33 · Immobilienwirtschaft Welche Rolle, Herr Sabel, spielt die aktuelle Förderkulisse bis Ende 2025? Sollten Investoren mit der Umrüstung abwarten? Ganz klar: Besser wird es nicht. Die aktuellen Förderprogramme sind ein echter Investitionsanreiz. Natürlich ist noch nicht klar, ob bzw. in welchem Tempo und in welchem Umfang die Förderung abgebaut wird. Aber die Tendenz ist eindeutig. Es wird über Deckelungen und sinkende Fördersätze diskutiert. Wer wartet, riskiert, dass er am Ende weniger Förderung bekommt und trotzdem investieren muss – weil das Ordnungsrecht die Umstellung verpflichtend macht. Deshalb mein Rat: Nicht auf die lange Bank schieben. Es gibt keinen rationalen Grund, abzuwarten. Warum ist die Wärmepumpe gerade in Kombination mit Photovoltaik und Speichertechnologien für Investoren ein Investment Case – und nicht nur eine klimapolitische Pflicht? Das ist aus meiner Sicht eine Investition in die Zukunft. Ich erhalte damit den Wert meiner Immobilie und mache sie gleichzeitig für Mieter attraktiver. Wer Wärmepumpe, PV und gegebenenfalls Speicher kombiniert, kann die Betriebskosten spürbar senken. Wir alle gehen davon aus, dass die Preise für fossile Energien steigen. Strom aus Erneuerbaren hingegen ist in der Herstellung unschlagbar günstig und wird – so die Prognose von Experten – mittelfristig auch für Endkunden günstiger. Diese Entwicklung schlägt sich direkt auf die Betriebskosten und damit auch auf die Mieten nieder – und sorgt für ein zukunftsfähiges, wettbewerbsfähiges Angebot. Die Kombination mit PV ist besonders spannend: Ich kann die Stromkosten für meine Mieter weiter reduzieren und mit einem Speicher – ob für Strom oder Wärme – den Eigenverbrauch optimieren. Das erhöht die Unabhängigkeit vom Markt, steigert die Attraktivität der Wohnung und wird zunehmend ein Entscheidungskriterium für Mieter. MARTIN SABEL Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe „BESSER WIRD DIE FÖRDERUNG NICHT“ Im Gespräch erklärt Martin Sabel auch die aktuelle POLITISCHE SITUATION rund um die Wärmepumpe und warum sie ein gutes Investment wäre. I N T E R V I E W MARTIN SABEL TEXT Frank Urbansky Wie wirkt sich die Integration von Wärmepumpen auf Betriebskosten und Cashflows in Mehrfamilienhäusern konkret aus? Man wird unabhängiger von Preisschwankungen – und das ist in einem immer volatileren Energiemarkt ein echter Vorteil. Für Vermieter heißt das: planbarere Betriebskosten, weniger Konflikte über Nebenkostenabrechnungen und eine höhere Attraktivität des Objekts. Mieter achten zunehmend darauf, ob ein Gebäude moderne Heiztechnik hat. So wie heute niemand mehr in eine Wohnung mit Kohleheizung ziehen will, wird es in wenigen Jahren auch mit Öl- oder Gasheizungen sein. Moderne Technik wird zum Standard und zum Qualitätsmerkmal, das auch höhere Nettokaltmieten rechtfertigen kann. Was bedeutet die Umstellung auf Wärmepumpen, PV und Speicher für die ESG-Bewertung? Die großen Player sagen es ganz offen: Wenn wir nicht investieren, wird unser Bestand irgendwann zum Risiko – oder gar zum „Stranded Asset“. Das gilt auch für kleinere Bestände. ESG und CSRD schaffen da ganz klar Handlungsdruck. Wer jetzt investiert, verbessert seine Nachhaltigkeitskennzahlen und sichert langfristig die Wertstabilität des Portfolios. Welche Risiken bestehen, wenn Immobilienunternehmen die Umstellung verschleppen? Wer wartet, gibt die Kostenkontrolle aus der Hand. Bei PV, Wärmepumpe und Speicher habe ich eine ziemlich verlässliche Kalkulation und werde unabhängiger. Bei Alternativen wie Fernwärme oder Wasserstofflösungen mache ich mich vom Anbieter abhängig und damit auch von dessen Preisgestaltung. Wir sehen aktuell, wie Fernwärmepreise explodieren, wenn fossile Quellen wegfallen. Die eigene Erzeugung macht mich resilienter und reduziert das Risiko, dass ich in ein paar Jahren in eine teure Nachrüstung gezwungen werde. Wie sehen Sie die Entwicklung in fünf Jahren? Schon heute ist die Wärmepumpe das meistverkaufte Heizsystem in Deutschland. Die Technologie setzt sich durch, die Industrie lernt, die Kosten sinken, und auch das Handwerk wird effizienter. Zusätzlich kommen PVT-Module als spannende Option ins Spiel, besonders für urbane Mehrfamilienhäuser mit begrenzter Dachfläche und einer insgesamt herausfordernden Situation für die Quellenerschließung. Wir sehen hier aktuell viel Bewegung. In fünf Jahren wird das kein Nischeninvestment mehr sein, sondern Standard.
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==