47 02 / 23 PERSONALquarterly 3 Vermeidung von Wörtern mit unterschiedlichen Bedeutungen wie Glück 3 Pretests zur Vermeidung von Verständnisproblemen und Deckeneffekten (fast alle Teilnehmenden stimmen zu). Wie viele Antwortoptionen sollten verwendet werden? Bei den meisten Fragen zu Einstellungen und Einschätzungen der Mitarbeiter gibt es keine fest vorgegebene Anzahl von Antwortmöglichkeiten, und es bestehen Freiheitsgrade bei der Fragebogenentwicklung, wie viele Antwortoptionen letztlich angeboten werden. Ein klassisches Beispiel einer Likert-Skala beinhaltet bspw. die folgenden fünf Optionen: (1) stimme überhaupt nicht zu; (2) stimme nicht zu; (3) weder noch; (4) stimme zu; (5) stimme völlig zu. Aber wie viele Antwortmöglichkeiten sollten geboten werden, um Mitarbeitenden hinreichend viel Spielraum bei den Antworten zu geben, sie gleichzeitig aber nicht zu überfordern? Und sollte die Anzahl der Antwortoptionen gerade sein, damit Teilnehmende gezwungen sind, zumindest eine Tendenz auszudrücken, oder sollte über eine ungerade Anzahl von Antwortoptionen eine mittlere Kategorie enthalten sein? Verschiedene Studien haben untersucht, welche Anzahl von Antwortoptionen die besten Ergebnisse liefert. Simms und Kollegen (2019) bspw. untersuchen Skalen mit zwei bis elf Antwortoptionen und stellen fest, dass sechs Antwortoptionen die präzisesten Ergebnisse liefert, die Unterschiede zu fünf oder sieben Antwortoptionen aber eher marginal sind. Darüber hinaus können sie keine Unterschiede zwischen einer geraden und einer ungeraden Anzahl an Antwortoptionen finden. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch Lee und Paek (2014), die keine nennenswerten psychometrischen Unterschiede für Items mit vier, fünf oder sechs Antwortoptionen finden. Interessant ist ein weiteres Ergebnis von Simms et al. (2019), die ebenfalls Skalen mit Schieberegler („visual analog scales“) untersuchen. Wenn Teilnehmende ihre Einschätzung zwischen Ablehnung und Zustimmung feinstufig über einen Schieberegler abgeben können, sind die Ergebnisse so gut wie bei sechs Antwortoptionen – nicht besser, aber auch nicht schlechter. Insgesamt gibt es also keine einzelne Empfehlung für eine bestimmte Anzahl an Antwortoptionen, da die psychometrische Qualität der Antworten mit vier bis sieben Antwortoptionen vergleichbare Ergebnisse liefert. Weniger als vier oder mehr als sieben Optionen werden dagegen nicht empfohlen. Wie sollten die Antwortoptionen beschriftet sein? Neben der Anzahl ist auch die Beschriftung der Antwortoptionen eine häufige Frage bei der Konzeption von Mitarbeiterbefragungen. Sollte z. B. die höchste Zustimmung über „stimme voll zu“, „stimme stark zu“ oder „stimme zu“ eingefangen werden? Ein gängiger Kritikpunkt ist, dass die verschiedenen Optionen nicht gleichmäßig verteilt (sondern nur ordinalskaliert) sein könnten und deswegen eine spätere Analyse mit den gänAbb. 1: Beispiele für Sets von Antwortoptionen gigen statistischen Verfahren schwierig sei, da diese in der Regel ein metrisches Skalenniveau unterstellen, sozusagen die Abstände zwischen den einzelnen Antwortoptionen genau gleich sein müssen. Eine hilfreiche Studie ist von Casper et al. (2020), in der für verschiedene Fragentypen eine empirische Analyse möglicher Antwortoptionen vorgenommen wird, um so eine Entscheidungshilfe für die Beschriftung der Skalen zu liefern. Eine umfassende Übersicht ist im Appendix von Casper et al. (2020) aufgeführt. Wir haben daraus in Abbildung 1 beispielhaft eine Auswahl möglicher Skalenanker einer fünfstufigen Skala für unterschiedliche Zwecke zusammengestellt. Fragen zur Zustimmung (agreement; z. B. „I enjoy my job.“) sind in Forschung und Praxis am häufigsten, gefolgt von Fragen nach der Anzahl (amount; z. B.: „How much effort do you put into your job at work?“) und Fragen nach der Häufigkeit (frequency; z. B.: „You speak positively of your job with someone outside of work.“). In der Abbildung sind für jede Kategorie fünf Antwortoptionen dargestellt. Entscheidet man sich z. B. für sieben Antwortoptionen, so sollten die zwei zusätzlichen Optionen nicht einfach zwischen je zwei bestehende Antwortoptionen gepresst werden, sondern – um ungefähr gleiche Abstände zwischen allen Antwortoptionen zu erhalten – ein insgesamt angepasstes Set an Antwortoptionen verwendet werden. Wie viele Fragen brauche ich zur Messung eines Konstrukts? Einige existierende Skalen besitzen eine abschreckend hohe Anzahl an Items, sodass eine Kürzung dieser Skalen für dieMitarbeiterbefragung unvermeidlich erscheint. Wenn Sie weniger Items als in der Originalskala verwenden, besteht allerdings Agreement Amount Frequency Judgment Similarity Strongly disagree None Never Dislike extremely To no extent like me Moderately disagree A little of Seldom Dislike moderately A little like me Neutral Some Some of the time Neutral Neither like me nor unlike me Moderately agree Much Frequently Preferred Very like me Strongly agree All Always My favorite Identical to me Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Casper et al. (2020)
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