Personal quarterly 2/2023

41 02 / 23 PERSONALquarterly Video etc. können simultan eingesetzt werden und Lernende dadurch schneller kognitiv überfordern als analoge Trainings. Da der Lernprozess, wie oben beschrieben, nur stattfinden kann, wenn das Gedächtnis des Lernenden nicht in seiner Leistungsfähigkeit überschritten wird, und digitale Lehrangebote drastisch gewachsen sind, erscheint die Untersuchung angemessen, ob Spaced Learning auch in diesem Umfeld wirksam ist. Daher wurde die folgende übergreifende Forschungsfrage formuliert: Führt die Lehrmethode des Spaced Learning zu besserem Lernen in einer arbeitsbezogenen E-Learning-Umgebung? Methodisches Vorgehen Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden acht Hypothesen aus der vorhandenen Literatur abgeleitet (vgl. Abb. 1). Diese wurden in zwei separaten Feldexperimenten mit in Summe 437 freiwillig angemeldeten Teilnehmenden mit unterschiedlicher Berufserfahrung von 1 bis 45 Jahren evaluiert. Die Teilnehmenden konnten sich vor allem über Linkedin zu den kostenlosen Trainings anmelden. Sie hatten die Möglichkeit, zum Abschluss des Trainings an Tests teilzunehmen, in denen anonyme Primärdaten in Form von Wissenstests und Befragungen erhoben wurden. Experiment 1 vermittelte Fakten- und Konzeptwissen zum Beispielthema „Plattform-Geschäftsmodelle“, Experiment 2 Prozesswissen zum Beispielthema „Zeitmanagement“. Die Unterscheidung in die zwei Wissensarten erfolgt auf Basis von Bloom’s Lernzieltaxonomie und begründet sich in einer Analyse, dass Mitarbeiter eher Prozesswissen wie Soft Skills benötigen als Faktenwissen, und das Konzept des Spaced Learning bisher lediglich im Bereich des Faktenwissen (und hier: zumeist bei einfacher Komplexität, wie Vokabeln) Anwendung fand. In beiden Experimenten wurde ein Experimentaldesign verwendet, bei dem sieben Gruppen unterschieden wurden und jeder Teilnehmer nur einen Trainingsaufbau erfahren hat. Beide Experimente folgten demselben Aufbau. Gruppe 1 absolvierte eine Massed-Learning-Einheit, bei der alle Lerninhalte an einem Tag gelernt wurden. Ein Teil dieser Gruppe absolvierte einen Wissenstest nach einer Zeitspanne des gewünschten Wissenserhalts (Retention-Intervall) von zwei Wochen sowie ein anderer nach vier Wochen, um jeweils als Kontrollgruppe für die Gruppen 2 bis 7 zu dienen. Die Gruppen 2 bis 7 folgten dem Spaced-Learning-Ansatz mit gleichmäßig verteilten Lernbedingungen (sog. equal spacing), wobei sich die Gruppen zur Basisgruppe 2 mit je einer Session mit Folien, einer Session mit Videos und einer Live-Session wie folgt unterteilten, um die entsprechenden Einflussfaktoren zu bewerten: Gruppe 3 veränderte die Reihenfolge der eingesetzten Lernmedien, Gruppe 4 beinhaltete Feedback zu einem zusätzlichen Test nach jeder Lerneinheit, Gruppe 5 erfuhr fünf statt drei Lerneinheiten (es variierte also deren Anzahl), die Gruppen 6 und 7 erhöhten das Retention-Intervall von zwei auf vier Wochen und hatten ansonsten den gleichen Aufbau wie die Gruppen 2 und 5. In Experiment 1 beendeten 213 Teilnehmer alle E-LearningEinheiten sowie den Wissenstest. Davon befanden sich 33 Teilnehmer in der Gruppe 1, jeweils 32 Teilnehmer in den Gruppen 2 bis 5, 31 Teilnehmer in der Gruppe 6 und 21 Teilnehmer der Gruppe 7. In Experiment 2 beendeten 192 Teilnehmer alle E-Learning-Einheiten sowie den Wissenstest Davon befanden sich 28 Teilnehmer in Gruppe 1, jeweils 27 Teilnehmer in den Gruppen 2 bis 6 und 29 Teilnehmer in Gruppe 7. Am Ende der Experimente wurden die Lernergebnisse in den Abschlusstests (gemessen in Form der Anzahl richtig beantworteter Fragen) zwischen allen Gruppen verglichen. Darüber hinaus wurden metakognitive Überzeugungen, das heißt die selbst wahrgenommene Lerneinschätzung und weitere Lernpräferenzen wie z. B. zur Interaktion oder Selbststeuerung, in Form von Freitext sowie Auswahlfeldern abgefragt. Hintergrund dieser Umfrage ist, dass laut der Literatur SpacedLearning-Teilnehmer ihren Lernerfolg subjektiv schlechter einschätzen als Massed-Learning-Kontrollgruppen, obwohl sie tatsächlich bessere Ergebnisse erzielen, und damit die Gefahr gegeben ist, dass selbstbestimmte Lerner eher eine MassedLearning-Strategie wählen würden. Abschließend wurde eine weitere Umfrage mit denjenigen Teilnehmern (n=52) durchgeführt, die an beiden Experimenten teilgenommen hatten. Letztere mit dem Ziel, Informationen zu sammeln, ob und wie Unterschiede zwischen den beiden Lernthemen wahrgenommen wurden, wie die Teilnehmer über ABSTRACT Forschungsfrage: Führt die Lehrmethode des Spaced Learning zu besserem Lernen in einer arbeitsbezogenen E-Learning-Umgebung? Methodik: Zwei Feldexperimente mit 437 Teilnehmern mit acht Forschungshypothesen Praktische Implikationen: Es zeigte sich, dass Spaced Learning signifikant die Lernergebnisse im realen Umfeld erhöht, jedoch primär für Fakten-, weniger für Prozesswissen. Lernende bevorzugen überwiegend Spaced, interaktive und angeleitete Lerneinheiten. Nutzbar sind die Erkenntnisse für Entwickler von E-Learning und Führungskräften, um Lernbudgets gezielter einzusetzen.

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