36 PERSONALquarterly 03 / 23 NEUE FORSCHUNG_AGILITÄT Ergebnisse: Agile Praktiken hängen positiv mit psychischer Gesundheit zusammen Die Analyse der Daten erfolgte mittels eines Strukturgleichungsmodells, welches im Vergleich zu multiplen Regressionsanalysen die simultane Prüfung komplexer Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen ermöglicht. Die vermuteten Zusammenhänge werden in Pfaddiagrammen dargestellt. Der Test des Modells umfasst die Auswertung der Güte des Gesamtmodells sowie der Schätzung der Pfadkoeffizienten als Stärke der Einflüsse zwischen den Variablen (vgl. Schermelleh-Engel et al., 2003). Unser in Abbildung 2 dargestelltes Modell wurde unter Einbeziehung der beiden indirekten Pfade von agilen Arbeitspraktiken zu emotionaler Ermüdung über Arbeitsanforderungen und zu emotionalem Engagement über Arbeitsressourcen getestet. Die Interpretation der Ergebnisse erfolgt über die standardisierten Pfadkoeffizienten (γ > ±.20 = moderater Zusammenhang) und das Signifikanzniveau (< .05 = signifikant, < .01 = hoch signifikant). Das Modell zeigte insgesamt eine akzeptable Passung. Wie erwartet waren die Pfade von den Arbeitsressourcen zu emotionalem Engagement (γ = .66, p < .001) und von den Arbeitsanforderungen zur emotionalen Ermüdung (γ = .44, p < .001) positiv und signifikant. Der Pfad von agilen Arbeitspraktiken zu Arbeitsanforderungen war ebenfalls wie vermutet negativ und signifikant (γ = -.19, p = .036), während der Pfad von agilen Arbeitspraktiken zu Arbeitsressourcen positiv und signifikant war (γ = .59, p < .001). Der indirekte Effekt agiler Arbeitspraktiken auf das emotionale Engagement über die Arbeitsressourcen war signifikant (γindirekt = .39, p = .003), und der indirekte Effekt agiler Arbeitspraktiken auf die emotionale Ermüdung über die Arbeitsanforderungen war etwas kleiner, aber dennoch signifikant (γindirekt = -.08, p = .043). Diskussion und Schlussfolgerung Wir untersuchten die Auswirkungen agiler Arbeitspraktiken auf die psychische Gesundheit von Beschäftigten auf der Grundlage des JD-R-Modells (vgl. Demerouti et al., 2001). Unsere Fragestellung bezog sich darauf, welche Rolle die Arbeitsgestaltung für die Beziehung zwischen agilen Arbeitspraktiken und psychischer Gesundheit spielt. Konkret haben wir getestet, ob die Auswirkungen agiler Arbeitspraktiken auf die psychische Gesundheit durch die beiden Mechanismen Arbeitsanforderungen und Arbeitsressourcen erklärt werden können. Unsere Ergebnisse unterstützen unsere Hypothesen. Folgende konkrete Erkenntnisse konnten wir gewinnen: Quelle: Eigene Darstellung Abb. 2: Strukturgleichungsmodell mit Zusammenhängen zwischen agilen Arbeitspraktiken, Arbeitsanforderungen und Arbeitsressourcen und emotionalem Engagement und Ermüdung Agile Arbeitspraktiken (t1) Arbeitsanforderungen (t2) Emotionale Ermüdung (t2) Arbeitsressourcen (t2) Emotionales Engagement (t2) – 0.19* 0.59** 0.47** .0.71** Selbstorganisation Inkrementierung Iteratives Planen Retrospektive Autonomie Soziale Unterstützung Feedback von der Aufgabe Arbeitslast Zeitdruck Arbeitsunterbrechung Pfadkoeffizienten sind standardisiert. * p < 0.05, ** p < 0.01, n = 253
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