Immobilienwirtschaft Leseprobe

26 · Immobilienwirtschaft Frau Pruß, wie sieht Ihr Fazit aus nach einem halben Jahr neuer Regierung? Pruß: Das Gesetzgebungsverfahren zum Bau-Turbo ist schnell angelaufen. Man hat früh Kontakte in die Verbändelandschaft hinein gesucht. Für beide Seiten ist es wichtig, den Austausch weiter zu pflegen. Also keine weiteren Probleme? Pruß: Es ist natürlich noch eine Menge Arbeit zu tun, insbesondere mit Blick auf die Eigentümergemeinschaften. Wir brauchen den individuellen Sanierungsfahrplan als niedrigschwelliges Instrument, damit sich Gemeinschaften damit beschäftigen, was energetische Sanierung überhaupt bedeutet. Und was ist mit dem Verwalter als Klimamanager? Kaßler: Wir müssen Immobilienverwaltungen fit machen für das Thema Klimaneutralität. Aber sie verdienen daran in der Regel nichts und haben dadurch eine geringe Motivation, Prozesse in diesem Zusammenhang anzuschieben. Ist das Thema Bestandssanierung in der Regierung angekommen? Kaßler: Davon ist im Moment sehr wenig zu merken. Immerhin hat der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium Sören Bartol erkannt, dass das Thema vorangebracht werden muss, wenn die Zahlungssysteme, Legionellenbeprobung, Wohnungsvermietung – hier werden sich künftig dank KI viele neue Möglichkeiten eröffnen. Ein Gespräch über die ZUKUNFT von Immo- bilienverwaltungen. NEUE PROZESSE GEGEN DEN FACHKRÄFTEMANGEL TEXT Dirk Labusch FOTOS Ulf Büschleb SYLVIA PRUSS, MARTIN KASSLER I N T E R V I E W Regierung ihre Klimaziele bis 2045 erreichen will. Wir wissen alle, das geht nur im Bestand. Welche Themen sind weiter wichtig für den VDIV? Pruß: Der Fachkräftemangel, das ist seit Jahren bekannt. Dagegen helfen automatisierte Prozesse und dass wir die Zeiten der Eigentümerversammlungen ändern. Wir haben viel angestoßen, damit Verwaltungen darüber nachdenken, ihre Versammlungen deutlich vor 17:00 Uhr beginnen zu lassen. Kaßler: Ein großes Thema, das uns wieder begleiten wird, ist die erneute Novellierung des WEG. Hier müssen wir uns frühzeitig aufstellen. Die Evaluation des Wohnungseigentumsgesetzes WEG steht an, das Justizministerium wird prüfen, was sich in der Praxis bewährt hat und wo es Nachbesserungsbedarf gibt. Wo gibt es denn Nachbesserungsbedarf? Pruß: Etwa beim Thema Umlaufbeschlüsse. Da brauchen wir vereinfachte Verfahren. Es muss möglich sein, einen solchen Beschluss mit einfacher Mehrheit in die Welt zu setzen. Im Moment ist Allstimmigkeit erforderlich. Das ist oft unpraktikabel, da wir immer schneller handeln müssen. Die Probleme der Gemeinschaften in Bezug auf Sanierungen sind nicht mit einer jährlichen Eigentümerversammlung zu lösen. Kaßler: Es gibt bisher noch wenig richterliche Entscheidungen, die sich bereits mit dem neuen WEG 1 Verwaltung & Vermarktung Interview

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