PERSONALquarterly 02 / 23 28 SCHWERPUNKT_KI ALS TEAMMITGLIED Kontrolle beeinflussen. Deshalb sollten bei KI-Anwendungen in der PEP Kontextmerkmale identifiziert werden, die eine hohe bzw. niedrige Autonomie des KI-Systems bedingen. In der KI-Forschung fehlen bisher Studien zur kontextabhängigen Präferenz eines LoA, obwohl in Übersichtsarbeiten die Bedeutung anpassbarer LoA diskutiert wird (Glikson/Woolley, 2020). Für den Anwendungsbereich PEP untersuchten wir daher in einer explorativen Studie, ob sich die Präferenz hoher vs. niedriger KI-Unterstützung unterschiedlich verhält, wenn der Anwendungskontext variiert. Explorative Befragung zur kontextabhängigen Akzeptanz von KI-Systemen in der Personaleinsatzplanung Unsere explorative Studie geht der Frage nach, ob die Akzeptanz von KI-Systemen im Kontext von PEP von persönlichen und situativen Bedingungen abhängt. Es wurden neben der allgemeinen Einstellung zu KI-Systemen in der PEP drei Szenarien entwickelt, in denen jeweils der Kontext variierte. In Szenario 1 variierte die Arbeitsbelastung der KI-Nutzer. So sollten KI-Systeme, welche imKontext hoher Arbeitsbelastungen eine aufgabenbezogene Entlastung schaffen, eine höhere KI-Akzeptanz erhalten. Bei niedriger Arbeitsbelastung ist dagegen anzunehmen, dass PEP-Nutzer Entscheidungsprozesse nicht an die KI delegieren und selbst noch aktiv imProzessmitwirkenwollen. In Szenario 2 variierte das Konfliktpotenzial der von der PEP betroffenen Einsatzgruppe. Die Forschung hat aufgezeigt, dass die Akzeptanz von KI generell geringer ist, wenn Nutzer vermuten, dass individuelle Gegebenheiten oder Bedürfnisse der Betroffenen durch die KI nicht berücksichtigt werden können. Wenn Entscheider bspw. in der PEP potenzielle Konflikte zwischen Teammitgliedern antizipieren (Person A arbeitet ungern mit Person B) und diese bei der manuellen Einsatzplanung berücksichtigen können, so könnten Entscheider in diesen Situationen autonome KI-Systeme eher ablehnen, wenn diese individuelle Besonderheiten nicht berücksichtigen. In Szenario 3 wurden persönliche Ziele/Motive variiert. So könnte ein persönliches Motiv von Entscheidern sein, während der Aufgabenbearbeitung der PEP vorhandenes Wissen anzuwenden und Neues zu erwerben. Es lässt sich vermuten, dass hier KI-Systeme mit nachvollziehbaren Vorschlägen oder gänzlich manuelle Bearbeitung bevorzugt werden. Wenn Nutzer allerdings Effizienz und Leistung als zentrales Motiv aktiviert haben, kann angenommen werden, dass KI-Systeme mit hoher Eigenständigkeit bevorzugt werden. Die explorative Studie untersuchte somit, ob sich in der PEP die Kontextbedingungen (1) Arbeitsbelastung, (2) Konfliktpotenziale und (3) persönliche Ziele/Motive auf die Wahl des Autonomiegrads der KI auswirken. Anwendungsszenario der KI. Teilnehmer übernahmen in einer Simulation die Rolle von Rettungsdienst-Einsatzleitungen (z. B. Feuerwehr) und mussten entsprechend eingehender Notfälle Einsatzteams entlang notwendiger und aktuell vorhandener Qualifikationen zusammenstellen. Die Anwendungsoberfläche der Simulation ist in Abbildung 2 dargestellt. Oben links auf der Karte konnten Notrufe, Stationen und Einsatzteams im Dienst lokalisiert werden. In der Mitte links wurden unbearbeitete und bearbeitete Anfragen angezeigt. Auf der rechten Bildschirmseite wurden verfügbare Stationen, Fahrzeuge und Personal angezeigt, welche vom Teilnehmer entsprechend der Anfrage selektiert und entsendet werden mussten. Methode. 104 Teilnehmer wurden nach ihrer Teilnahme an der Simulationsstudie ohne KI-Unterstützung befragt, ob und welche KI-Unterstützung sie bei der Zusammensetzung von Einsatzteams in verschiedenen Szenarien bevorzugen würden. In der vorliegenden Studie sollten sich die Teilnehmer an diese vorherige Simulation (ohne KI/manuelle Bearbeitung) erinnern. Darin wurden neben der manuellen Bearbeitungsoption zwei KI-Unterstützungsoptionen ausführlich vorgestellt. In der ersten Option unterstützte das Systemmit Besetzungsvorschlägen für die Einsatzteams und bot den Nutzern die Möglichkeit zur Anpassung (KI-Vorschläge mit manueller Kontrolle und Entscheidung). Die zweite Option umfasste ein System, bei dem die KI die Besetzung vollständig autonom durchführte und dem Nutzer keine Korrekturen erlaubte (autonome KI/ keine manuelle Kontrolle). Die Wahl der KI-Präferenzen (keine KI/KI-Vorschläge/autonome KI) wurde in den drei Szenarien zu jeder Kontextbedingung abgefragt (z.B. KI-Präferenz bei hoher vs. niedriger Arbeitsbelastung). Aufgrund des explorativen Charakters werden die KI-Präferenzen für jede KI-Option deskriptiv dargestellt. Wir testeten zu allen Szenarien mittels Kolmogorov-Smirnov-Test, ob sich die Verteilungen zur LoAPräferenz statistisch unterschieden. Ergebnisse Allgemeine Akzeptanz von KI-Systemen in der PEP. Es wurde geprüft, ob KI-Systeme in der Personaleinsatzplanung (PEP) allgemein akzeptiert würden und welchen Autonomiegrad (LoA) die Teilnehmer bevorzugten. Niemand wählte hierbei die Option einer vollständig manuellen Entscheidung. Mehrheitlich wurde das Unterstützungssystem (80 %) dem autonomen System vorgezogen (20 %). Dies zeigt zunächst eine allgemeine Präferenz für KI-Systeme bei PEP und bestätigt vorherige Studien darin, dass Nutzer ein hohes Bedürfnis nach Entscheidungskontrolle haben. Szenario 1: Arbeitsbelastung. Es wurde geprüft, ob die Arbeitsbelastung die Präferenz des Autonomiegrads der KI beeinflussen kann. Dazu wurden den Teilnehmern im Szenario zwei Situationen – eine mit hoher und eine mit niedriger Arbeitsbelastung – beschrieben, zu denen sie dann die jeweilige Präferenz angeben konnten. In Situationen mit niedriger Belastung wählten die Teilnehmer eher manuelle Systeme oder KI-Unterstützung und in
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