Personalmagazin: Seit Jahren diskutieren wir über den Begriff New Work. Wie definieren Sie New Work? Carsten Schermuly: New Work ist ein sehr alter Begriff, er wurde ursprünglich von Frithjof Bergmann in die Literatur eingeführt. Bergmanns Denken kreiste um die Frage, wie Arbeit etwas werden kann, das Menschen stärkt. Und wenn wir darüber reden, wie Arbeit Menschen stärken kann, gelangen wir aus psychologischer Sicht zum Thema Empowerment. New Work heißt für mich deshalb Empowerment. Empowerment umfasst Maßnahmen, die das Ziel haben, Menschen psychologisch zu stärken, ihr Erleben von Sinn, Selbstbestimmung, Einfluss und Kompetenz. Wie sieht der Rahmen aus, der dieses Empowerment bestimmt? Es gibt nahezu unendlich viele Faktoren, die das Erleben von Empowerment beeinflussen können. Zum einen sind Interview Christoph Pause „ Der Arbeitsplatz beeinflusst das Empowerment“ New Work hat das Ziel, Arbeit so zu gestalten, dass sie den Menschen stärkt, sagt Carsten Schermuly. Wir sprachen mit ihm über den Einfluss, der in diesem Zusammenhang der Arbeitsplatzgestaltung, aber auch dem Arbeitsort zukommt. das Persönlichkeitsfaktoren, der eine blickt ganz anders auf Empowerment und empfindet Maßnahmen anders als der andere. Es gibt aber auch Persönlichkeitsfaktoren, die Empowerment – Selbstbestimmung, Einfluss, Kompetenzerleben – erleichtern. Das sind vor allem die sogenannten Core-Self-Evaluations. Die Core-Self-Evaluations umfassen die grundlegenden Persönlichkeitsmerkmale Selbstwirksamkeitserwartung, Selbstwertgefühl, Kontrollüberzeugung und Neigung zum Neurotizismus, die zusammen das Selbstkonzept einer Person beeinflussen und darüber das Empowermenterleben. Welche Rolle kommt dabei der Führungskraft zu? Die Führung hat ganz entscheidenden Einfluss auf Em- powerment. Führungskräfte haben Möglichkeiten, New Work im Sinne von Empowerment zu stimulieren. Dazu gehört nicht zuletzt, dass Führungskräfte für ihr eigenes Empowerment sorgen. Führungskräfte, die selbst keinen Sinn erleben in dem, was sie tun, die sich als fremdgesteuert wahrnehmen und ihre eigene Wirksamkeit infrage stellen, können Mitarbeitende nur schwer empowern und sie bei diesen Themen unterstützen. Deshalb ist der umfassende Rahmen so wichtig: die Organisationsstruktur, die Unternehmenskultur, die Arbeitsgestaltung. Das alles kann Empowerment begünstigen und behindern und spielt eine wesentliche Rolle für das Maß an Empowerment, das möglich ist. Sie sagen, New Work habe das Ziel, Arbeit anders zu gestalten, nämlich als etwas, das Menschen stärkt. Können Sie wissenschaftlich etwas mit dem Begriff „neue Arbeitswelten“ anfangen, den manche in die Debatte einführen, weil „New Work“ mittlerweile ein leerer Begriff sei? Nein. Wobei ich mich auch immer frage, warum wir in Deutschland für das, was ich skizziert habe, den Oberbegriff New Work brauchen. Andere Länder schaffen es, über das Thema zu diskutieren und Arbeit auf eine neue Spur zu setzen ohne diesen Oberbegriff. Und jetzt kommen mit „neue Arbeitswelten“ und Ähnlichem sogar neue Begriffe dazu. In meinen Augen ist das stark den Marketingbemühungen aus dem Beratermarkt geschuldet. Unternehmensberatungen Arbeitswelten 10 personalmagazin Arbeitswelten 2024
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