Personal quarterly 2/2023

58 SERVICE_PRAXISBLICK PERSONALquarterly 02 / 23 PERSONALquarterly: Welche wissenschaftliche Leistung in der Menschheitsgeschichte hat Sie besonders beeindruckt? Gundula Roßbach: Die Entwicklung der Mathematik. Das heißt die Zahlensysteme, Geometrie, Logik, Algebra, Analysis. All das bildet die Grundlage vieler anderer Wissenschaften und ermöglicht seit Jahrhunderten den technologischen Fortschritt. PERSONALquarterly: Die Wissenschaft hat in der Gesellschaft zuletzt an Vertrauen eingebüßt. Welche Bedeutung hat sie für Sie? Kann man sich auf ihre Erkenntnisse verlassen? Gundula Roßbach: Wissenschaft steht für eine fundierte Weiterentwicklung unseres Wissens. Sie nutzt anerkannte Methoden und ist ergebnisoffen. Hypothesen und Ergebnisse werden publiziert und hinterfragt. Wissenschaftler pflegen dazu einen intensiven Austausch. Es gibt dabei keinen statischen Zustand, sondern Schlussfolgerungen auf dem aktuellen Stand der Wissenschaften. Darauf kann man sich meines Erachtens verlassen, bis es eben neue Erkenntnisse gibt, die die alten Hypothesen widerlegen. PERSONALquarterly: Welche Berührungspunkte haben Sie persönlich mit der Wissenschaft? Gundula Roßbach: Da ist natürlich mein Studium der Rechtswissenschaften. Anschließend hat mich die Wissenschaft im beruflichen Kontext in Bereichen der Reha-Wissenschaften beschäftigt. Auch hatte ich immer wieder interdisziplinär mit Wissenschaftlern im Rahmen der Altersvorsorge zu tun. Die inhaltliche Weiterentwicklung der Rentenversicherung gelingt ja nur im Austausch mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen. PERSONALquarterly: Welche konkreten Projekte verfolgen Sie gerade mit der Wissenschaft? Gundula Roßbach: Die Rentenversicherung hat zum Beispiel vor 20 Jahren ein Forschungsnetzwerk Alterssicherung gegründet. Dort und in den wissenschaftlichen Tagungen findet ein Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft statt. Die Rentenversicherung unterstützt dabei verschiedene Projekte von Wissenschaftlern und fördert auch Nachwuchswissenschaftler. Im Bereich Rehabilitation organisiert die DRV Bund jährlich ein wissenschaftliches Kolloquium mit bis zu 1.500 Wissenschaftlern und Personen der Praxis und Selbstverwaltung. Daneben gibt es eine Forschungsförderung, teilweise in Koordination mit Sonderforschungsbereichen des Bundes. PERSONALquarterly: Kann die Wissenschaft helfen, das Personalmanagement in den Unternehmen besser zu machen? Gundula Roßbach: Die Rentenversicherung fördert strukturiert Führungskräfte und hat dazu in der jüngeren Vergangenheit einen Beirat mit Wissenschaftlern aus dem Personalentwicklungsbereich eingerichtet. Wir setzen hier auf fundierte Impulse für die Weiterentwicklung moderner Führung, insbesondere im digitalen Transformationsprozess. Das hilft uns sehr. PERSONALquarterly: Haben Sie ein aktuelles Beispiel, wo Sie auf wissenschaftliche Expertise zurückgreifen, um Ihre Entscheidungen besser zu machen oder abzusichern? Gundula Roßbach: Wir beabsichtigen, eine soziologische Kulturanalyse zu initiieren. Sie soll uns weitere Erkenntnisse liefern, wie unsere Kultur erlebt wird. Auf dieser Basis können wir gezielt Maßnahmen für eine passgenauereWeiterentwicklung der Organisation und ihrer Mitarbeitenden ableiten und positive Impulse für unsere Kulturentwicklung setzen. PERSONALquarterly: Was wünschen Sie sich von der Wissenschaft? Wie können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihrer Forschung die Praxis noch besser unterstützen? Gundula Roßbach: Ich denke, da braucht es vor allem einen intensiven Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Auch halte ich es für sinnvoll, eher kleinere Forschungsfragen in einem kürzeren Zeitraum zu bearbeiten und Hinweise zu generieren, die helfen, Sachverhalte der Praxis zu evaluieren. PQ stellt HR-Verantwortliche vor, die im Austausch mit der Wissenschaft stehen. In dieser Ausgabe: Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund Der PERSONALquarterly-Fragebogen GUNDULA ROSSBACH ist Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund

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