Personal quarterly 2/2023

PERSONALquarterly 02 / 23 20 SCHWERPUNKT_KI ALS TEAMMITGLIED wurden analysiert (vgl. Abb. 2). Wie in Abbildung 2 dargestellt, haben im beschriebenen Fallbeispiel 13 von insgesamt 21 Kriterien der Arbeitsgestaltung statistisch bedeutsame Zusammenhänge zu den Arbeitseinstellungen der Beschäftigten. Sowohl motivationale, soziale sowie kontextuelle Eigenschaften der Arbeitsgestaltung zeigen bedeutsame Zusammenhänge zu den Arbeitseinstellungen, wobei deutliche Schwerpunkte im motivationalen Bereich der Aufgaben- und Wissensmerkmale liegen. Diese Zusammenhänge sind auf Basis vorhandener Forschungsergebnisse erwartbar. Dennoch dient dieses Vorgehen dazu, die bedeutsamsten Kriterien für den jeweiligen Anwendungsfall zu diagnostizieren und eine gezielte Auswahl der wichtigsten Kriterien der Arbeitsgestaltung vornehmen zu können, auf deren Basis spezifische Lösungen für den Einsatz des intelligenten Systems entwickelt werden. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden diejenigen Kriterien ausgewählt, die besonders hohe Korrelationswerte aufweisen oder mit mindestens drei Maßen der Arbeitseinstellungen zusammenhängen. Im vorliegenden Fall wurden aus diesem Grund Planungs-, Entscheidungs- sowie Methodenautonomie, Aufgaben- sowie Anforderungsvielfalt, Wichtigkeit, Informationsverarbeitung, Problemlösen und soziale Unterstützung ausgewählt. Im KI-basierten Systemmüssen demnach Informationen über die Ausprägung dieser Kriterien hinterlegt sein, damit diese in den KI-gesteuerten Entscheidungsprozessen durch das System berücksichtigt werden können. 3. Schritt – Nutzung der Entscheidungsinhalte durch das KI-System Im letzten Prozessschritt müssen die Zusammenhänge zwischen relevant diagnostizierten Konstrukten in Anforderungen für die Entwicklung der KI übersetzt werden. Dieser Schritt beschäftigt sich damit, wie diese Informationen auf die KI übertragen und von der KI berücksichtigt werden. Im vorliegenden Fallbeispiel wurden auf Basis der Datenerhebungsergebnisse in einem finalen Schritt Anforderungen an die KI-gesteuerte Personaleinsatzplanung abgeleitet. In der KI müssen somit Informationen über die unterschiedlichen Ausprägungen der Arbeitsgestaltungskriterien hinterlegt sein, welche auf Basis des Algorithmus verarbeitet werden können. So muss das KI-System z. B. bewerten können, ob eine Tätigkeit über ein geringes oder hohes Ausmaß an Aufgabenvielfalt verfügt. In Abbildung 3 sind die konkreten Anforderungen für die bedeutendsten Kriterien der Arbeitsgestaltung aufgelistet. Diese Anforderungen sind für die technische Umsetzung von großer Bedeutung, um diese bei der Entwicklung des intelligenten Systems für die Personaleinsatzplanung berücksichtigen zu können. Fazit und praktische Implikationen Das dargestellte Vorgehensmodell hat im vorliegenden Fallbeispiel zur Einführung einer KI in der Personaleinsatzplanung die Teamzugehörigkeit haben Einfluss auf soziale Merkmale der Arbeitsgestaltung wie die soziale Unterstützung, was sich auf die Qualität der Zusammenarbeit und Teamleistung auswirkt (Latos, 2020). Welcher Tätigkeit die Beschäftigten zugewiesen werden, kann sich auf die Aufgabenmerkmale auswirken, z. B. wie wichtig die jeweilige Tätigkeit von den Beschäftigten bewertet wird. Diese Zusammenhänge zwischen Entscheidungen und Arbeitsgestaltungseigenschaften wirken sich im Anschluss auf die Arbeitseinstellungen der Beschäftigten aus. Im Zuge einer Übertragung der Entscheidungen von Führungskräften auf intelligente Systeme bleiben diese psychologischen Wirkmechanismen weiterhin bestehen und bieten somit ein hohes Potenzial für humanzentrierte Gestaltungsansätze von Technologien (Parker/Grote, 2019). 2. Schritt – Transformation der Entscheidungsinhalte für die KI-Nutzung Die zuvor ermittelten psychologischen Wirkmechanismen der Entscheidungsprozesse werden im zweiten Schritt für ein KIbasiertes System nutzbar gemacht. Dazu müssen die Eigenschaften derjenigen Konstrukte quantifiziert werden, über deren Inhalte eine Entscheidung getroffen wird. Anschließend werden die Zusammenhänge dieser Konstrukte auf die Arbeitseinstellungen der Beschäftigten inferenzstatistisch untersucht. Um den Entscheidungsfindungsprozess der Führungskräfte im Bereich der Personaleinsatzplanung auf ein KI-basiertes System übertragen zu können, müssen Daten über die vorliegende Arbeitsgestaltung der diversen Tätigkeiten bewertet werden. Im Anschluss müssen die Zusammenhänge der Arbeitsgestaltungseigenschaften mit der Arbeitsmotivation, der Arbeitszufriedenheit sowie dem Wohlbefinden der Beschäftigten für die KI-Gestaltung berücksichtigt werden. In diesem Prozessschritt sollte demnach die Frage nach Auswahl konkreter Arbeitsgestaltungsinformationen für die Personalentscheidungen des intelligenten Systems beantwortet werden. Dazu bietet sich eine quantitative Datenerhebung an, welche statistisch bedeutsame Zusammenhänge zwischen Arbeitsgestaltungseigenschaften und Arbeitseinstellungen ermittelt. So wurde auch im Leuchtturmprojekt „InTime“ eine quantitative Datenerhebung mit denjenigen Beschäftigten durchgeführt, die zukünftig von den Entscheidungen der KI betroffen sein werden. Insgesamt haben N = 69 Beschäftigte (MAlter = 42.97 Jahre, SDAlter = 12.12, Min.Alter 18 Jahre, Max.Alter 60 Jahre; 34.3 % weiblich, 65.7 % männlich) aus dem Fertigungs- und Montagebereich der Miele & Cie. KG Werke in Oelde und Gütersloh an der Befragung teilgenommen. Es wurden Fragebögen zur Messung der integrativen Arbeitsgestaltung (Stegmann et al., 2010), der Arbeitszufriedenheit (Neuberger/Allerbeck, 1978), der Arbeitsmotivation (Gagné et al., 2015) sowie des Wohlbefindens (Mohr/Rigotti/Müller, 2005) eingesetzt. Relevante Zusammenhänge zwischen den Kriterien der Arbeitsgestaltung sowie den Arbeitseinstellungen

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