PERSONAL quarterly 2/2020

27 02/20 PERSONALquarterly W ährend sich „Old Work“ dadurch auszeichnet, dass Menschen die „Instrumente“ sind, die Arbeit ausführen, möchte „New Work“ es Men- schen ermöglichen herauszufinden, was sie wirklich wollen (Bergmann, 2018). Somit hat die New-Work- Bewegung das Ziel, die Arbeit für Menschen erfüllend und sinnstiftend zu gestalten. Dabei ist eine inspirierende Arbeitsat- mosphäre von entscheidender Bedeutung. Für eine inspirieren- de Arbeitsatmosphäre bedarf es mehr als nur eines Tischkickers im Büro oder bunter Wände: Die Arbeitsumgebung muss so ge- staltet sein, dass die Menschen, die sich dort aufhalten, optimal und selbstbestimmt arbeiten können (Dul/Ceylan, 2011). Bisher findet der Aspekt „Raum“ in der Forschung jedoch wenig Be- achtung (Said-Metwaly et al., 2017). Dabei ist das Raumkonzept zentral, um Kreativität, Agilität und Innovationen zu fördern (von Thienen et al., 2012). Wir zeigen in diesem Artikel, wie über die Gestaltung von Arbeitsräumen eine kreative Arbeitsat- New Work Habitat: Wie die Arbeitsumgebung innovatives Handeln fördern kann Von Dr. Paul C. Endrejat, Pascal Abel, Simon Fischer, Dr. Daniel Herrmann und Kara Abel (The Why Guys GmbH) mosphäre und Kollaboration gefördert werden können. Darauf aufbauend legen wir dar, warum die Raumgestaltung partizipa- tiv, das heißt von denjenigen, die dort später arbeiten, konzipiert werden sollte. Um diese theoretischen Überlegungen greifbar zu machen, stellen wir die Entwicklung des „DenkRaums“ Braun- schweig vor. Anhand dieser Fallstudie leiten wir ab, wie Orga- nisationen eigene Raumkonzepte entwickeln können, die neue Arbeitsformen ermöglichen. New Work und Raumgestaltung Wenn eine Organisation ein innovatives Klima etablieren möch- te, sollte sie Austausch, Kooperation und Kollaboration zwischen den Mitarbeitenden fördern (Lee et al., 2019). Ein Ansatzpunkt hierfür ist die Gestaltung der physischen Umwelt (Hoff/Öberg, 2015). Abbildung 1 stellt drei zentrale Charakteristika zur Ge- staltung dieser physischen Umwelt dar, die aus der Literatur abgeleitet wurden und im Folgenden ausgeführt werden. Quelle: Eigene Darstellung Charakteristika der physischen Umwelt Manifestation in der Raumorganisation Fördert Kreativität und neues Arbeiten, weil … Exemplarische Referenzen Diverse Plätze zum Arbeiten Raumgliederung in Zonen für unterschiedliche Arbeits- modi und Atmosphären: • Kommunikation • Kollaboration • Konzentration • Kontemplation und Regeneration … diverse Umgebungen den aktuellen Bedürfnis- sen der Mitarbeitenden gerecht werden Appel-Meulenbroek et al. (2011); Wohlers/Hertel (2017) Flexible Räume Bewegliche und tragbare Elemente als raumbildende, sog. architektonische Möbel können sowohl frei beweg- lich als auch adaptierbar sein. Möbel und Accessoires sind leicht zu verschieben oder lassen sich tragen. … die Möglichkeit, räumliche Situationen schnell und störungsfrei zu verändern, eine Adaption an die Situation erlaubt Becker/Steele (1995); Greene/ Myerson (2011) Informeller Raum Zentrale, offene Begegnungspunkte (z. B. Küche oder Basketballkorb), die leicht zugänglich sind und zur Aktion einladen … zufällige Begegnungen die Kommunikation und „spontane“ Unterstützung sowie spiele- risches Verhalten und den Abbau von Hemm- schwellen und Hierarchien fördern Appel-Meulenbroek et al. (2011); Fayard/Weeks (2007) Abb. 1: Charakteristika von Räumen, die New Work ermöglichen

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==