PERSONAL quarterly 1/2020

10 SCHWERPUNKT _INTERVIEW PERSONALquarterly 01/20 LITERATURVERZEICHNIS Badura, B., et al. (Hrsg.) (2018): Fehlzeiten-Report 2018. Sinn erleben – Arbeit und Gesundheit. Berlin: Springer. Batson, C./Duncan, B./Ackerman, P./Buckley, T./Birch, K. (1981): Is empathic emotion a source of altruistic motivation? Journal of Persona- lity and Social Psychology, 40(2), S. 290–302. Chalofsky, N./Krishna V. (2009): Meaningfulness, Commitment, and Engagement: The Intersection of a Deeper Level of Intrinsic Motivation. Advances in Developing Human Resources, 11 (2), S. 189–203. Clary, E. G., et al. (1998): Understanding and assessing the motiva- tions of volunteers: A functional approach. Journal of Personality and Social Psychology, 74(6), S.1516–1530. Deci, E. L./Ryan, R. M. (1985): Intrinsic motivation and selfdetermina- tion in human behavior. New York: Plenum. Graeff, P./Weiffen, B. (2001): Das gestörte Verhältnis zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen – Was ist zu tun? 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Obwohl sich Berufs- und Freiwillige Feuerwehren in einem ähnlichen Tätig- keitsumfeld befinden und insgesamt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede in ihren Motivstrukturen und in ihrer Ar- beitszufriedenheit aufweisen, zeigen die Ergebnisse: Freiwilli- ge Feuerwehrleute schöpfen eher und insgesamt vielfältigere Lebensbedeutungen aus als Berufsfeuerwehrleute. Dabei ist – wie auch Studien aus der Gruppe um Tatjana Schnell zeigen – die höhere Ausprägung von Generativität be- sonders hervorzuheben. Generativität ist eine zentrale Ent- wicklungsaufgabe. Sie beschreibt das Empfinden, eine Spur bzw. einen Nachhall im Leben zu hinterlassen, der über den eigenen Tod hinaus Bestand hat. Generativität kennzeichnet zudem die Fähigkeit, Verantwortung und Fürsorge für die nächsten Generationen zu übernehmen. PERSONALquarterly: Freiwilliges Engagement lässt sich auch als Kompensation von Erwerbsarbeit interpretieren. Was kann frei- williges Engagement dem Einzelnen bieten, wozu Erwerbsarbeit nicht in der Lage ist? Theo Wehner: Nicht nur Kompensation, sondern auch Ergän- zung und Karrierechancen könnte die Freiwilligenarbeit für Erwerbstätige bieten. In einer europaweiten Befragung von mittlerweile über 8.000 Freiwilligen des Roten Kreuzes sind wir u. a. dieser Frage nachgegangen. Die Befragten waren nur im Sozialbereich freiwillig tätig und mussten gleichzeitig auch erwerbstätig sein – mindestens zu 40 %. Die Ergebnisse sind vielfältig (Neufeind, im Erscheinen): Außer für Deutschland zeigt sich, dass sich Rot-Kreuz-Freiwillige Karrierechancen nur in geringem Ausmaß versprechen. Dieser Befund steht im Einklang mit Surveydaten, wo positive Rückwirkungen auf den Beruf ebenfalls so gut wie keine Rolle spielen. Im Ländermittel spielen auch Kompensation und Ergänzung, im Gegensatz et- wa zum Wertebezug der Freiwilligenarbeit, eine eher geringe Rolle. Dort jedoch, wo Kompensation im bedeutsamen hohen Wertebereich liegt (Frankreich, Österreich, Schweden), sind die Werte für Ergänzung am niedrigsten. Umgekehrt gilt, dass für die Schweiz und Deutschland hohe Ergänzungswerte und die niedrigsten Kompensationswerte ausgewiesen wurden. Für die deutschen Rot-Kreuz-Helferinnen und -Helfer gilt also, dass sie mit ihrer Freiwilligenarbeit keine eventuell vorhandenen Defizite der Erwerbsarbeit zu kompensieren versuchen. Sie finden vielmehr etwas die Erwerbsarbeit Ergänzendes und versprechen sich dadurch gewisse Karrierechancen durch ihr freiwilliges Engagement.

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