personalmagazin 09.25 46 Strategie & Führung Quelle Porträt: Profile Picture arbeitenden“ mit ihren jeweiligen Rollen, Fähigkeiten und Zugriffsrechten zusammenbringt. Die HR-Abteilung sorgt dafür, dass diese „hybride“ Zusammenarbeit reibungslos funktioniert und die Agenten über verschiedene Bereiche hinweg miteinander kommunizieren. Zugleich wandelt sich auch die Personalplanung. Arbeitgeber müssen identifizieren, welche Aufgaben KI übernehmen soll oder wo sie unterstützen kann. Mitarbeitende müssen flexibler sein und verstärkt Skills mitbringen, die nicht von den „digitalen Kollegen“ übernommen werden. Kurz gesagt: Die HR-Abteilung steuert eine ganz neue, „gemischte Belegschaft“ aus Menschen und KI-Agenten. Im täglichen Betrieb der Personalabteilungen werden KI-Agenten mittlerweile in zahlreichen Bereichen eingesetzt. Dabei müssen HR-Experten die digitalen Agenten wie Mitarbeitende managen: mit Rollen, Berechtigungen und Skills. Das schafft Transparenz, macht Vorgänge nachvollziehbar und baut Vertrauen auf. Die Kombination von Infrastruktur und integrierter KI auf einer Plattform legt die Basis für eine echte Business-Transformation. Ein zentrales Einsatzgebiet ist das Recruiting. KI-Agenten durchsuchen Bewerberdatenbanken, analysieren Lebensläufe und vergleichen die Qualifikationen der Bewerberinnen und Bewerber mit den Anforderungen der offenen Stellen. Sie erkennen Muster, die für den Erfolg in bestimmten Positionen sprechen, und schlagen passende Kandidaten vor. Die Vorauswahl erfolgt objektiv und in Sekundenschnelle – ein erheblicher Vorteil gegenüber dem manuellen Bearbeiten. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Frage, wie fair und objektiv KI-Agenten sind. Zwar versprechen sie, Vorurteile und Diskriminierung zu reduzieren, indem sie Bewerbungen und Mitarbeiterdaten nach objektiven Kriterien bewerten. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass KI-Systeme die Vorurteile ihrer Trainingsdaten übernehmen und sogar verstärken können. Daher ist es unerlässlich, dass menschliche Mitarbeitende die Algorithmen regelmäßig überprüfen und anpassen. Als besonders wertvoll erweisen sich KI-Agenten auch beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Sie begleiten Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger durch die ersten Wochen im Unternehmen, beantworten Fragen, organisieren Schulungen und stellen relevante Informationen bereit. Praktischerweise sind sie rund um die Uhr verfügbar und sorgen somit dafür, dass sich neue Kollegen schnell zurechtfinden. Auch im Bereich des Talentmanagements entfalten KI-Agenten ihr Potenzial. Sie identifizieren Weiterbildungsbedarf, schlagen individuelle Lernpfade vor und unterstützen Führungskräfte dabei, ihre Teams zu entwickeln. Indem sie Leistungsdaten, Feedback und Karriereverläufe analysieren, können sie Empfehlungen für Beförderungen oder Entwicklungsmaßnahmen aussprechen. KI kann Arbeit sinnvoller machen Stichwort „Human in the loop“: Die Art, wie Arbeit organisiert wird, verändert sich grundlegend. Denn KI ermöglicht Menschen, den Arbeitsalltag sinnvoll zu gestalten. Wer KI-Agenten und die Kreativität sowie die Analysefähigkeit von Menschen symbiotisch nutzt, kann etwas Neues schaffen. KI-Agenten zu integrieren, verändert auch die Mitarbeitererfahrung grundlegend. Dabei sollten digitale Algorithmen nicht mit menschlichen Kolleginnen und Kollegen gleichgesetzt werden. Eine der wichtigsten Entwicklungen ist die absichtsbasierte (Intent-based) Navigation in HR-Technologien: Statt komplexe Menüs zu durchsuchen, können Mitarbeitende in natürlicher Sprache Anfragen stellen – beispielsweise: „Zeig mir die Leistung meines Teams“. KI-Agenten verstehen diese Anfrage und führen Benutzer direkt zum Ziel, während sie parallel zugehörige Workflows automatisieren. Eine weitere Schlüsseltechnologie ist Inference – also die Fähigkeit von KI-Systemen, über den wörtlichen Text hinaus Bedeutungen zu erfassen. So weist ein KI-Agent etwa aktiv darauf hin, wenn Gehaltskosten in einer Abteilung ungewöhnlich stark steigen und markiert dies als „Needs Attention“. Die KI analysiert mögliche Ursachen wie Neueinstellungen oder Gehaltserhöhungen, schlägt konkrete, datengestützte Maßnahmen vor – wie etwa Starttermine zu verschieben – und simuliert, wie sich die jeweilige Maßnahme auswirken würde. Anschließend stimmt sich die KI automatisch mit den HR-Partnern ab. So entsteht ein zielgerichteter Maßnahmenplan. Inference ermöglicht damit nicht nur reaktive, HR sollte ein Umfeld schaffen, in dem menschlicher Input nicht mehr überall erforderlich ist; wo er jedoch gebraucht wird, soll er gezielt und damit umso wertvoller sein.
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