Personal Quarterly 3/2023

54 SERVICE_DIE FAKTEN HINTER DER SCHLAGZEILE PERSONALquarterly 03 / 23 Lohnerhöhungen gegen Fachkräftemangel? In den Medien wird der Fachkräftemangel diskutiert. Was diese Schlagzeilen und Meldungen für Unternehmen bedeuten, überprüft PERSONALquarterly. Dr. Christina Guthier, Wirtschaftspsychologin in Düsseldorf Im Fachkräftemonitoring1 für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales werden seit 2007 unter der gemeinsamen Leitung des Bundesinstituts für Berufsbildung und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung Projektionen zum Fachkräftebedarf erstellt. Grundsätzlich wurden im aktuellen Fachkräftemonitoring Passungsprobleme am Arbeitsmarkt festgestellt: Es herrscht Fachkräftemangel in einigen Berufsgruppen und Regionen. Gleichzeitig ist Arbeitsplatzabbau in anderen Berufsgruppen und Regionen zu beobachten. Für das Jahr 2026 werden Engpässe in 87 von 140 betrachteten Berufsgruppen prognostiziert. Besonders betroffen seien Berufe, die einen starken Arbeitsplatzaufbau benötigen, wie z. B. Berufe in den Bereichen Erziehung oder Informationstechnologie, oder für die es einen hohen demografischen Ersatzbedarf gebe, wie z. B. im Metallbau. Noch dazu sollen die demografischen Entwicklungen, Digitalisierung und Dekarbonisierung berufliche Engpässe in den kommenden Jahren verstärken. Unabhängig von diesen Prognosen stehen auch gegenwärtig schon einige Unternehmen vor der großen Herausforderung, ausreichend Fachkräfte zu haben, um den Betrieb sicherzustellen. Medien diskutieren über Lohnerhöhungen als Lösung für den Fachkräftemangel Im Gastbeitrag „Wo Arbeitskräfte fehlen, können Lohnerhöhungen helfen“2 von Ifo-Institut-Präsident Clemens Fuest und IZA-Chef Simon Jäger in der FAZ vom 6. März 2023 werden Lohnerhöhungen als das zentrale Mittel gegen den Fachkräftemangel dargestellt. Dazu im Gegensatz betont Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), im Spiegel am 7. März 2023: „Leider ist der Fachkräftemangel real.“3 Lohnerhöhungen seien als Lösung zu kurz gedacht. Es brauche eine mehrgleisige Strategie, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Was stimmt nun? Können Lohnerhöhungen das entscheidende Mittel sein, um Fachkräfte anzuziehen und zu halten, oder braucht es mehr, um den laufenden Betrieb in den Unternehmen auf Dauer sicherzustellen? Der Forschungskontext  F achkräftebedarfe werden wissenschaftlich vor allem mithilfe von Arbeitsmarktprojektionen (vgl. Fachkräftemonitoring) analysiert.  I nternationale Forschungsergebnisse zu Effekten von Lohnerhöhungen sind überwiegend unter den Begriffen higher wages/salary/pay, wages/salary/pay increase, wages/salary/pay raise zu finden.  Z entrale Fragestellungen sind bislang z. B., ob Beschäftigte - durch höhere Löhne bei der Arbeit motivierter sind, - eher bereit sind, den Job zu wechseln, wenn in einem anderen Unternehmen ein höherer Lohn zu erzielen ist, - oder ob Unternehmen mit Lohnerhöhungen auf Mangel an Bewerberinnen und Bewerber reagieren. Die Forschungslage  D ie wenigen Studien, die es zum Thema Fachkräftemangel gibt, sind überwiegend deskriptiver oder prognostizierender Natur.  E in IAB-Forschungsbericht aus dem Jahr 2012 zum Thema „Fachkräfte und unbesetzte Stellen in einer alternden Gesellschaft“4 hat u. a. analysiert, wie Betriebe mit Stellenbesetzungsproblemen umgehen. Als Datengrundlage dient das IAB-Betriebspanel. In dieser Panelstudie werden jährlich Betriebe befragt.5 Für den Forschungsbericht wurden die Betriebe konkret gefragt, welchen Strategien sie hohe, geringe oder keine Bedeutung beimessen, um Stellenbesetzungsprobleme zu lösen: - 42 % der befragten Betriebe haben der Fort- und Weiterbildung von Beschäftigten, 34 % dem Schaffen attraktiver Arbeitsbedingungen und 33 % der Ausbildung von Fachkräften hohe Bedeutung zugeschrieben. - Für etwa jeden fünften Betrieb waren folgende Punkte von hoher Bedeutung: · ältere Fachkräfte länger im Betrieb zu halten, · längerfristige Personalentwicklung zu betreiben, · die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, · für den Betrieb durch Öffentlichkeitsarbeit zu werben. - Für etwa jeden zehnten Betrieb waren Kooperationen mit

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