PERSONAL quarterly 1/2020

14 PERSONALquarterly 01/20 SCHWERPUNKT _FREIWILLIGENARBEIT der Kombination eines transformationalen (engl.: transforma- tional) und dienenden (engl.: servant) Führungsstils. Individuelle Besonderheiten der Freiwilligenarbeit Auf individueller Ebene beschreiben Freiwillige ihre Per- son-Umwelt-Passung als einen Fit zwischen den eigenen Kompetenzen und dem angebotenen Service (sog. Kompetenz- Service-Passung). Für die einzelnen Freiwilligen ist es wichtig, die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen bestmöglich einzu- setzen. So erleben Freiwillige dann ein besonderes Passungs- gefühl, wenn sie ihre spezifischen besonderen Fertigkeiten in ihr Engagement einbringen können und so ihre individuelle Wirksamkeit direkt – bspw. durch eine servicebezogene posi- tive Rückmeldung des Leistungsempfängers – erfahren. Non- Profit-Organisationen sollten entsprechend darauf achten, dass Freiwillige gemäß ihren Stärken den jeweiligen Tätigkeiten zugeordnet werden und so eine bestmögliche Person-Tätigkeit- Passung (engl.: Person-Job Fit) erreicht wird. Gleichzeitig ist für das Erleben der eigenen Wirksamkeit der direkte Einfluss auf das Wohlbefinden der Leistungsempfänger essenziell. Die- ser sollte entweder in der täglichen Arbeit unmittelbar spürbar sein oder kontinuierlich kommuniziert werden. Ein Aspekt der Freiwilligen-Passung, der in diesem Kontext aufgrund der Natur der Tätigkeit in besonderem Maße auftritt, ist ein erfülltes Bedürfnis nach Autonomie und Freiheit. Freiwil- lige wollen – mitunter auch in Abgrenzung zu ihrem hauptamt- lichen Beruf – Möglichkeiten für eine kreative Entfaltung. Dies erfordert autonome Strukturen, das heißt einen freiheitlichen Rahmen, innerhalb dessen Freiwilligen in der inhaltlichen Aus- gestaltung ihrer Tätigkeit Handlungsspielraum gewährt wird. Hierdurch wahrgenommenes Vertrauen und Verantwortungs- gefühl fördert die Selbstentwicklung und -entfaltung am Ar- beitsplatz und führt zu einem hohen Maß an Passung. Rolle organisationsexterner Gegebenheiten Neben den bisher dargelegten Passungsaspekten, die unmittel- bar mit der Tätigkeit und der Organisation selbst in Verbindung stehen, gibt es externe Faktoren, die das Passungsgefühl von Freiwilligen beeinflussen. Zum einen ist dies Wertschätzung und Anerkennung durch die verschiedenen Anspruchsgruppen der freiwilligen Tätigkeit. Ganz besonders hervorzuheben ist die Bedeutung der Wertschätzung durch die Leistungsempfän- ger, die bspw. nonverbal in Form einer Umarmung erfolgen kann. Auch führt die Anerkennung und Bewunderung durch Dritte (Familie, Bekannte, Unbeteiligte) für die freiwillige Tä- tigkeit zu einer wahrgenommenen Passung. Während Letzteres schwer zu beeinflussen ist, können Organisationen einen Rah- men schaffen, in dem die Leistungsempfänger den Freiwilligen Anerkennung zeigen können, z. B. bei gemeinsamen Festen. Die Etablierung einer Anerkennungskultur ist zudem anzustreben, weil für die Freiwilligen die Anerkennung durch die Organisa- tion sowie durch die freiwilligen und hauptamtlichen Kollegen ebenso eine wichtige Rolle spielt. Da Freiwillige ohne monetäre Vergütung agieren, kann Anerkennung insbesondere in Form symbolischer Belohnungen erfolgen (z. B. durch Urkunden, Dankesbriefe oder die Einladung zu einem Jahresessen). Ein weiterer Aspekt der Freiwilligen-Passung ist die Kompa- tibilität mit anderen Lebensbereichen. Freiwillige empfinden Passung, wenn die Tätigkeit in Bezug auf temporale, psychische und physische Faktoren mit anderen Lebensbereichen verein- bar ist. Häufig engagieren sich Freiwillige, um freie oder frei gewordene zeitliche Kapazitäten (wenn bspw. im Lauf der Zeit die Verantwortung in der Kindererziehung zurückgeht) mit ei- ner für sie als sinnvoll erachteten Tätigkeit zu füllen. Organisa- tionen sollten also sicherstellen, dass die zeitlichen Ressourcen von Freiwilligen nicht überstrapaziert werden oder zumindest eine zeitliche Flexibilität in der Gestaltung der Tätigkeit ge- währt wird. Psychisch bedarf es für Freiwillige der Möglichkeit einer emotionalen Abgrenzung. Mitunter können Erfahrungen während der Tätigkeit – insbesondere im sozialen Dienstleis­ tungsbereich und Gesundheitsbereich – sehr belastend sein. Um Burn-out und damit verbundenen Fluktuationen vorzubeu- gen, ist eine soziopsychologische Unterstützung und Supervi- sion von zentraler Bedeutung. Die Freiwilligentätigkeit muss zuletzt auch den physischen Fähigkeiten entsprechen, sodass sich bspw. Freiwillige mit körperlichen Einschränkungen dennoch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Ressour- cen bestmöglich einbringen können. Können diese zeitlichen, psychischen und physischen Faktoren berücksichtigt werden, empfinden Freiwillige ein Gefühl der Passung. Fazit Freiwillige stellen für Non-Profit-Organisationen wertvolle Ressourcen dar. Um eine nachhaltige Bindung zu erreichen, müssen Organisationen diejenigen Komponenten in der orga- nisationalen Umwelt identifizieren, die für ein erfolgreiches Personalmanagement zentral sind. Im Rahmen der hier vor- gestellten qualitativen Studie konnten acht zentrale Aspekte für die Person-Umwelt-Passung von Freiwilligen auf vier Ebe- nen identifiziert werden: Missionskongruenz sowie erfülltes Bedürfnis nach organisationaler Unterstützung (organisatio- nale Passung), kollegiale Gemeinsamkeiten und gegenseitige Ergänzung sowie angemessene Führung (interpersonelle Pas- sung), Kompetenz-Service-Passung sowie erfülltes Bedürfnis nach Autonomie und Freiheit (individuelle Passung), erfülltes Bedürfnis nach Anerkennung sowie Kompatibilität mit ande- ren Lebensbereichen (organisationsexterne Passung). Diese Themen konkretisieren die eingangs genannten sechs etablier- ten Typen von Passung, so z. B. Person-Group Fit, bei dem in dieser Studie Gemeinsamkeiten und gegenseitige Ergänzung als relevant aufgezeigt werden konnten. Die starke Betonung von Autonomie und Freiheit ergänzt den Person-Job Fit. Die

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