Immobilienwirtschaft Leseprobe

31 · Immobilienwirtschaft 1 Betriebskostenreduktion = höhere Nettokaltmieten Immobilien mit niedrigen Energiekosten verbessern die Gesamtmietbelastung der Bewohnerinnen und Bewohner. In angespannten Wohnungsmärkten ist dies ein Vorteil, um Mieterbindung zu sichern oder Spielräume bei der Nettokaltmiete zu gewinnen. Besonders Genossenschaften nutzen dies, um sozialverträgliche Modernisierung mit Klimazielen zu verbinden. 2 ESG-Konformität = Werterhalt und Zugang zu Kapital Unter CSRD und EU-Taxonomie werden CO2-Bilanzen, Energieeffizienzklassen und der Anteil erneuerbarer Energien zu Bewertungskriterien für Investoren, Banken und Fonds. Gebäude mit fossilen Heizsystemen drohen ab 2030 zunehmend zu „Stranded Assets“ zu werden. Die Umstellung auf Wärmepumpen mit PV-Strom verbessert ESGKennzahlen sofort und wirkt direkt wertstabilisierend. 3 Förderfenster = Renditehebel Bis Ende 2025 gilt ein historisch hohes Förderniveau: Bis zu 70 Prozent der Investitionskosten können durch BEGZuschüsse, KfW-Darlehen und einkommensabhängige Boni abgedeckt werden. Für Projektentwickler bedeutet das: Wer in den nächsten 18 Monaten Projekte anschiebt, realisiert deutlich bessere Renditen als nach 2026, wenn die Förderung voraussichtlich gekürzt werden wird. Für Investoren und Projektentwickler ist entscheidend, wie sich Investitionen in Wärmepumpe, PV und Speicher in Cashflows und Immobilienbewertungen niederschlagen. Drei Argumentationslinien stehen im Vordergrund: die Wärmepumpe eine Kostenparität, wenn der Strompreis höchstens das Dreifache des Gaspreises (inklusive aller Abgaben und Netzentgelte) beträgt. Liegt der Strompreis darunter, heizt die Wärmepumpe günstiger als eine (moderne) Gasheizung. Steigt der Gaspreis – wie in den letzten Jahren zu beobachten – oder sinkt der Strompreis durch einen steigenden Anteil erneuerbarer Energien, wird die Wärmepumpe auch ohne Förderung zu einer attraktiven Option. Daher ist die Kombination mit Photovoltaik sinnvoll. PV-Anlagen produzieren Strom vor Ort zu Gestehungskosten, die mittlerweile bei vier bis acht Cent pro Kilowattstunde liegen – also weit unterhalb der Netzstrompreise. Speichertechnologien schließen die letzte Lücke, indem sie Überschüsse zwischenspeichern und in den Abend- und Nachtstunden bereitstellen. Das Trio ermöglicht somit eine weitgehend autarke Energieversorgung von Gebäuden und Quartieren – und wirkt wirtschaftlich doppelt. Zum einen sinken die Betriebskosten um 30 bis 60 Prozent im Vergleich zu Gas oder Öl, da weniger externer Wirtschaftlichkeitsberechnung der Kombinationen Wärmepumpe allein vs. Wärmepumpe + PV + Speicher – Wirtschaftlichkeitsvergleich (Beispielrechnung für ein Mehrfamilienhaus, 2.500 m2 Wohnfläche) Kriterium Wärmepumpe solo Wärmepumpe + PV Wärmepumpe + PV + Speicher Investitionskosten (CAPEX) ca. 280.000 € ca. 380.000 € ca. 450.000 € Förderquote (BEG, Stand 2025) 35–50 % (abhängig von Gebäudetyp und Einkommen) 40–55 % (inkl. PV-Zuschüsse) bis 70 % (inkl. Speicher-Boni und einkommensabhängig) Betriebskosten (OPEX) hoch, da Netzstrombezug > 70 % mittel, Eigenstromanteil 35–45 % niedrig, Eigenstromanteil 60–75 % Stromkosten pro Jahr ca. 60.000 € ca. 40.000 € ca. 25.000 € Amortisationszeit 12–15 Jahre 9–12 Jahre 7–10 Jahre CO2-Reduktion ggü. Gasheizung ca. 50 % ca. 65 % ca. 80 % ESG-Wirkung (CSRD-Reporting) begrenzt, abhängig vom Strommix positiv, eigener Erneuerbaren-Anteil nachweisbar sehr stark, hoher Eigenversorgungsgrad und Dekarbonisierung Bewertungseffekt (Asset Value) Werterhalt im Neubau, Risiko im Bestand Wertsteigerung durch ESG-Pluspunkte Maximale Wertsteigerung, hohe Taxonomie-Konformität, niedrige Betriebskosten Quelle: eigene Recherche 1 GROSS- WÄRMEPUMPEN, wie sie bei IKEA in Berlin zum Einsatz kommen, können ganze Gewerbegebiete beheizen. In Kombination mit PV und Speicher erhöhen sie ihre Flexibilität 2 PV-ANLAGEN können den Eigenverbrauch der Wärmepumpen in hohem Maße abdecken, am besten in Kombination mit einem Speicher

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