PERSONALquarterly 02 / 23 22 SCHWERPUNKT_KI ALS TEAMMITGLIED von der Berücksichtigung menschlicher Bedarfe bei der Prozessoptimierung der Personaleinsatzplanung profitieren. Diese Perspektive der Technologieeinführung kann von der Miele & Cie. KG auch bei der Zusammensetzung zukünftiger Projektteams genutzt werden, indem interdisziplinäre Arbeitsgruppen aus den Bereichen der Technologie- und Organisationsentwicklung, der Personalabteilung, der Arbeitswissenschaft sowie dem Betriebsrat gebildet werden. Die Zusammenarbeit dieser heterogenen Projektbeteiligten bietet einen hohen Mehrwert für die Ableitung neuartiger Lösungen auf Basis des Anforderungskatalogs der KI. Aufgrund des überschaubaren Aufbaus bietet das Prozessmodell darüber hinaus ein hohes Potenzial für die Anwendung im berufspraktischen Umfeld und soll Unternehmen wie die Miele & Cie. KG dazu befähigen, auch über das vorliegende Projekt hinaus eigenständig personalorientierte Entscheidungen einer KI gestalten zu können. Auf Basis dieses Vorgehens lassen sich spezifische Lösungen für unterschiedlichste Szenarien in zahlreichen Branchen entwickeln, wodurch der Prozess eine Grundlage für die vielfältige Anwendung darstellt. Abb. 3: Anforderung an die Gestaltung der KI auf Basis des Zusammenhangs von Arbeitsgestaltung und Arbeitseinstellungen Quelle: Eigene Darstellung Anforderung an KI Lösungsmöglichkeit Autonomie – Planung, Methode und Entscheidung Es besteht ein positiver Zusammenhang von Autonomie mit Arbeitsmotivation und Arbeitszufriedenheit sowie ein negativer zwischen Autonomie und emotionaler Beanspruchung. Das KIbasierte System muss demnach für die Beschäftigten einen hohen Spielraum im Bereich der Personaleinsatzplanung gewährleisten. Die KI-basierte Personaleinsatzplanung lässt über eine App-gesteuerte Lösung den Beschäftigten Freiräume zum selbstbestimmten Personaleinsatz. Die Beschäftigten können ihre eigenen zeitlichen und örtlichen Verfügbarkeiten in der App hinterlegen, sodass sie maßgeblich Einfluss auf die Schichtzuordnung haben. Aufgaben- und Anforderungsvielfalt Sowohl Aufgaben- als auch Anforderungsvielfalt gehen mit einer erhöhten intrinsischen Arbeitsmotivation sowie Arbeitszufriedenheit einher. Die KI-Lösung muss demnach eine hohe Abwechslung der Arbeitstätigkeiten gewährleisten. Rotationsmethoden werden bereits häufig in Unternehmen angewendet. Diese Methoden sollen der Monotonie der Arbeitstätigkeit vorbeugen. Sofern Daten über die Varianz unterschiedlicher Tätigkeiten sowie Informationen zur Beanspruchung der Arbeitsaufgaben im System hinterlegt werden, kann eine KI-gesteuerte Rotation vorgenommen werden. Den Beschäftigten können so heterogene Aufgaben mit unterschiedlichem Beanspruchungsniveau zugewiesen werden. Wichtigkeit Die wahrgenommene Wichtigkeit der Tätigkeit steigert die intrinsische Arbeitsmotivation und senkt die emotionale Beanspruchung. Das KI-System sollte demnach in der Lage sein, den Beschäftigten die Bedeutsamkeit der zugeordneten Tätigkeit zu verdeutlichen. Um die Wichtigkeit der jeweiligen Tätigkeit zu verdeutlichen, können über eine App Informationen abgerufen werden, wie die Tätigkeit in den Produktionsprozess eingegliedert ist. Informationsverarbeitung Informationsverarbeitung hängt positiv mit der Arbeitsmotivation und Arbeitszufriedenheit zusammen. In der KI-basierten Lösung sollten demnach Daten hinterlegt sein, die über den Umfang der zu verarbeitenden Informationen der Tätigkeit Aufschluss geben. Auch die Menge an Informationsverarbeitung kann über die zyklische Rotationsmechanismen variiert werden. Die KI sollte die Beschäftigten zwischen Tätigkeiten mit einem hohen und geringen Maß an Informationsverarbeitung rotieren lassen. Problemlösen Das Ausmaß an Problemlöseaktivitäten einer Tätigkeit hängt mit der intrinsischen Arbeitsmotivation sowie der Arbeitszufriedenheit zusammen. Das KI-System sollten zwischen Tätigkeiten mit geringen und hohen Problemlöseaktivitäten unterscheiden können. Informationen, inwieweit für die erfolgreiche Ausführung einer Tätigkeit Problemlösekompetenzen der Beschäftigten benötigt werden, sollen in der KI-Datenbank hinterlegt werden. Die KI sollte auch in Bezug auf die Problemlöseaktivitäten einen Rotationszyklus für die Beschäftigten vorschlagen, um eine hohe Abwechslung in Bezug auf das Problemlösen garantieren zu können. Soziale Unterstützung Die soziale Unterstützung hängt maßgeblich mit der extrinsischen Arbeitsmotivation sowie der Arbeitszufriedenheit zusammen. Im KI-basierten Personaleinsatzsystem müssen Informationen nach den Kooperationsmöglichkeiten in der Tätigkeitsausführung sowie in der Zusammensetzung von Teams hinterlegt sein. Das KI-System benötigt Informationen über das Ausmaß an Zusammenarbeit der einzelnen Tätigkeiten. Auch an dieser Stelle sollen die Beschäftigten zwischen Tätigkeiten mit geringer und viel sozialer Interaktion rotieren. Darüber hinaus sollten die Beschäftigten über die App-Schnittstelle Bedarfe nach der Zusammenarbeit mit spezifischen Kolleginnen und Kollegen hinterlegen, um so in einem gegenseitig unterstützenden Arbeitsumfeld tätig zu sein.
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