PERSONAL quarterly 2/2020

50 ESSENTIALS _REZENSIONEN PERSONALquarterly 02/20 E motionale Intelligenz ist die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen, einzuordnen und gleichsam regulieren zu können. Der Ausbau emo- tionaler Intelligenz ist nicht nur für Führungskräfte wichtig, werden mit ihr in der Praxis doch auch eine höhere Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und damit im Ergebnis auch finanziell erfolgreichere Firmen verbunden. Experten vermu- ten, dass über 75 % großer Unternehmen solche Trainings ein- setzen. Auch die Zahl der Trainingsanbieter amMarkt ist riesig. Aber sind solche Trainings ihr Geld wert und kann emotionale Intelligenz überhaupt erlernt werden? Die vorgestellte Metaanalyse analysiert die Forschungslage dazu. Metaanalysen aggregieren die Ergebnisse vieler wissen- schaftlicher Studien, sie sind damit besonders gut geeignet, Effektgrößen einzuschätzen. Die Autoren haben in diesem Fall 76 Studien verglichen. Die Forschung bezüglich emotionaler Intelligenz unterscheidet weitgehend zwischen zwei Modellen. Einerseits zwischen dem auf Fähigkeiten basierenden Modell und andererseits dem gemischten Modell. Während sich das Fähigkeitsmodell hauptsächlich auf die eingangs erwähnten Fähigkeiten bezieht, betrachten gemischte Modelle zusätzlich noch weitere Fähigkeiten, die wir auch als Leadership Skills be- zeichnen, bspw. Empathie, Motivationsfähigkeit und Resilienz. Die Autoren kommen in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass Trainings zur Verbesserung der emotionalen Intelligenz, un- abhängig vom jeweiligen Training und in beiden Modellen, einen moderaten, aber positiven Effekt haben. Keinen signifi- kanten Einfluss auf das Ergebnis hat hingegen das Geschlecht der Teilnehmer, was eine Hypothese der Autoren war. Frühere Studien ließen Unterschiede in der Effektgröße vermuten, da Frauen durchschnittlich eine höhere emotionale Intelligenz aufweisen und damit bei einem gleichen Training geringere Verbesserungen zeigen als Männer. Offen bleibt die Frage, wie genau die Trainings die emotionale Intelligenz verbessern, also welche Trainings effizienter sind als andere. Damit ist auch offengeblieben, ob Trainings bspw. mit Coaching-Bestandteilen eine bessere Wirkung haben und welcher Mitarbeitertyp am meisten von den Trainings profitiert. Besprochen von Peter Göhre , Lehrstuhl International Business, Universität Paderborn Kann emotionale Intelligenz erlernt werden? Victoria Mattingly & Kurt Kraiger (Colorado State University): Can emotional intelligence be trained? A meta-analytical inves­ tigation. Human Resource Management Review, 29(2),2019, 140–155. Überspann den Bogen! Ella Miron-Spektor (Technion-Israel Institute of Technology), Amy Ingram (Clemson University), Josh Keller (Nanyang Technological University), Wendy K. Smith (University of Dela- ware), Marianne W. Lewis (University of London): Microfoun- dations of organizational paradox: The problem is how we think about the problem. Academy of Management Journal Volume 61, Issue 1, March 2017 D urch eine immer stärker geforderte Dynamik in Organisationen wird das Arbeitsleben von kon- kurrierenden Zielen bestimmt. So stehen z. B. Pro- duktmanager im Spannungsfeld zwischen täglicher Aufgabenerfüllung und dem Druck, die Innovation von morgen zu ermöglichen. Das Autorenteam nimmt sich dieser Thematik an und entwickelt ein theoretisches Modell, umdie Ansätze von Individuen im Umgang mit Spannungen zu erklären. Zunächst entwickelten die Autoren in einer international angelegten Studie ein Instrument zur Messung von Spannungen, das an- schließend in einem großen Konsumgüterunternehmen inner- halb der USA anhand verschiedener Methoden getestet wurde. Insgesamt nahmen 135 Produktmanager an einer Fragebogen- studie mit anschließendem Interview teil. Die Produktexperten berichteten davon, wie sie Spannungen in ihremArbeitsumfeld erleben. Die Autoren identifizierten die Ressourcenknappheit, also z. B. begrenzte Zeit sowie begrenzte finanzielle Möglich- keiten, als Quelle von Spannungen. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass eine paradoxe Denkweise, also das Ausmaß, in dem Spannungen akzeptiert werden, helfen kann, die Performance sowie die Innovationskraft des Mitarbeiters zu steigern. Die Ergebnisse zeigen, dass die paradoxe Denkwei- se als Schlüssel zur Freisetzung des positiven Potenzials von alltäglichen Spannungen dient. Für die Unternehmenspraxis ergeben sich wertvolle Ansät- ze, um Spannungen zu bewältigen. Die Autoren skizzieren Strategien, indem sie die Rolle der paradoxen Denkweise her- vorheben. Sie argumentieren, dass es nicht ausreicht, Span- nungen zu erkennen – sondern diese am ehesten bewältigt werden, wenn eine Denkweise gefördert wird, die auch Ak- zeptanz ermöglicht. Das eigens entwickelte Instrument zur Messung von Spannungen bietet Führungskräften wie auch Mitarbeitenden die Möglichkeit, den eigenen Umgang mit Spannungen zu bewerten und mögliche Auswirkungen auf ihre Arbeitsergebnisse zu identifizieren, um so gegebenen- falls Maßnahmen zur Verbesserung des eigenen Umgangs mit Spannungen anzuleiten. Besprochen von Kian Malucha , Lehrstuhl International Busi- ness, Universität Paderborn

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