Immobilienwirtschaft Leseprobe

32 · Immobilienwirtschaft Nachhaltigkeit & Technologie Energieversorgung Hamburg-Schnelsen: Zwei Mehrfamilienhäuser (Baujahr 1968) mit zusammen 2.800 Quadratmeter Wohnfläche wurden auf ein Hybridsystem umgestellt. Luft-Wasser-Wärmepumpen mit 96 kW Leistung decken die Grundlast, Gaskessel die Spitzen. Ergebnis: 32.000 Euro Energiekosteneinsparung pro Jahr und 37,7 Tonnen weniger CO2. Dockyard Berlin: Ein hochmodernes Bürogebäude kombiniert unterschiedliche Technologien zu einem ganzheitlichen Energiekonzept. Herzstück ist ein 1.500 Kubikmeter großer Eisspeicher, der nach dem Prinzip der Latentwärme sowohl Wärme als auch Kälte besonders effizient bereitstellt. Ergänzt wird er durch PV- und PVT-Module auf dem Dach, thermisch aktivierte Fundamentpfähle sowie die Nutzung von Umweltenergie aus Luft und Erdreich. Drei Großwärmepumpen mit Ammoniak als natürlichem Vom Einzelhaus bis zum Quartier. Dass die Kombination funktioniert, zeigen zahlreiche Projekte. PRAXISBEISPIELE Kältemittel liefern über ein Megawatt Leistung und versorgen das Gebäude zusammen mit der Abwärme aus EDV-Anlagen und dem Speicher ganzjährig mit Wärme und Kälte. Gesteuert wird das Zusammenspiel der Komponenten von einem KI-basierten Energiemanagementsystem, das sich flexibel an Bedarf und Wetter anpasst; Simulationen zufolge können so rund 90 Prozent des gesamten Energiebedarfs gedeckt werden. Das Leuchtturmprojekt zeigt, wie urbane Quartiere auch in dicht bebauten Städten wie Berlin klimafreundlich mit Energie versorgt werden können. Lünen, Brambauer: Ein 1970er-Quartier wurde umfassend saniert. Neben Dämmung und Fenstererneuerung wurden Wärmepumpen, PV und Speicher integriert. Eigenverbrauchsquoten von über 60 Prozent zeigen die Stärke des Systems: geringere Abhängigkeit vom Strommarkt und stabile Betriebskosten für die Bewohnerinnen und Bewohner. Duisburg-Ungelsheim: 129 Gebäude mit 800 Wohneinheiten werden bis 2026 umgestellt. Luft-WasserWärmepumpen und PV haben die CO2-Emissionen von 40 auf zwei Kilogramm pro Quadratmeter gesenkt. Das Projekt gilt als Modellfall, der auf über 6.000 Wohnungen ausgeweitet werden soll. Strom bezogen werden muss. Zum anderen lassen sich Überschüsse aus PV ins Netz einspeisen oder im Quartier vermarkten, wodurch zusätzliche Cashflows generiert werden. Allerdings plant Ministerin Reiche auch bei der Einspeisung ins Netz Kürzungen oder gar eine Abschaffung der Einspeisevergütung für kleinere Anlagen. Die Wirtschaftlichkeit hängt also maßgeblich von der Stromallein ist zunächst ein Kostenfaktor – in Kombination mit Photovoltaik und Speichertechnologien wird sie jedoch zum Renditehebel. Genau darin liegt der Schlüssel für die Immobilienwirtschaft. Projektentwickler sichern sich Wettbewerbsvorteile, wenn sie PVAnlagen und Speicher frühzeitig in ihre Konzepte integrieren. Wohnungsunternehmen profitieren von planbaren Betriebskosten und stärken ihre ESG-Profile. Investoren erhalten Objekte, die regulatorisch zukunftssicher, förderfähig und wertbeständig sind. (Eine Übersicht mit den Entscheidungsgrundlagen bei verschiedenen Kombinationen mit Wärmepumpe siehe Tabelle Seite 81.) FAZIT Angesichts der hohen Förderung bis Ende 2025, der regulatorischen Pflichten aus GEG, CSRD und Omnibus-Gesetz sowie der steigenden Anforderungen von Mietern und Kapitalgebern ist die Botschaft eindeutig: Wer jetzt investiert, spielt den Erfolgsakkord – bevor der Markt ihn endgültig vorgibt. preisentwicklung ab. Ohne eine Photovoltaikanlage sind Wärmepumpen deutlich anfälliger für Preisvolatilität. Doch damit nicht genug. Der Fachkräftemangel, der den Einbau komplexer Systeme verzögern kann, wirkt sich auch auf den Wärmepumpenmarkt aus. Auch die Akzeptanz der Bewohnerinnen und Bewohner darf nicht unterschätzt werden. Lärmschutz bei Luft-Wasser-Wärmepumpen und der Platzbedarf von Außeneinheiten können in Bestandsquartieren zu Konflikten führen. Hier ist eine frühzeitige Kommunikation entscheidend. Fakt ist: Wenngleich die Investitionskosten (CAPEX) höher sind als bei konventioneller Heiztechnik, sinken dafür doch die Betriebskosten (OPEX) spürbar. Diese Einsparungen können direkt an Mieter weitergegeben werden und steigern so die Attraktivität der Objekte. Zudem behalten nachhaltige Bestände ihren Wert und bleiben finanzierungsfähig. Fonds, die ESG-konforme Assets anbieten, verzeichnen bereits heute eine höhere Nachfrage am Kapitalmarkt. Im Ergebnis entsteht ein klares Bild: Die Wärmepumpe 1 ALTBAU Bei entsprechender Sanierung können Wärmepumpen auch Mehrfamilienhäuser beheizen 1

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