PERSONAL quarterly 1/2020

53 01/20 PERSONALquarterly PROF. DR. KIRSTEN THOMMES Lehrstuhl für Organizational Behavior Department für Management Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Universität Paderborn kirsten.thommes@uni-paderborn.de https://wiwi.uni-paderborn.de/dep1/org anizational- behavior-prof-dr-kirsten-thommes/ krete Feldforschung umsetzen. Ob die Ergebnisse überraschen oder ob sie die Ausgangsthese bestätigen, hängen bleibt in jedem Fall, dass datenbasierte Resultate eine gute Grundlage für Managemententscheidungen sind. Da die wenigsten Studie- renden an der Hochschule bleiben, nehmen die kommenden Manager in ihre Betriebspraxis – so hofft Thommes – ein gutes Verhältnis zu Daten, Fakten und Statistiken mit. Kirsten Thommes jedenfalls hat frühzeitig zu evidenz­ basierten Antworten gefunden. Aufgewachsen im beschau- lichen niederrheinischen Moers bewarb sich Kirsten Thommes für ihr BWL-Studium an traditionsreichen Universitäten in eher kleinen Städten. Die Abiturientin wurde von der ZVS – Zentra- le Vergabestelle für Studienplätze nach Marburg delegiert. An der Philipps-Universität entwickelte sie ihre Vorliebe für Statis­ tik und ging deshalb nach dem Diplom zur Promotion an die Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ihr Schwerpunkt wurde die Humankapitalfinanzierung, ihr Dissertationsthema das „Out- sourcing von Personalfunktionen“. Es folgten ein Post-doc-Jahr an der Universität für Gesundheitswissenschaften Wien und ein Projekt an der Radboud Universität Nijmegen, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, darüber, was mit der Produktivität passiert, wenn Streiks in Unternehmen statt- finden. Das Ergebnis: Es hängt von der Hetero- bzw. Homogeni- tät des Teams ab, wie sich die Teamleistung nach einem Streik entwickelt. Auch am Personallehrstuhl der RWTH Aachen blieb Thommes dem Thema Team treu. Mit Unternehmensdaten un- tersuchte die Wissenschaftlerin die Gruppenzusammenarbeit im Schichtsystem, insbesondere den wechselseitigen Einfluss von Kernteams und der Gesamtgruppe auf Veränderungen. Ein unerwartetes Forschungsergebnis zeigte, dass die Produk- tivität in einem Team aus unbefristeten und befristeten Mitar- beitern durch vorauseilenden Gehorsam gestört wird, wenn Vorgesetzte mit der Entfristung der Zeitvertragsbeschäftigten winken. Mit Methodenmix sieht man mehr von der Wirklichkeit Von den drei Jahren an der RWTH Aachen übernahm Kirsten Thommes für ein Jahr die Vertretung des Personallehrstuhls. 2016 dann wechselte sie an die BTU nach Cottbus, um die Ver- tretung des Lehrstuhls für Organisation, Personalmanagement und Unternehmensführung zu übernehmen. Zwei Aspekte reizten die Forscherin: „Ich konnte dort weiter interdisziplinär arbeiten, wie ich es mit Wissenschaftlern aus technischen Fä- chern auch schon in Aachen getan hatte, und ich hatte mehr Freiraum, eigene Themen zu verfolgen.“ Konkret nahm in den Forschungsprojekten neben dem Menschen die Maschine ei- nen größeren Raum ein – über Algorithmen oder als Kollege im Team, der Mitarbeiter unterstützt. In ihren Projekten nutzt die Professorin unterschiedliche Methoden. Das hänge, sagt sie, zum einen mit dem Gegenstand zusammen und zum anderen mit der Chance, Daten zu sam- meln. Im Labor ließen sich Teamaufgaben lösen wie die Frage, wer welchen Einsatz zeigt für das gemeinsame Werk. In der qualitativen Befragung könne man die Ursache herausfinden, warum Teams gemeinsam in die Kantine gehen oder getrennt Mittag machen. Und bei Konfliktthemen biete sich eine quanti- tative Methode an. Nicht immer ist ein Methodenmix möglich, aber Forscherin Kirsten Thommes favorisiert ihn: „Man sieht aus unterschiedlichen Blickwinkeln mehr von der Wirklich- keit.“ Entscheidend ist für sie, „dass Untersuchungen evidenz- basiert sind und nicht aus dem Bauch heraus argumentiert wird“. Evidenzbasiert allerdings mit Big Data gleichzusetzen – wie es häufig passiert – lehnt die Paderborner Hochschul- lehrerin ab.

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