58 PERSONALquarterly 03 / 23 SERVICE_PRAXISBLICK PERSONALquarterly: Was beeindruckt Sie an Wissenschaft? Dr. Uwe Horn: Die Motivation, die Welt zu bewegen! Sie treibt uns auch als IAV an. Wir glauben wie die großen Pioniere der Wissenschaft, dass mit dem richtigen Hebel alles möglich ist. Die Definition des Hebels hat sich für uns allerdings verändert. Als Engineering-Dienstleister für die Autoindustrie mit 7.600 Mitarbeitenden bewegen wir die Welt heute bspw. durch unsere modernen KI-Methoden, vernetzte Software und umweltfreundliche Antriebsstränge. PERSONALquarterly: Die Wissenschaft hat in der Gesellschaft an Vertrauen eingebüßt. Welche Bedeutung hat sie für Sie? Horn: Ich glaube, die Wissenschaft ist nicht in Verruf. Sie liefert Fakten und hilft uns, diese von Fiktion zu unterscheiden. Wissenschaftliche Erkenntnisse können z. B. ein Gegenentwurf zum Influencer-Hype sein. Sie können uns helfen, News von Fake News zu unterscheiden. Allerdings führte die größere Sichtbarkeit von Wissenschaftlern während der Pandemie zu einer unsachlichen Kritik und Skepsis gegenüber ihrer Forschung. Die wissenschaftliche Integrität wurde zu häufig im Namen extremistischer Ideologien untergraben. Deshalb müssen wir uns mehr denn je für eine rationale und faktenbasierte Weltsicht einsetzen. PERSONALquarterly: Welche Berührungspunkte haben Sie persönlich mit der Wissenschaft? Horn: Ich habe eine klassische akademische Laufbahn durchlaufen. Ich war Student der Wirtschaftswissenschaften an der Sam Houston State University in Texas und der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. Während meiner Promotion an der Universität Hamburg konnte ich weitere Kontakte in der Wissenschaft knüpfen. Damit verbunden war und ist bis heute meine eigene Lehrtätigkeit. Ich schätze es sehr, mich mit Masterstudenten und Doktoranden auszutauschen, ihr Input ist für mich sehr wertvoll. Es war mir immer wichtig, eine Verbindung zur wissenschaftlichen Lehre zu halten. Deshalb gehe ich regelmäßig Kooperationen mit Universitäten ein. PERSONALquarterly: Welche Kooperationen sind das? Horn: IAV ist eine Ausgründung aus der TU Berlin. So verbinden wir stets Wissenschaft und Praxis. Wir bieten jungen Wissenschaftlern bspw. an, bei uns berufsbegleitend zu studieren. IAV stellt zwei Stiftungsprofessoren an der HS Mittweida, die Masteranden im Studiengang „Vernetzte Intelligente Systeme“ ausbilden. Zudem sitze ich im Beirat im Weiterbildungsverbund „(Re)Shape Automotive Industry“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Höherqualifizierung und Umschulung für Beschäftigte der Automobil- und Zuliefererindustrie anzustoßen und zu erleichtern. Außerdem plane ich ein wissenschaftliches Projekt zum Thema Meetings. Mit unserem „Best-in-Class“-Anspruch wollen wir neue Qualitätsstandards setzen und haben das Ziel, den Status quo zu verbessern. Damit wir gezielt wissenschaftliche Innovationen fördern können, hat IAV außerdem eine Schnittstelle zwischen Forschung und angewandter Entwicklung geschaffen. Darüber hinaus werde ich zukünftig als Beiratsmitglied des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik (NFF) den Vorstand bei grundlegenden Fragen unterstützen. PERSONALquarterly: Kann die Wissenschaft helfen, das Personalmanagement in den Unternehmen besser zu machen? Horn: Das kann ich klar bejahen. Bspw. erleichtern agile Methoden das Personalmanagement. Die Voraussetzung für Veränderung muss aber erst einmal bestehen, auf Führungsebene und bei der Belegschaft. Wir als IAV setzen auf die Zusammenarbeit mir pragmatisch denkenden Uniprofessoren. Das hilft uns dabei, das eigene Handeln bei Innovationsthemen zu evaluieren. Der PERSONALquarterly-Fragebogen PQ stellt Personalverantwortliche vor, die im Austausch mit der Wissenschaft stehen und so Personalarbeit voranbringen. In dieser Ausgabe: Dr. Uwe Horn, IAV GmbH. DR. UWE HORN ist Arbeitsdirektor des Engineering-Dienstleisters IAV GmbH in Berlin.
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