Personal quarterly 2/2023

56 SERVICE_FORSCHERPORTRÄT PERSONALquarterly 02 / 23 Altersdiversität als Vorteil nutzen Ulrike Fasbender ist Professorin für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Hohenheim und forscht zu den Themen Arbeit und Altern. Dr. Christina Guthier, Wirtschaftspsychologin in Düsseldorf Der Fachkräftemangel wird in den Medien immer stärker diskutiert. Dabei beschäftigt Organisationen u. a. die Frage, wie sie ihre Beschäftigten möglichst dauerhaft – im Idealfall bis zum Renteneintritt – halten können. Immer größer wird auch das Interesse daran, die Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten besser zu verstehen. Genau hier setzt Prof. Dr. Ulrike Fasbenders Forschung rund um Altersdiversität in Organisationen an. „Ich interessiere mich dafür, was Altern mit Menschen macht, also wie Veränderungen über die Lebensspanne ablaufen, und wie die Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten in Organisationen funktioniert.“ Auf individueller Ebene untersucht sie bspw., wie sich die Akzeptanz von Technologien über das Alter hinweg entwickelt. Die Beschäftigungsdauer vieler Menschen liege immerhin bei etwa 40 Jahren. Bei der Geschwindigkeit, mit der sich technologiebezogenes Wissen mittlerweile entwickle, sei ständiges Dazulernen nötig. Da stelle sich die Frage: Ist wirklich etwas an der Vorstellung dran, dass jüngere Beschäftigte deutlich offener und gewandter im Umgang mit Technologie sind als ältere Beschäftigte? Ihre Antwort: „Ja und nein. Tatsächlich finden wir, dass ältere Beschäftigte weniger berufliche Zukunftschancen wahrnehmen und daher Technologie als weniger nützlich und schwieriger in der Anwendung wahrnehmen. Gleichzeitig ist es aber so, dass ältere Beschäftigte ihre Fähigkeit zur Selbstorganisation höher einschätzen, und das wiederum fördert die Technologieakzeptanz. Das Bild von älteren Beschäftigten ist also positiver als gedacht. Zudem können Führungskräfte Einfluss darauf nehmen, indem sie die Beschäftigten digital führen, also selbst mit ihrem Wissen über Technologie up to date sind und Enthusiasmus über die digitale Transformation ausstrahlen.“ Zusätzlich untersucht Professorin Ulrike Fasbender im Rahmen eines DFG-Projekts zu Wissenstransfer gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Dr. Fabiola Gerpott Prozesse die Zusammenarbeit zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten. Besonders interessiert sie dabei, ob tatsächlich vor allem ältere Beschäftigte Wissen an jüngere Beschäftigte weitergeben oder ob jüngere und ältere Beschäftigte gegenseitig Wissen austauschen: „Prinzipiell ist Wissenstransfer zwischen jüngeren und älteren Beschäftigten ein bi-direktionaler Prozess, beide Altersgruppen sind also gleichzeitig Wissenssender und -empfänger. Das ist aber noch nicht in allen Köpfen angekommen, daher sind hier die richtigen HR-Maßnahmen gefragt. Wenn es darum geht, dass ältere Beschäftigte von jüngeren Wissen empfangen, sind altersinklusive HR-Maßnahmen Erfolg versprechend, also jene Praktiken, die darauf abzielen, Chancengleichheit für Mitarbeitende aller Altersgruppen zu schaffen. Dazu gehören bspw. gleicher Zugang zu Trainings- und Weiterbildungsangeboten oder die Förderung einer „altersfreundlichen“ Unternehmenskultur, in der die Leistung aller Altersgruppen wertgeschätzt wird.“ Fasbenders Forschungsarbeiten zu Arbeit und Alter wurden bereits mit dem Dr.-Herbert-Stolzenberg-Preis der Justus-Liebig-Universität Gießen im Jahr 2021 ausgezeichnet. Lösungen für die Praxis finden Prof. Dr. Ulrike Fasbender hat über sieben Jahre studien- und promotionsbegleitend in Personal- und Unternehmensberatungen gearbeitet und dabei wertvolle Einblicke in typische Strukturen und Prozesse von Organisationen erhalten. „Ich mag nicht nur mit dem Finger auf Probleme zu zeigen, sondern ich arbeite gerne an Lösungen. Entsprechend ist es mir wichtig, möglichst anwendungsorientiert zu forschen und konkrete Handlungsempfehlungen für Praktikerinnen und Praktiker aus den neuen Erkenntnissen abzuleiten.“ Sie ermutige auch ihre Studierenden dazu, lieber ein Praktikum mehr in der Wirtschaft als in der Wissenschaft zu absolvieren, um dort wertvolle Erfahrungen zu sammeln, die Inspiration für die zukünftige, eigene Forschung liefern können und damit den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis fördern. Sie selbst kooperiert gerne mit der Praxis. So hat sie 2022 das Demographie Netzwerk e. V. (ddn) bei einer deutschlandrepräsentativen Umfrage mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey Netzwerk zum Thema, wie Deutsche ihre zukünftigen Berufschancen wahrnehmen, wissenschaftlich begleitet. Darüber hinaus hat sie ihre Forschungsarbeiten

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