Personal quarterly 2/2023

52 ESSENTIALS_REZENSIONEN PERSONALquarterly 02 / 23 Während neuere Studien den Einfluss von Topführungskräften wie dem Chief Executive Officer (CEO) auf den Unternehmenserfolg, bestimmte Unternehmensstrategien durch Führungskräfte oder das Matching von bestimmten CEOs in bestimmte Firmen untersuchen, liegen verhältnismäßig wenige Studien über die dahinterliegenden Gründe vor. Die Autoren der hier vorgestellten Studie bieten in ihrem Artikel das Konstrukt der „CEO Celebrity“ (CEO-Prominenz), definiert als „Ausmaß positiver emotionaler Antwort des CEO durch ein breites Publikum“, als eine (weitere) Erklärungsmöglichkeit an. Folglich stellt sich die Frage: Warum werden einige CEOs prominent, während einige andere Topführungskräfte mit ähnlichen Charakteristika und Erfolgen dies nicht werden? Der Hauptbeitrag der Autoren liegt vor allem in der Etablierung einer „Push“- und „Pull“-Theorie sowie deren Kombination für das CEO-Celebrity-Konstrukt, in dem Journalisten CEOs als einzigartig im Sinne von Risk Taker, Underdog oder Trendsetter darstellen (pull). Demnach seien „strategic nonconformative“ CEOs solche, die sich vom (Industrie-)Durchschnitt abheben (inklusive demografischer Faktoren wie Geschlecht und Hautfarbe) und für die daher die Einzigartigkeit der Person im Narrativ betont werden könnte, was sich wiederum positiv auf das Konstrukt CEO Celebrity auswirke. Gleichzeitig könnten Topführungskräfte aktiv ihre Außenwahrnehmung verändern und dadurch im Sinne eines Eindrucksmanagements durch spezifische Taktiken ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit steuern (push), so z. B. durch die intensive Nutzung von sozialen Medien, die Bereitschaft an Interviews teilzunehmen oder durch die Würdigung von Medien, die positiv über sie berichten. Zudem besteht ein weiterer Hauptbeitrag der Autoren in der empirischen Analyse bzw. Messung von CEO Celebrity als ordinales Konstrukt (i. e. Kategorienzuordnung), das sowohl traditionelle Medienberichte über Zeitungen, Magazine und Fernsehen (z.B. New York Times, Washington Post, Wall Street Werden bestimmte Führungspersönlichkeiten eher berühmt? Lovelace, J. B. (University of Virginia), Bundy, J. (Arizona State University), Pollock, T. G. (University of Tennessee), Hambrick, D. C. (The Pennsylvania State University ): The push and pull of attaining CEO celebrity: A media routines perspective. Academy of Management Journal, 65(4), 1169-1191, 2022. Journal, Forbes, Fortune, ABC, NBC etc.) als auch soziale Medien (Anzahl an Wikipedia-Aufrufe sowie Anzahl an WikipediaÄnderungen im letzten Jahr) einschließt. Nach den Autoren ist eine Kombination aus einem hohen Maß von Push-Faktoren (Selbstpromotion) und demografisch atypischen Charakteristika des CEO besonders förderlich für den CEO-Celebrity-Status, insbesondere in der höchsten Kategorie A. Die Autoren weisen auf die möglichen negativen Konsequenzen des Konstrukts der CEO Celebrity hin. Demnach könnten zwar weibliche Topführungskräfte – nach Kontrolle von anderen erklärenden Variablen – den Status CEO Celebrity im Durchschnitt besser erreichen, jedoch könnte dieser exponierte Status auch als Verstärker negativer Stereotype gegenüber unterrepräsentierten Gruppen dienen. Außerdem könnten diese CEOs besonders durch den Prominentenstatus abgelenkt werden, was sie auf Dauer zuweniger effektiven Führungspersönlichkeiten machen könnte. Für HR-Mitarbeitende könnte die CEO Celebrity ein nutzbares Warnsignal (extreme Ausmaße) für aktuelle oder zukünftige CEOs darstellen. Zudem könnte das Konstrukt selbst eine Verzerrung bei der Wahl von Topführungspersönlichkeiten sowie bei der Ausgestaltung von Verträgen (z. B. Gehalt) darstellen, die in das Bewusstsein von HR-Mitarbeitenden gehört. Zusammenfassend weist der Artikel auf die Rolle der Medien als Gatekeeper und als billigende Instanz sozialer Normen hin, wodurch der Artikel den reinen betriebswirtschaftlichen Kontext verlässt. Auch wenn sowohl Corporate-GovernancePraktiken als auch die Medienstruktur in Europa anders sind als in den USA, ist eine gewisse Übertragbarkeit der Ergebnisse auf einen anderen Kontext wahrscheinlich. Besprochen von Johannes Brunzel

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