54 PERSONALquarterly 03 / 24 SERVICE_PRAXISBLICK PROF. DR. HERBERT SCHAAFF war zuletzt Geschäftsführer Personal bei Vallourec Deutschland. Er arbeitet seit 20 Jahren in Forschung und Lehre, derzeit als Honorarprofessor für Personalmanagement an der HS Niederrhein Mönchengladbach. PERSONALquarterly: Welche wissenschaftliche Leistung in der Menschheitsgeschichte hat Sie besonders beeindruckt? Herbert Schaaff: Es war zwar keine wissenschaftliche Leistung im heute üblichen Sinne, aber das ist für mich ganz klar die neolithische Revolution: die Erfindung und Umsetzung von Landwirtschaft, Tierhaltung und -zucht, Sesshaftigkeit und systematischer Arbeitsteilung vor gut 10.000 Jahren. Diese war, im positiven, teils aber auch im negativen Sinne die notwendige Basis für weiteren Fortschritt, materiellen Wohlstand und signifikant steigende Bevölkerungszahlen. PERSONALquarterly: Die Wissenschaft hat in der Gesellschaft zuletzt an Vertrauen eingebüßt. Welche Bedeutung hat für Sie die Wissenschaft, kann man sich auf deren Erkenntnisse verlassen? Herbert Schaaff: Sogenannte „alternative Fakten“ von Verschwörungstheoretikern, Esoterikern oder sich radikalisierenden Kräften haben an Bedeutung gewonnen. Hier kommt der Wissenschaft die Aufgabe zu, robuste und empirisch signifikante Ergebnisse zu den relevanten Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft zu erarbeiten – und diese sodann ziel- und adressatengerecht zu erklären und zu kommunizieren. Darüber hinaus sollte die Wissenschaft gemeinsam mit der Öffentlichkeit daran mitwirken, Fehlinformationen zu entzaubern und klare Botschaften zu senden. Künstliche Intelligenz macht mir – bei allen positiven Effekten – in diesem Zusammenhang eher Angst. PERSONALquarterly: Welche Berührungspunkte hatten Sie mit der Wissenschaft in Ihrem Werdegang? Herbert Schaaff: Ich war nach meinem Studium sechs Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der RWTH Aachen und bin seit 15 Jahren Lehrbeauftragter und Honorarprofessor für Personalmanagement an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Zudem habe ich regelmäßig wissenschaftlich-praktische Beiträge veröffentlicht, wie auch mein Buch „Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug – Nach- und Vordenken über die Bedürfnisse des Menschen“ (Verlag Metropolis, 2021). In den Unternehmen, in denen ich tätig war, haben wir oft auf die Hilfe von Beratungsunternehmen gesetzt. Dabei war es uns wichtig, dass diese einen angemessenen wissenschaftlichen Background hatten. PERSONALquarterly: Kann die Wissenschaft helfen, das Personalmanagement in den Unternehmen besser zu machen? Herbert Schaaff: Grundsätzlich ja. Das beginnt mit der Ausbildung des Nachwuchses an den Hochschulen und in den Unternehmen. Dabei braucht es aus meiner Sicht allerdings eine stärkere Konzentration nicht unbedingt auf ablenkende Modethemen, sondern auf die tatsächlich Mehrwert bringenden zentralen Themen. Ich denke vor allem an Personalstrategie, Sozialpartnermanagement und die zunehmend wichtige Nachhaltigkeit von Restrukturierungs- und Vitalitätsmanagement, Change-Projekten, Aus- und Weiterbildung und strategischer Personalplanung. PERSONALquarterly: Was wünschen Sie sich von der Wissenschaft? Wie könnte diese mit ihrer Forschung die Praxis noch besser unterstützen? Herbert Schaaff: Da die Wissenschaft vom Personalmanagement eine Handlungswissenschaft ist, würde ich mir wünschen, unter Beibehaltung wissenschaftlicher Standards im Sinne eines intensiveren Theorie-Praxis-Transfers näher an die Unternehmen heranzurücken. Zudem könnte dazu beigetragen werden, dass mehr junge Menschen die HR-Profession als wirklich sinnvolle Karriere- und Entwicklungschance ansehen. Der PERSONALquarterly-Fragebogen PQ stellt Menschen vor, die im engen Austausch mit der Wissenschaft arbeiten. In dieser Ausgabe: Prof. Dr. Herbert Schaaff, ehem. GF Personal von Vallourec Deutschland.
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