Menschen machen sich ein mentales Bild von ihrem Arbeitgeber, genau wie sie es tun würden, wenn sie Verbraucher wären. Diese Urteile hinterlassen bleibende Eindrücke, die sie nutzen, um ihre Einstellung zu ihrem Unternehmen zu festigen. Potenzielle künftige Mitarbeitende tun dasselbe, sie stützen ihre Eindrücke aber auf andere Daten. In Anlehnung an das Verbrauchermarketing handeln fortschrittliche Unternehmen nach der grundlegenden Überzeugung, dass ein echtes Verständnis für den Kunden und ein hervorragendes Benutzererlebnis sowie eine holistische Sicht auf die Mitarbeitenden die Nachfrage nach dem „Arbeitsplatzprodukt“ steigern werden. Die grundlegenden Prinzipien einer menschenzentrierten Organisation sehen Sie im Kasten auf Seite 13 (Anmerkung der Redaktion). Eine neue Rolle entsteht: der Employee Experience Officer Der Wandel zu einem Human-CentricWork-Design-Modell ist disruptiv und braucht die Unterstützung der Unternehmensleitung, eine unternehmensweite Orientierung an den Designprinzipien und eine Anpassung der internen Serviceorganisationen und Führungsrollen. Ideal ist eine Integration folgender Funktionen: digitaler Arbeitsplatz (interne IT), physischer Arbeitsplatz (Real-Estate- und Facility-Management), Personal (HR), Organisation und Prozesse, Nachhaltigkeit und interne Kommunikation. Deren Leistungen umfassen einen Großteil der täglichen, menschlichen Interaktionen (Touchpoints) und Supportfunktionen der Mitarbeitenden im Unternehmen. Typischerweise tangiert der Lifecycle eines Mitarbeitenden mehrere Funktionsbereiche, wie zum Beispiel beim Onboarding-Prozess (Zugang zu den IT-Systemen, Mitarbeiterausweis, Arbeitsplatzausstattung, Onboarding-Seminare, Anlegen der Personalstammdaten et cetera). Durch die holistische Sicht auf den Prozess und die Bündelung der Aktivitäten können wesentlich integrierter Mitarbeitererlebnisse geschaffen werden. Acht Kernaufgaben des Employee Experience Officer Er/Sie • integriert und stärkt die Professionalität der verschiedenen fachlichen Funktionsbereiche aus Sicht der Mitarbeitenden und schafft eine einheitliche Taxonomie über die zu integrierenden Funktionsbereiche. • holt sich kontinuierlich Feedback und kommuniziert mit den Mitarbeitenden, um die Bedürfnisse zu ermitteln; er/sie nutzt Daten, ermittelt die Ursachen für Friktionen auf Arbeits- und Systemebene und eliminiert diese. • stellt sicher, dass die Mitarbeitenden den Sinn und die Wirkung ihrer Arbeit kennen, verstehen und erleben und steigert das Kundenverständnis für alle Mitarbeitenden. • stellt Arbeitsplätze und ein Zusammenarbeitsmodell zur Verfügung, die die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und des Unternehmens abdecken in produktiver und sozialer Sicht; er/sie verbindet Menschen und bildet Communitys. • integriert den physischen und digitalen Arbeitsplatz sowie Prozesse und Menschen für ein nahtloses, integriertes Arbeitsplatzerlebnis, das Menschen verbindet, motiviert und inspiriert. • kreiert »moments that matter« (siehe unten) und gibt den Menschen einen Arbeitsrahmen, der ihre Kreativität und individuelle Entwicklung fördert und Erlebnisse schafft, die die Menschen mit dem Unternehmen verbinden. • bringt die Mitarbeitendenperspektive in die strategische Ausrichtung und in Entscheidungen des Unternehmens ein. • misst den Einfluss der Mitarbeitenden auf die Kunden, den Einfluss der Kunden auf die Mitarbeitenden und den Einfluss der Mitarbeitenden auf die KPIs des Unternehmens.
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