PERSONAL quarterly 1/2020

21 01/20 PERSONALquarterly DR. SUSANNE FREUND Wissenschaftliche Mitarbeiterin Professur für Sozial- & Organisations­ psychologie Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt E-Mail: susanne.freund@ku.de www.ku.de/ppf/psychologie/psych3/ PROF. DR. ELISABETH KALS Professur für Sozial- & Organisations­ psychologie Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt E-Mail: elisabeth.kals@ku.de www.ku.de/ppf/psychologie/psych3/ SUMMARY Research question: Which factors influence change readiness of volunteers in the context of organizational change? Methodology: longitudinal quantitative questionnaire study in volun- teer fire brigades, with an experimental and control group Practical implications: In order to explain the change readiness of volunteers and to implement changes in voluntary organizations, the transfer of concepts from paid employment is useful. Hereby, the spe- cifics of voluntary work, such as the importance of values and needs for autonomy, must be taken into account. LITERATURVERZEICHNIS Armenakis, A. A./Bernerth, J. B./Pitts, J. P./Walker, H. J. (2007): Organizatio- nal change recipients‘ beliefs scale. Journal of Applied Behavioral Science, 43 (4): 481–505. Beher, K./Liebig, R./Rauschenbach, T. (2000): Strukturwandel des Ehrenamts. Gemeinwohlorientierung im Modernisierungsprozess. Weinheim: Juventa. Bernerth, J. B./Armenakis, A. A./Feild, H. S./Walker, H. J. (2007): Justice, cynicism, and commitment: A study of important organizational change variables. Journal of Applied Behavioral Science, 43 (3): 303–326. Dávila, M. C./Chacón, F. (2007): Prediction of longevity of volunteer service. A basic alternative proposal. Spanish journal of psychology, 10 (1): 115–121. Freund, S. (in Druck): Organisationsentwicklung in Freiwilligenorganisationen. Psychologische Modellbildung und Evaluation von Veränderungsbereitschaft und Engagement im Transformationsprozess. Wiesbaden: Springer Fachmedien. Hay, G. K./Beattie, R. S./Livingstone, R./Munro, P. 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Insgesamt erweist es sich als gewinnbringend für die Erfor- schung von organisationalen Veränderungen in Freiwilligenor- ganisationen, Kenntnisse aus der bezahlten für die freiwillige Arbeit zu adaptieren. Faktoren wie Wertepassung und Verfah- rensgerechtigkeit, die die gesamte Kultur der Organisation betreffen, haben großen Einfluss auf die Veränderungsbereit- schaft. Dies unterstreicht die Bedeutung der organisationalen Rahmenbedingungen für Freiwilligenarbeit. Doch zugleich be- tont der Einfluss gerade dieser Faktoren auch die besonderen Charakteristika der Freiwilligenarbeit, wie Wertbezogenheit und Autonomie. So ist angesichts der Unterschiede, die sich zwischen Freiwilligen- und Erwerbsarbeit zeigen, von einer di- rekten Übertragung von Praktiken des Personalmanagements auf Freiwillige abzusehen. Dennoch ist gerade die OE ein Feld, in dem Wissenstransfer in beide Richtungen, von Erwerbs- auf die Freiwilligenarbeit und ebenso von der Freiwilligen- auf die Erwerbsarbeit, sehr vielversprechend ist. Dies gilt nicht allein für Bereiche, in denen Haupt- und Eh- renamtliche meist gemeinsam beschäftigt sind, wie im Bevöl- kerungs- und Katastrophenschutz, in sozialen oder kirchlichen Einrichtungen: Denn die postindustrielle Arbeitswelt und die vielfach zu beobachtende Entgrenzung von Arbeit und Frei- zeit bringt die Erwerbs- und die Freiwilligenarbeit in vielerlei Hinsicht einander näher. Sinnerfüllung, Wertebezug, Gestal- tungswillen und Autonomie, die bislang v. a. die Freiwilligen- arbeit kennzeichneten, gewinnen auch in der Erwerbsarbeit an Gewicht. Angesichts ihrer Bedeutung im Rahmen organi- sationaler Veränderungen bieten die hier skizzierten Impulse ebenso vielversprechende Ansätze zur Gestaltung von Verän- derungsprozessen in der Arbeitswelt. In beiden Feldern ist es zentral, das Individuum in denMittelpunkt zu rücken und seine Veränderungsbereitschaft mit den ihr zugrunde liegenden Ur- teilen zu berücksichtigen. Dadurch können die Mitglieder der Organisationen bei den notwendigen Veränderungen „mitge- nommen“ werden, sodass Reformen mit ihrer Unterstützung gelingen und die Basis für eine erfolgreiche weitere Arbeit der Organisation gesichert ist.

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