Personal Quarterly 3/2023

42 PERSONALquarterly 03 / 23 NEUE FORSCHUNG_PEOPLE ANALYTICS gesellschaftlichen Diskussion stark verankert und wird durch zahlreiche Beiträge aus der Informatik, am prominentesten vielleicht in der Arbeit von Katharina Zweig (2019) gestützt. Im Vergleich hierzu zeigt sich in dem von uns untersuchten Diskursfeld ein deutlich anderes Verhältnis zwischen dem propagierten Nutzen einerseits und den eher randständig behandelten Risiken andererseits. Die Problematik fehlender datentechnischer Expertise der Anwenderinnen und Anwender und daraus resultierender Unsicherheiten im korrekten und sicheren Umgang mit PA-Tools wird ebenso thematisiert wie die Gefahr eines Vertrauensverlusts in den Arbeitgebenden als mögliche Folge eines Gefühls von Überwachung und Intransparenz. Insbesondere eine stärkere rechtliche Regulierung des Einsatzes von PA wird hier als ein möglicher Ausweg diskutiert. Darüber hinaus wird in einigen wenigen Fällen die Sorge darüber geäußert, dass das Wissen über die Verwendung von PA bei den Angestellten das Risiko eines Gaming the System berge. Gaming the System beschreibt hierbei die Praxis der Verhaltensänderung von Menschen als Reaktion darauf, dass sie bewertet, beobachtet oder gemessen werden (Espeland/Sauder, 2007: 1), das heißt eines „cheating by the numbers“. Insgesamt werden datengestützte Entscheidungen als objektiver, aussagekräftiger und weniger anfällig für menschliche Verzerrungen dargestellt als solche, die auf Erfahrungswissen oder Intuition („Bauchgefühl“) beruhen. Die Annahme einer Überlegenheit datenbasierter Entscheidungen bestimmt demnach den Diskurs. Gleichwohl gibt es auch Stimmen innerhalb des Diskurses, die sich dafür aussprechen, dass final keine algorithmenbasierten Entscheidungen getroffen werden sollten, sondern die finale Entscheidung beimMenschen liegen müsse. Algorithmen könnten und sollten demnach lediglich Empfehlungen geben. In einigen wenigen Beiträgen wird die Komplementarität datenbasierter/algorithmischer und menschlicher Entscheidungslogiken im Sinne eines wechselseitigen Korrektivs hervorgehoben: „Intuitiv das Richtige zu tun, ist eine wichtige Fähigkeit erfolgreicher Manager. Meine Erfahrung hat mich aber auch gelehrt, dass es ausgesprochen riskant ist, sich nur auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Um Fehlentscheidungen auf der Basis diffuser Intuition zu vermeiden, sollte der Bauch auf jeden Fall mit Daten ergänzt werden.“ Datenschutz, betriebliche Mitbestimmung und Ethik Der Themenkomplex Datenschutz spielt im Diskurs um die Nutzung von People Analytics eine zentrale Rolle, sowohl in den Branchenmagazinen als auch in den öffentlichen Medien. Im Fokus steht dabei die in Europa erlassene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Neben Passagen, die allgemein die Einhaltung von datenschutzrechtlichen Regelungen bei der Anwendung von People Analytics im Unternehmen betonen, finden sich in den untersuchten Texten auch konkrete Vorschriften, die es zu beachten gelte. Dominierend ist hier die „Rechtmäßigkeit der Verarbeitung“ (Art. 6 DS-GVO). Als Erlaubnistatbestände für die Verarbeitung personenbezogener Daten werden ausschließlich und ähnlich oft die individuelle Einwilligung und die Betriebsvereinbarung genannt. Daneben gehen einige der Texte auch auf Artikel 5 DS-GVO ein, der die Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Daten regelt. Im Fokus stehen hierbei der Transparenzgrundsatz, der in den untersuchten Texten eng an die Informationspflicht (Art. 13 DS-GVO) gekoppelt ist, sowie die Zweckbindung. Abb. 1: Datenkorpus Allgemeine Zeitungen Anzahl FAZ 3 Süddeutsche Zeitung 3 Deutschlandfunkkultur 2 Die Welt 1 Die Zeit 1 Springer Professional 1 Tagesschau 1 Insgesamt 12 Branchenmagazine Haufe 10 Total Rewards 7 Human Resources Manager 6 Computerwoche 5 IT Daily 4 Handelsblatt 2 Banking Hub 1 Computerwelt 1 Digitalbusiness Cloud Magazin 1 Handelszeitung 1 Heise 1 IT Zoom 1 Netzwoche 1 Online Marketing Rockstars 1 PT-Magazin 1 T3N 1 Techtag 1 Insgesamt 45 Quelle: Eigene Darstellung

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