Personal quarterly 2/2023

15 02 / 23 PERSONALquarterly Implikationen und Handlungsempfehlungen Die genannten Beobachtungen zeigen, dass Diskrepanzen zwischen Erwartungen an KI-Teammitglieder und den tatsächlichen Fähigkeiten von KI erkannt und aktiv adressiert werden sollten. Für dieses Vorhaben bestehen bereits in der Entwicklung und dem Design eines KI-Teammitglieds Ansatzpunkte. Darüber hinaus sollten die Auswirkungen des Wechselspiels zwischen Erwartungen und Realität auch während der Implementierung von Mensch-KI-Teams und der fortlaufenden Zusammenarbeit berücksichtigt und angepasst werden. Wie mittels eingebrachter Maßnahmen eine möglichst hohe Deckung von KI-bezogenen Erwartungen mit den realen KIFähigkeiten erzeugt werden kann, ist in Abbildung 2 illustriert. Hinsichtlich der Art der zu ergreifenden Maßnahmen unterstreicht die Befundlage die zentrale Rolle eines menschzentrierten Ansatzes. Das bedeutet, dass es für die Ableitung effektiver Maßnahmen in diesem Kontext unumgänglich ist, die Mitarbeitenden, die mit dem KI-Teammitglied zusammenarbeiten werden, möglichst früh in Überlegungen zur Einführung des KI-Teammitglieds einzubeziehen (Parker/Grote, 2020). Mit diesem Ansatz geht das deutliche Abwenden von einem technologischen Determinismus einher, in dem KI ohne die Berücksichtigung der Auswirkungen auf das Gesamtarbeitssystem implementiert wird. Allerdings bedingen sich Mensch und Technologie, wie in soziotechnischen Systemtheorien beschrieben, immer gegenseitig. Deshalb darf der Fokus von Maßnahmen zur Gestaltung von Mensch-KI-Teams nicht ausschließlich auf der Anpassung der Fähigkeiten von KI-Teammitgliedern an menschliche Erwartungen liegen. In diesem Sinne schlagen wir für verschiedene Phasen der Ausgestaltung der MenschKI-Zusammenarbeit Handlungsempfehlungen für das Management beider Seiten der Erwartungs-Realitäts-Beziehung vor. Die eine Seite fokussiert dabei auf das Einbeziehen menschlicher Erwartungen in die Gestaltung der KI, während die andere auf die Anpassung unrealistischer Erwartungen abzielt. Entwicklung und Design: Das Einbeziehen der Erwartungen der Mitarbeitenden, die in Zukunft mit einem KI-Teammitglied arbeiten werden, bietet die Möglichkeit, frühzeitig einen Grundstein für eine erfolgreiche Mensch-KI-Zusammenarbeit zu legen. Wir gehen dabei davon aus, dass eine grundsätzliche Bedarfs- und Nutzenklärung der KI-basierten Unterstützung für das Arbeitssystem durch alle relevanten Stakeholder (Management, Mitarbeitende, KI-Entwicklungsverantwortliche) vorgenommen wurde. Daraufhin sollte ein partizipatorischer KI-Entwicklungsprozess angestoßen werden. Das bedeutet, dass ein Austausch zwischen den Verantwortlichen für die Entwicklung der KI und den in Zukunft mit ihr arbeitenden Teammitgliedern begonnen werden sollte. Mitarbeitende erhalten die Möglichkeit, ihre KI-bezogenen Erwartungen den KI-Entwicklungsverantwortlichen mitzuteilen. Andersherum sollte dieser Austausch ermöglichen, dass die KI-Entwicklungsverantwortlichen das Spektrum und vor allem die Grenzen der Fähigkeiten des KI-Teammitglieds aufzeigen. Konkrete Methoden des partizipativen Designs sind vielfältig und können je nach Unternehmensstruktur und angedachtem KI-Anwendungsfall unterschiedlich ausgestaltet werden. Zu klassischen Werkzeugen des partizipativen Designs gehören Fragebogenerhebungen und Interviews mit Mitarbeitenden, in denen Erwartungen erfragt werden können. Für einen direkteren und tiefgreifenderen Austausch zwischen KI-Entwicklungsverantwortlichen und zukünftigen KI-Interaktionspartnern sind vor allemDesignworkshops denkbar. Dieses Format bietet den Vorteil, dass die Erwartungen der Teammitglieder untereinander gegenüber dem KI-Teammitglied eine Angleichung erfahren, da alle Teilnehmenden gebündelt Informationen zu den Fähigkeiten der KI erhalten. Zusätzlich erlangen sie durch den Austausch mehr Bewusstsein über die KI-bezogenen Erwartungen der anderen Teammitglieder. Implementierung: Die zuvor beschriebenen Maßnahmen können kostspieligen und im schlimmsten Fall sicherheitskritischen Fehlabstimmungen in der Mensch-KI-Interaktion vorgreifen. Dennoch garantieren sie keine ideale Passung zwischen den Erwartungen an das KI-Teammitglied und seinen realen Fähigkeiten, sodass eine Einbindung dieser Aspekte in der Implementierungsphase ebenso wichtig ist. ImKontext des realen Arbeitsalltags können zusätzliche Erkenntnisse über die Art und Weise, wie Mitarbeitende ihr KI-Teammitglied integrieren und wie KI selbst die Arbeitsprozesse verändert, hervortreten. Einige Erwartungen werden erst durch die Interaktion mit dem KI-Teammitglied im Arbeitsalltag überhaupt erkennbar. Deshalb sollte (mithilfe von arbeits- und organisationspsychologischer Expertise) ein Plan für die Implementierung der KI ausgearbeitet werden. Dieser sollte klar definieren, wann und wie die KI-bezogenen Erwartungen der Mitarbeitenden erhoben und adressiert werden. Essenziell ist dabei die (im Idealfall quantitative) Messung der initialen antizipatorischen Erwartungen vor der Implementierung. Eine weitere Erhebung (inklusive einer Messung der wahrgenommenen Bestätigung oder Widerlegung der initialen Erwartungen) sollte einige Wochen oder Monate später (je nach Anwendungsfall) stattfinden. Diese Daten geben Aufschluss darüber, wie die Mitarbeitenden die Fähigkeiten des KI-Teammitglieds wahrnehmen und ob Diskrepanzen zwischen initialen Erwartungen und tatsächlichen Fähigkeiten bestehen. Aus den Ergebnissen kann abgeleitet werden, inwiefern das KI-Teammitglied und seine Einbettung in das Team weiter konfiguriert werden müssen und ob Mitarbeitende eingehender hinsichtlich der Fähigkeiten des KITeammitglieds aufgeklärt und geschult werden sollten. Fortlaufende Zusammenarbeit: Durch die beschriebenen Maßnahmen zur Entwicklung und Einführung des KI-Teammitglieds wird eine Grundpassung zwischen KI-bezogenen Erwartungen und den Fähigkeiten der KI hergestellt. Jedoch

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